Symbolbild Fernschach. Grok KI
Einer Meldung auf Chessbase entnehmen wir, dass der BdF sein achtzigjähriges Jubiläum feiert, Anlass genug, auf diese Nische im Schachleben einzugehen.
Fernschach ist eine besondere Form des Schachspiels, bei dem die Spieler über lange Distanzen und Zeiträume gegeneinander antreten. Auf den ersten Blick wirkt Fernschach wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, weil die Züge früher per Postkarte übermittelt wurden. Tatsächlich aber hat diese Spielweise für manche Schachspieler auch heute im digitalen Zeitalter noch Relevanz und Faszination:
- Tradition trifft Moderne: Fernschach entwickelte sich von klassischen Postturnieren zu modernen Varianten mit E-Mail- und Server-Bedenkzeiten. Dadurch ist der Austausch schneller geworden, ohne dass die Ruhe und das tiefgründige Denken verloren gingen.
- Internationale Bedeutung: Es gibt nicht nur nationale Turniere, sondern auch internationale Wettkämpfe, Titelkämpfe, Olympiaden und eine große Datenbank (Corr Database 2026) mit Millionen von Fernschachpartien.
- Vielfalt im Fernschach: Neben klassischen Partien existieren auch spezielle Turnierformen – z. B. thematische Wettbewerbe und serverbasierte Duelle –, die gemeinsam zeigen, wie lebendig diese Spielkultur geblieben ist.
- Heutiger Stellenwert: Fernschach als Konzept bleibt relevant: Die Verbindung von akribischer Analyse, Zeit zum Nachdenken und moderner Vernetzung macht diese Spielart für viele Schachenthusiasten weiterhin attraktiv.
- Personengruppen: Fernschach ist unter anderem für folgende Menschen interessant:
– Arbeitnehmer, die keinen Urlaub für Schachturniere nehmen möchten
– Rentner, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht an Turnieren teilnehmen können
– Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, für die Turnierschach zu aufwändig oder zu stressig ist
– Spieler die auf dem Land wohnen, wo keine oder kaum Schachvereine existieren
– Menschen, die nach Perfektion im Schach streben, oder die an theoretischen Varianten arbeiten möchten
– Menschen, denen schnelle Formate wie Blitzschach und Rapid überhaupt nicht zusagen
Das war das Positive, was man über Fernschach sagen kann, doch es gibt natürlich auch Negatives.
- Der klassische Wettkampf zweier Spieler ist hier aufgehoben, denn hier spielen immer mindestens zwei gegen zwei, also Spieler plus Engine gegen Spieler plus Engine; die menschliche Leistung tritt dabei in den Hintergrund. Dass dann trotzdem Titel und Elozahlen vergeben werden, ist schon etwas pikant, denn wer hat die Zahl und den Titel errungen – der Spieler oder die Engine?
- Computerunterstützung: Das was im normalen Turnierschach mit Ausschluss und Sperre bestraft wird, ist im Fernschach gang und gäbe, nämlich maschinelle Analyse während der Partie, damit verlässt Fernschach den Bereich des Sports, es sei denn, man würde es wie Motorsport betrachten, wo Fahrer und Rennauto eine Einheit bilden.
- Remisseuche: 99 Prozent aller Partien im Fernschach enden Remis, eben weil jeder Computerunterstützung in Kauf nimmt, damit entfällt im Grunde der Wettkampfcharakter. Oft ist es sogar, dass mehrere Engines zur Unterstützung herangezogen werden.
- Sterberisiko: Partien dauern relativ lang, und werden oft nur deshalb gewonnen, weil der Gegner stirbt. Kein Witz, das ist mehrfach bei Turnieren passiert, dass ein Teilnehmer stirbt, und seine noch laufenden Partien als Verlust gewertet werden
- Mangelnde Sichtbarkeit: Man sieht des Gegner am Brett nicht, der Kontakt bleibt eher unpersönlich. Die Fernschachsspieler selbst bleiben weitgehend unbekannt, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
- Öffentlichkeitsausschluss: Über Fernschach wird in auch wenig in Schachmedien berichtet, und das obwohl die Partien sehr hochwertig sind. Ein Beispiel dafür ist auch hier dieses Medium. Zum ersten Mal berichten wir in diesem Beitrag über Fernschach
Um es auf den Punkt zu bringen: Fernschach ist in der heutigen Zeit nur noch eine Nische, die in der Regel nur von eingefleischten Fans besiedelt wird.
Bei der letzten WM verstarb ein Spieler, es gab dann 10 punktgleiche Weltmeister. Sie hatten das Glück, das ihre Partien gegen den Verstorbenen noch liefen. Die anderen hatten das Pech, gegen ihn schon Remis gespielt zu haben. Es wurde keine Partie der Weltmeisterschaft auf dem Brett entschieden, obwohl es ein Jeder-gegen-jeden-Turnier mit 17 Teilnehmern war. Ich bedauere die Entwicklung, sie ist aber nicht zu stoppen!
Die 33. Fernschach-Weltmeisterschaft endete im August 2025 mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Zehn Spieler, darunter der Deutsche Olaf Hesse, teilen sich den Weltmeistertitel, da sie nach fast drei Jahren Turnierdauer und 16 Partien punktgleich lagen. Das Finale der 17 besten Spieler begann im September 2022 und wurde auf dem ICCF-Server ausgetragen.
Ich muss an der Stelle zugeben, dass Fernschach auf mich noch nie den geringsten Reiz ausgeübt hat. Aber bitte, jeder wie er mag!