Symbolbild: Untergang des Deutschen Schachbunds. Gemini KI
Hamburg, 14. Februar 2026. München, 15. Februar 2026. Alexander von Gleich gibt sein Amt als Vizepräsident Finanzen des Deutschen Schachbundes zum Ende März auf, obwohl er erst seit Oktober 2024 kommissarisch im Amt war und bei Wahlen stets überwältigende Mehrheiten erhielt. Diese Nachricht überrascht, da von Gleich als erfolgreicher und beliebter Finanzexperte galt, und von Anfang an große Wertschätzung im Schachbund genoss. Und zuletzt sogar als Nachfolger der Präsidentin gehandelt wurde, wobei die Amtsübergabe im August, also in 6 Monaten stattfinden sollte. Doch dies ist nun wohl Geschichte.
Die Konfliktlinien
Der Rücktritt offenbart tiefere Spannungen im Präsidium. Von Gleich beklagt unterschiedliche Auffassungen über Sachfragen, Arbeitsweise und Kommunikation, bleibt aber in seiner öffentlichen Stellungnahme bewusst vage. Der konkrete Streitpunkt scheint die Gremienplanung zu sein: Von Gleich hält wohl den geplanten Hauptausschuss im Mai für überflüssig, da bereits im August ein außerordentlicher Bundeskongress vereinbart ist – aus seiner Sicht, und nicht nur aus seiner, wäre eine gebündelte Veranstaltung ausreichend gewesen. Und was liegt zwischen den beiden Terminen? Der Schachgipfel in Dresden im Juli! Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Man muss dazu wissen, dass gemäß der Satzung auf Hauptausschüssen nicht gewählt wird (allenfalls kann ein Posten dort kommissarisch besetzt werden), auf Kongressen aber schon.
Zwischen den Zeilen
Die diplomatische Formulierung verschleiert mit Sicherheit grundsätzlichere Differenzen. Es dürfte weniger um Terminkoordination gehen als um unterschiedliche Vorstellungen von Governance und Entscheidungsfindung im Verband. Die Tatsache, dass das Präsidium am Tag vor dem Rücktritt letztmalig in dieser Zusammensetzung tagte, deutet auf einen akuten Konflikt hin, der sich möglicherweise in dieser Sitzung zugespitzt hat.
Präsidentin Ingrid Lauterbach und die anderen Vizepräsidenten wurden (angeblich) von den Rücktrittsabsichten überrascht, doch das ist natürlich eine Schutzbehauptung. Solche Entwicklungen kündigen sich vorher an. Lauterbachs Stellungnahme würdigt zwar von Gleichs Verdienste bei der Aufarbeitung der finanziellen Schieflage und beim Transparenzaufbau, erwähnt aber auch die „erhebliche Belastung“ durch den Arbeitsaufwand. Dies könnte ein diplomatischer Hinweis darauf sein, dass unterschiedliche Erwartungen an Tempo und Intensität der Verbandsarbeit bestanden.
Am gleichen Tag wurde nun auch noch die Kündigung von Matthias Wolf zum 1.3.2026 gemeldet – ausgerechnet jener Mitarbeiter, der als Mitarbeiter der Geschäftsstelle die Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbunds auf ein neues Niveau gehoben hat. Und wieder das selbe Muster: Kündigung als verzweifelter Ausdruck des stillen Protests!
Wie geht es nun weiter?
Der Rücktritt eines fachlich kompetenten und beliebten Vizepräsidenten nach relativ kurzer Zeit ist ein Menetekel für den Deutschen Schachbund. Er deutet auf gravierende Meinungsverschiedenheiten hin. Die Formulierung von den „unterschiedlichen Auffassungen“ zeigt dies deutlich auf.
In der Politik würde man jetzt von einer Staatskrise sprechen, hier ist es „nur“ eine Verbandskrise. Doch es ist offensichtlich geworden: so kann es nicht weitergehen! Die Frage die sich nun stellt, ist die, ob der Deutsche Schachbund in dieser Lage überhaupt noch Resilienzkräfte hat, die ihm ein Überleben ermöglicht. Denn das ist nicht nur der Rücktritt eines Spitzenfunktionärs, das ist die gravierendste Vertrauenskrise im DSB seit über 3 Jahren, die hier vor den Augen der Öffentlichkeit ausgetragen wird! Zu viele Ehrenamtliche wurden bereits verschlissen und sind im Streit ausgeschieden, worauf Paul Meyer-Dunker zu Recht hingewiesen hat.
Der Schachbund steht nun also vor einem grandiosen Scherbenhaufen, wie kann es nun überhaupt weitergehen? Natürlich nicht mit der Nachwahl eines Vizepräsidenten Finanzen. Sondern offensichtlich, indem die Person Verantwortung für Fehlentscheidungen übernimmt, die an der Spitze steht, und die für die Rücktritte und Kündigungen verantwortlich ist. Und zwar jetzt und sofort! Und im Anschluss muss die unverzügliche Neuwahl des Präsidiums erfolgen. Ansonsten, das muss man wohl sagen, stellt sich die Frage, ob der Schachbund nach dem mehrfachen Aderlass der letzten Jahre überhaupt noch zu retten ist!