Symbolbild: Schachvergleich NRW-Bayern. Gemini KI.
Unser Autor Henning Geibel hat sich Gedanken über die Schachförderung in NRW gemacht:
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat etwa 18,1 Millionen Einwohner. Gut 19.100 von ihnen spielen Schach in einem der Vereine des Landes. Dies bedeutet, dass etwas mehr als ein Promille der Bevölkerung schachlich aktiv ist. In Bayern sieht es dagegen etwas anders aus: Das Land hat ca. 13,4 Millionen Einwohner, von denen rd. 17.600 beim DSB gemeldet sind. Das sind deutlich mehr als ein Promille.
Bayern liegt übrigens auch in der Bundesliga vorn: mit dem FC Bayern, Zugzwang und Deggendorf finden sich drei bayerische Vereine in der ersten Liga, während NRW mit Solingen und Düsseldorf nur zwei Vereine aufbietet.
Dies zeigt schon deutlich, dass man sich im bevölkerungsreichsten Bundesland offenbar nicht viel Mühe gibt, die Zahl seiner Schachspieler zu erhöhen und die vorhandenen Aktiven zu fördern.
Extrem erstaunlich aber ist, dass es beim dortigen Schachbund weder eine Referentin für Frauenschach noch einen Referenten für Seniorenschach gibt. Denn – man kann es kaum glauben – die Satzung des Landesverbandes sieht solche Positionen bisher nicht vor !!
Dies ist wohl auch der Grund, weswegen zwar überall in Deutschland zahlreiche Senioren-Turniere veranstaltet werden, im großen Flächenland NRW jedoch nicht – und dies seit gefühlten Ewigkeiten.
Offensichtlich ist die Spitze des dortigen Verbandes noch nicht ganz in diesem Jahrhundert angekommen, denn es sind auch keine Bemühungen erkennbar, diesen Mißstand zu ändern. Erstaunlich ist jedoch, dass sich sowohl die Spielerinnen als auch die Senioren dies seit Jahren gefallen lassen…
Hallo Gerald, die Anzahl der Bundesligamannschaften als Zeichen der Mühe, die Zahl der Schachspieler zu erhöhen, überzeugt mich nicht.
Der FC Bayern und die Deggendorfer spielten am Wochenende alle 16 Spiele nur mit Ausländern, dein Zugzwang setzte 4 deutsche Spieler ein, was lobenswert ist. Rekord war 6 deutsche bei Dresden und 5 bei Deizisau.
Ohne Frauenschachreferentin dominiert NRW übrigens beim Mädchenschach bei den Deutschen Meisterschaften!
Hallo Walter, die Anzahl der Bundesligamannschaften sagt schon etwas darüber aus, wie das Spitzenschach in den jeweiligen Bundesländern repräsentiert ist. Hier geht es nicht nur um die Staatsangehörigkeit, sondern auch um das Management, also das Engagement der Vereine. Im übrigen kritisiere ich ja den hohen Ausländeranteil in der Bundesliga seit vielen Jahren, wenn auch erfolglos. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf meinen gescheiterten Antrag auf dem Hauptausschuss in Paderborn.
Unser ehemaliger Senioren-Referent Wolfgang Block schreibt mir dazu, dass NRW-Präsident Ralf Chadt-Rausch lieber alles selber macht.
Wenn er es denn nur auch täte! Bisher sind mir im Laufe der Jahre keinerlei Aktivitäten von ihm auf dem Felde des Frauen- oder Seniorenschachs aufgefallen.
Ich lasse mich aber gerne eines anderen belehren…
Hallo Henning,
ich kenne Ralf Chadt-Rausch zu wenig, muss ihn aber loben. Vor langer Zeit hat er große Menschenkenntnis bewiesen, als er als Vizepräsident des DSB kurz nach der Wahl zurücktrat, weil er wusste, dass es mit Ulrich Krause beim DSB bergab geht.
Ich kenne einige Leute aus NRW und au Bundesebene, die ihn schätzen. Natürlich halte den ich den Seniorenvertreter und die Frauenvertreterin im Präsidiium für sehr, sehr wichtig.
Hallo Walter, hier geht es eigentlich mehr um die Stärken und Schwächen der Organisation als um die Bewertung der Person (des Präsidenten). Aber unabhängig erschließt sich mir nicht, wie du bei einem Funktionär, der auf Bundesebene eher für Totalopposition zu Beschlüssen auf Kongressen und Hauptausschüssen steht, zu einer positiven Bewertung kommen kannst. Diese Einschätzung erscheint mir doch sehr stark subjektiv gefärbt.
Der Sinn des Vergleichs erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht, erst recht nicht darauf basierende Kritik an Funktionären. Bei Bundesliga-Mannschaften war es ja letzte Saison noch umgekehrt: Düsseldorf, Solingen und Mülheim aus NRW, Bayern München und Deggendorf aus Bayern – dann Abstieg von Mülheim nach vielen Jahren und Aufstieg von Zugzwang. Solingen und Mülheim sind/waren dabei etablierte Bundesliga-Vereine, auch Bayern München war früher eine Fahrstuhl-Mannschaft (bzw. schaffte den Klassenerhalt nur durch Rückzug bzw. verweigerten Aufstieg anderer Vereine).
