Zulassung russischer Teams? Symbolbild Gemini KI
Die Teilnahme von Russischen Teams im Schachsport trotz des erbarmunglosen Angrifsskriegs gegen die Ukraine ist ein kontroverses Thema. Ganz grob gesagt spalten sich die Befürworter und Gegner in zwei Lager, je nachdem ob man dem Sport eine politische Komponente zubilligt oder nicht. Wenn ja, dann sollte die Teilnahme Russlands sanktioniert bleiben, um ein deutliches Zeichen gegen den Aggressor zu setzen und ihn an einer empfindlichen Stelle zu treffen. Ist man hingegen der Ansicht, dass Sport und Politik zwei getrennte Sphären sind, dann erscheint es sinnvoll, die Spieler*innen nicht dafür zu bestrafen, dass sie russischer Provenienz sind, und dass ihr Präsident verrückt geworden ist, und sein Nachbarland in Brand setzt. Man mag einwenden, dass Schachspieler ja auch die Föderation wechseln können, und das haben auch einige gemacht, zum Beispiel spielt Kosteniuk jetzt für die Schweiz. Doch man wird schwerlich verlangen können, dass alle russischen Schachspieler ins Ausland abwandern, um den russischen Sanktionen zu entgehen. Doch nun zur Sachlage:
Im November 2025 trat erstmals wieder ein russisches Team bei der Frauen-Weltmannschaftsmeisterschaft in Linares in Spanien an, ein Schritt, der von der Ukrainischen Schachföderation und einzelnen Kritikern aus der Schachszene scharf zurückgewiesen wird. Die endgültige Entscheidung über die vollständige Wiedereinsetzung russischer Nationalteams wird auf der FIDE-Generalversammlung im Dezember 2025 fallen.
Die Rückkehr des russischen Schachteams zur FIDE-Weltmeisterschaft erfolgt nach fast vier Jahren des Ausschlusses, der infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 verhängt wurde. Seitdem durften russische und belarussische Spieler nur unter neutraler Flagge teilnehmen, ohne nationale Symbole. Bereits Anfang 2025 hatte FIDE die Rückkehr von Jugend- und Behindertenteams aus Russland erlaubt.
Die Entscheidung zur Wiederzulassung orientiert sich an Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und anderen Sportverbänden, die ebenfalls das russische Paralympische Komitee wieder aufgenommen haben. FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich setzt sich für die Rückkehr ein, um Frieden und Einheit in der Schachfamilie zu bewahren, trotz des deutlichen Einflussverlustes Russland im internationalen Schach.
Kritik kommt insbesondere wegen der politischen Nähe Dvorkovichs zum Kreml und wegen der Haltung gegenüber den anhaltenden geopolitischen Spannungen. Die Ethikkommission der FIDE hat Dvorkovich für seine Kreml-Nähe bereits gerügt, während einzelne Schachverbände und Persönlichkeiten fordern, die Sanktionen beizubehalten. Russische Spieler*innen dürfen weiterhin unter neutraler Flagge spielen, und haben bei der Teamweltmeisterschaft 2025 erstmals wieder offiziell als Team unter der FIDE-Flagge teilgenommen.
Zusammengefasst: Das russische Team ist nach mehrjährigem Ausschluss seit November 2025 wieder bei der FIDE-Weltmeisterschaft der Frauen dabei, dies wurde durch eine politisch kontroverse Entscheidung ermöglicht, die auf Empfehlungen des IOC basiert und noch in der FIDE-Generalversammlung bestätigt werden muss. Die Rückkehr wird international kontrovers diskutiert und spiegelt den anhaltenden Konflikt zwischen Sport und Politik wider.
An dieser Stelle möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, über die Kommentarfunktion das Thema zu diskutieren, um so ein Meinungsbild einzuholen. Auf gehts!
Vielleicht traut sich niemand oder niemand hat eine glasklare Meinung – ich habe sie nicht, Gerald hat sie auch nicht oder nennt sie im Artikel nicht.
Nur mal als nicht völlig absurdes Gedankenexperiment: Was, wenn Russland den Krieg komplett gewinnt und in Kyjiw eine Moskau-freundliche Regierung einsetzt, die dann für Russland in Moldau einmarschiert (oder zusammen mit Russland und über russisches Territorium in Georgien)? Sollte das Konsequenzen für ukrainische Spieler*innen haben, wenn ja welche – individuell, Nationalmannschaft, Vereinsteams z.B. beim European Club Cup?
