
GM Ivanchuk zeigt seine Spielerkarte vor. Photo: Veranstalter
Der ukrainische Großmeister Vasyl Ivanchuk ist einer der bekanntesten und vielseitigsten Schachgroßmeister der Welt, dessen Karriere und Persönlichkeit die Schachwelt seit etwa 40 Jahren prägen. seine Erfolge machen ihn zu einer der faszinierendsten Figuren der Schachgeschichte.
Frühe Jahre und Aufstieg zur Weltspitze
Ivanchuk wurde 1969 in Kopychyntsi, Ukraine, geboren. Bereits als Jugendlicher errang er große Erfolge, darunter den Gewinn der Europameisterschaft der Junioren 1987 und des New York Opens 1988. Im selben Jahr wurde er Großmeister und stieg mit kontinuierlichen Spitzenleistungen direkt in die Weltspitze auf. Schon 1989 gewann er erstmals das renommierte Turnier in Linares und konnte diesen Triumph 1991 und 1995 wiederholen. 1991 besiegte er dort sogar den amtierenden Weltmeister Garry Kasparow.
Weltklassekarriere und Anlauf auf den WM-Titel
Ivanchuk war von 1988 bis 2002 ununterbrochen in den Top 10 der Weltrangliste und häufig Anwärter auf den Weltmeistertitel. Seine besten Weltranglistenpositionen waren Nummer 2 im Oktober 2007 und Nummer 3 im Oktober 2008 und Januar 2009.
Trotz seiner herausragenden Fähigkeiten wurde er nie Weltmeister. 2002 erreichte er das Finale der FIDE-Weltmeisterschaft, scheiterte dort jedoch überraschend an Ruslan Ponomariov. Auch in späteren Weltmeisterschaftszyklen konnte er sein Potenzial oft wegen Nervosität und wechselhaften Leistungen nicht voll ausschöpfen. In anderen großen Turnieren war er jedoch extrem erfolgreich: Er siegte bei den wichtigsten internationalen Schachwettbewerben wie Linares, Wijk aan Zee, M-Tel Masters, Tal Memorial, Gibraltar und vielen weiteren. Zu seinen größten Erfolgen zählen der Gewinn der Blitz-Weltmeisterschaft 2007 und der Schnellschach-Weltmeisterschaft 2016, bei der er unter anderem Magnus Carlsen besiegte.
Erfolge auf Olympiaden
Ivanchuk war für die Sowjetunion und später für die Ukraine ein wichtiger Leistungsträger bei Schacholympiaden. In 14 Teilnahmen errang er 13 Medaillen und war viermal Teil des Gold gewinnenden Teams (Sowjetunion 1988 und 1990, Ukraine 2004 und 2010). Seine individuelle Bilanz mit einer Erfolgsquote von rund 66 Prozent unterstreicht seine Bedeutung für die Mannschaft.
Spielstil und Bedeutung
Ivanchuks Spielstil wird als einzigartig, kreativ und mutig beschrieben. Er ist bekannt für seine außergewöhnlichen Ideen, unberechenbare Züge und tiefgründigen Kombinationen. Sein Stil verbindet höchste technische Präzision mit überraschenden, opferreichen Angriffen. Viele Experten und Großmeister – darunter Garri Kasparow und Judit Polgár – halten Ivanchuk für ein echtes Schachgenie.
Persönlichkeit und Eigenheiten
Ivanchuk gilt als sehr emotional, unkonventionell und bisweilen exzentrisch. Sein Verhalten am und abseits des Brettes ist oft wechselhaft: Ihm wird nachgesagt, gelegentlich einen eigenen „Planet Ivanchuk“ zu bewohnen. Trotz gelegentlicher Fehltritte und Rückschläge – etwa nach dramatischen Niederlagen – blieb er über Jahrzehnte auf höchstem Niveau aktiv und bei den Fans beliebt.
Ivanchuk nach seiner Verlustpartie in New York.

Nichts konnte den unermüdlichen Schachkämpfer Ivanchuk bremsen, doch dann kam die Covid-Pandemie, und so spielte er zwangsweise von März 2020 bis September 2022 keine einzige gewertete Partie – wohl zum ersten Mal in seinem Leben 2,5 Jahre ohne Schach.
Sonstige Aktivitäten und Privates
Seit 2016 spielt Ivanchuk auch das Brettspiel Dame auf hohem Niveau und konnte international beachtliche Erfolge vorweisen. Privat war er zweimal verheiratet, wurde 2011 nach einem Überfall in Brasilien Opfer eines Verbrechens, was seinen weiteren Turnierverlauf beeinflusste. Er wurde mehrfach mit ukrainischen Orden und Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Verdienstorden und der Orden des Fürsten Jaroslaw des Weisen.
Heute ist GM Ivanchuk „nur noch“ etwa Nummer 100 der Welt, aber überall, wo er Schachturniere spielt, wird er wie eine lebende Schachlegende empfangen, die er ja auch ist!
Dieser Artikel basiert überwiegend auf den Angaben in Wikipedia, wurde aber manuell nachbearbeitet.
Lieber Gerry
Sehr interessanter und spannender Artikel mit einer Hommage für Vassily Ivanchuk. Er ist auch eines meiner Schachidole und es ist immer wieder sehr spannend, seine Partien zu studieren!
Beste Grüsse aus der Schweiz
Stefan