Schach-Weltmeister Ding und Gukesh und die Krise der Schach-Weltmeisterschaft seit 2023
Nach der Verzichtserklärung von Magnus Carlsen im Sommer 2022 folgten mit Ding Liren (2023) und Gukesh (2024) zwei neue Wektmeister – und eine Krise der Schach-Weltmeisterschaft, die bis heute anhält.
Schade, ich mochte diese Serie sehr gerne, hoffentlich geht es mit Schachgeschichte weiter!
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Mich betrübt es sehr, dass die Schach-WM seit 2023 in einer Krise ist. Zwar funktioniert der Qualifikationsweg noch, doch das Ergebnis ist suboptimal: ja das System spuckt zuverlässig einen neuen Weltmeister aus, der dann aber seine Stellung in der Schachwelt nicht verteidigen kann. Hier genügt es, festzustellen, dass der aktuelle Weltmeister Gukesh auf Platz 10 der Weltrangliste steht, und der vorhergehende Weltmeister sogar nur auf Platz 16 (und weitgehend inaktiv ist). Und dass dieser Vorgänger in einem Interview sagte, dass er sich das Ziel gesetzt hätte, in einem Weltklasseturnier nicht auf dem letzten Platz zu landen…. Oder dass Gukesh kürzlich im World Cup (den er freiwillig mitspielte) in der dritten Runde von unserem GM Frederik Svane ausgeschaltet wurde. Von weltmeisterlicher Überlegenheit war hier keine Spur zu erkennen! Natürlich muss man einräumen, dass immer noch niemand mit Carlsen mithalten kann, aber das sollte nicht heißen, dass nicht wenigstens der zweit- oder drittbeste Spieler der Welt eben mal Weltmeister wird. Wir erinnern uns in dem Zusammenhang auch, dass ein Weltmeister Karpow oder Kasparow die Konkurrenz mindestens 10 Jahre lang dominierte, und auch Anand war deutlich länger im Amt, und steht heute noch in der Weltrangliste vor den beiden vorab Genannten.
Du willst offenbar einen dominanten Weltmeister. Welches System kann ihn produzieren, wenn es keinen dominanten Spieler gibt? Welches System kann verhindern, dass Spieler plötzlich abstürzen – oder sie proaktiv aussortieren, bevor es der Fall ist? Das gilt aus meiner Sicht nicht für Gukesh, der sich wieder berappeln kann. Es gilt für Ding Liren und auch für Nepomniachtchi – zweifacher Sieger des Kandidatenturniers, auch das dritte Mal nahe dran, im Mai 2023 Nummer 2 der Weltrangliste, bis Juni 2025 noch top10 und nun Platz 24.
Der konstanteste und insgesamt beste aktive Spieler ist wohl aktuell Caruana, aber wenn er das Kandidatenturnier nicht gewinnt wird er nicht Weltmeister. Jüngere/immer noch junge Spieler: Firouzja wurde allgemein (auch von Carlsen selbst) als Nachfolger von Carlsen gehandelt, das war dann nicht der Fall. Abdusattorov kriselte zuletzt und berappelt sich nun offenbar wieder. Die neuesten Aufsteiger sind Keymer und – auch wenn er in der Weltrangliste noch Nachholbedarf hat – Sindarov. Niemand dominiert, muss aus meiner Sicht auch nicht sein.
Vielleicht haben wir in einigen Jahren wieder _einen_ dominanten Spieler, vielleicht auch nicht. Wenn dann aus aktueller Sicht Yagiz Kaan Erdogmus?
Haben andere Sportarten eigentlich einen jahrelang dominierenden Weltmeister? Breit recherchiert habe ich nicht, aber teilweise gibt es wohl „wechselnde Weltmeister“, und das sind nicht unbedingt die insgesamt besten der jeweiligen Sportart. Warum „muss“ es dann beim Schach der Fall sein?