Zwei Dinge wären ja analog: nicht alle können oder wollen auswandern und den Verband wechseln. Und sie haben diese Regierung nicht gewählt, Putin wurde auch nicht demokratisch gewählt. Einige Russinnen und Russen unterstützen Putin (wie viele oder wenige ist schwer zu sagen). Einige (russischstämmige) Ukrainer*innen würden vielleicht auch die hypothetische zukünftige Regierung unterstützen. Ob auch Schachspieler*innen, da spekuliere ich mal nicht – wenn ich es richtig in Erinnerung habe sagte Korobov mal „ich bin ethnischer Russe und apolitisch“.
Hallo Thomas, danke für deinen Kommentar. Den zweiten von einem anderen User musste ich leider zurückweisen, nachdem er politisch völlig daneben war. Habe daraus gelernt, dass man sich hier auf der Seite mit politischen Diskussionen besser zurückhält. Meine Meinung zum Thema? Ich kann beide Positionen verstehen!
Für eine Aufhebung des Banns dürfte es kaum einen nachvollziehbaren Grund geben. Vieles spricht dagegen:
1. Wenn der Bann bislang richtig war, was hat sich denn geändert, um ihn jetzt aufzuheben?? Im Gegenteil, der russische Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung hat sich nochmals verstärkt.
2. An der Spitze des Weltfussballverbands FIFA steht eine ähnlich obskure Figur wie an der Spitze der FIDE. Dennoch ist eine Wiederzulassung russischer Teams etwa zur WM dort überhaupt kein Thema.
3. In der russischen Diktatur ist Sport wie generell in Diktaturen politisch sehr aufgeladen. Ein Ende des Banns wurde vom Alleinherrscher im Kreml sofort als „Sieg über den Westen“ verkauft
4. Für ukrainische Spieler wäre es eine Zumutung, mit Spielern und einer Flagge der Nation in einem Raum zu sitzen, die gerade einen barbarischen Vernichtungskrieg gegen sie führt.
5. Auch wenn die Ablehnung der russischen Aggression unter russischen Spitzenspielern möglicherweise verbreiteter ist als in der durchschnittlichen russischen Bevölkerung, spricht wenig dafür, den Bann ausgerechnet für Teams aufzuheben. Die Spitzenspieler, die dort zum Einsatz kämen, dürften nämlich überwiegend auch die Möglichkeit haben, unter der FIDE- Flagge an Einzelturnieren teilzunehmen. In sanktionierten Mannschaftssportarten gibt es diese Möglichkeit dagegen nicht. Der Schaden für russische Spitzenspieler hält sich deshalb in vergleichsweise engen Grenzen.
Zwei simple Fragen beschäftigen mich, seit diese Sanktionslawine über russische Sportler (und auch Künstler) losgetreten wurde, die sich nicht eindeutig gegen diesen Krieg Russlands gegen die Ukraine äußerten.
Nur wegen einer Gleichbehandlung:
Mir ist nicht bekannt, dass auch alle deutschen Schachspieler bzw. Schachspielerinnen sich ebenfalls gegen diesen Krieg aussprechen mussten (als Einzelperson, und nicht durch eine Verbandsvorgabe) – oder dass dies in anderen Ländern von der Bevölkerung verlangt wurde.
Was zur zweiten Frage führt.
Wie würden sich die Sanktionsbefürworter (hier aus sicherer Entfernung) verhalten, würden sie in einer Diktatur leben? Lieber „das Maul halten“ oder „den Helden/die Heldin spielen“ und dafür Jahre im Gefängnis in Kauf nehmen?
Unsere Moralapostel können aus sicherer Entfernung leicht „den Tapferen spielen“; sie haben ja nichts zu befürchten …
Und man sollte nicht die Putin-Clique mit Russland gleichsetzen!
Nicht die Putin-Clique mit Russland gleichsetzen? Das ist richtig, denn es gibt viele Menschen in Russland, die gegen den Krieg sind, und es nur nicht sagen dürfen, weil sie sonst verhaftet werden. Das könnte also auch bei Schachspielern so sein. Ich denke, das ist der Punkt: bestraft man mit den Sanktionen das System oder die Menschen? Im Ergebnis leider beide. Wobei man schon einräumen muss, dass es kein großes Zugeständnis ist, unter neutraler Flagge (FID) zu spielen. Eine härtere Sanktion wäre der komplette Ausschluss von Turnieren aufgrund der Zugehörigkeit zur Föderation.