Deggendorf ist ja ein Kunstprodukt, etwas vergleichbar mit Kirchweyhe. Die Unterschiede: Deggendorf hat auch Inder (war nicht immer der Fall), Kirchweyhe ist fast eine reine Balkan-Truppe. Kirchweyhe hat auch eine ebenfalls balkanische Mannschaft in der Zweiten Bundesliga, bei Deggendorf spielt die „deutsche“ zweite Mannschaft viele Ligen tiefer. Jeweils gilt wohl: wenn ihnen das Geld bzw. der Sponsor/Mäzen abhanden kommen sollte ist komplett Schluss.
Ansonsten spekulative Ursachenforschung: jedenfalls „anfangs“ braucht man auch eigene/regionale Spieler – um höhere Ligen überhaupt zu erreichen für die man dann auch Ausländer einkauft. Starke Spieler verteilen sich in NRW (Ballungsraum Rhein-Ruhr) über deutlich mehr Vereine als in Bayern, wo es nur in München recht viele starke Vereine gibt.
Anteil Schachspieler an der gesamten Bevölkerung: eventuell liegt es auch daran, dass Schach tendenziell ein Sport für Akademiker und/oder reiche Leute ist. Davon gibt es in Bayern vielleicht, prozentual zur gesamten Bevölkerung, mehr als in NRW – siehe auch KI-generiertes Titelbild dieses Artikels.
Lieber Thomas,
Dein Zitat: „dass Schach tendenziell ein Sport für Akademiker und/oder reiche Leute ist.“
In diese Kategorie würde ich eher den Sport Tennis oder Golf einordnen.
Gerade Schach verlangt ja nicht eine kostspielige Sportausrüstung und die Vereinsbeiträge der Schachclubs – vor allem außerhalb der Großstädte – sind moderat. Wenn ich zum Vergleich an den Tennisclub bei uns in der Nähe denke: 300 € Jahresbeitrag für eine erwachsene Person.
Hallo Jolien,
Klar ist Schach nicht per Definition elitär bzw. teuer wie Tennis oder Golf. Aber verglichen mit z.B. Fußball oder Laufsport hat es vielleicht nach wie vor einen „elitären“ oder „intellektuellen“ Ruf, d.h. Arbeiter kommen („kollektiv“, nicht individuell) gar nicht auf die Idee das überhaupt zu probieren. Früher gab es auch mal explizit Arbeiter-Schachvereine, da Arbeiter sich unter Akademikern nicht wohl fühlten oder da gar nicht willkommen waren.
„Für reiche Leute“ ist etwas übertrieben, da hatte ich im Hinterkopf: wer DWZ/Elo 2200-2300 erreichen will muss viele Turniere (mit Hotelübernachtungen) spielen und vielleicht auch private Trainerstunden nehmen – das Geld dafür muss man haben (bzw. bei Jugendlichen die Eltern).
Vielleicht schreibe ich auch Blödsinn, es war ja nur „spekulative Ursachenforschung“. „dass man sich im bevölkerungsreichsten Bundesland offenbar nicht viel Mühe gibt, die Zahl seiner Schachspieler zu erhöhen und die vorhandenen Aktiven zu fördern“ hinterfrage ich eben, zum zweiten Punkt: Oberliga-Vereine fördern ihre Spieler auch dann, wenn sie nicht in die Zweite oder gar Erste Bundesliga aufsteigen.
„Keine Seniorenturniere in NRW“ kann auch einen anderen Grund haben: derlei Turniere (auch privat, nicht vom Landesverband organisierte) sind meistens in Urlaubs- oder Kurorten. Da hat NRW relativ wenig zu bieten – und das was es gibt ist in anderen Bundesländern eher nicht bekannt und würde daher deutschlandweit weniger Teilnehmer anziehen. Ich dachte z.B. an Willingen, aber das ist gerade so noch in Hessen.
Was mich als Wieder-Hesse (aufgewachsen in Südhessen, auf Umwegen in Osthessen gelandet) auch interessiert: warum gibt es in Hessen kaum Vereine in der Ersten oder auch Zweiten Bundesliga? Die Ausnahme nun Wolfhagen, geographisch bei Kassel aber laut Mannschaftsaufstellung irgendwo in der Ukraine. Dabei liegt Viernheim politisch in Hessen, nur schachorganisatorisch in Baden.
Hallo, Henning!
Du ziehst die falschen Größen zur Bewertung heran. Ich spiele seit Jahrzehnten Schach und organisiere in meinem Bezirk jährliche Seniorenmeisterschaften. Ich war noch nie auf einem der großen Seniorenturniere (Binz, …) und es reizt mich auch nicht. NRW ist nicht das typische Urlaubsland im Gegensatz zu Bayern. Um ein größeres Seniorenturnier auf die Beine zu stellen, braucht man eine vernünftige Kooperation mit einem größeren Hotel/Tourist-Information und einen großen Spielsaal. Fast alle Seniorenturniere finden in der Nebensaison statt.
Es ist zwar richtig, dass Senioren-Turniere vorzugsweise in Kur- oder Urlaubsorten veranstaltet werden. Das liegt vor allem an der guten Infrastruktur, die dort vorhanden ist (Hotels, Restaurants, Kurparks, sonstige touristische Angebote etc.)
Damit kann Nordrhein-Westfalen aber leicht mithalten! Es gibt auch dort reizvolle Gegenden und selbstverständlich auch eine Menge Kurorte, die sicher die großen Räumlichkeiten anbieten können, die man für ein größeres Turnier nun mal braucht. Man müsste nur mal auf die Suche gehen…