In den folgenden 12 Artikeln blicken wir auf das Schachjahr 2025 zurück. Die Serie beginnt mit den Highlights aus dem Januar.
Der Januar 2025 war ein Monat voller Kontraste, geprägt von tiefgreifenden Verlusten in der deutschen Schachszene, einem eskalierenden Machtkampf auf Weltebene und den spannenden Zwischenergebnissen des ersten Superturniers des Jahres.
I. 🖤 Trauer um Dr. Robert Hübner und Franz Jittenmeier
Die deutsche Schachgemeinschaft musste im Januar Abschied von zwei prägenden Persönlichkeiten nehmen.
Dr. Robert Hübner († 05.01.2025) Einer der größten deutschen Schachspieler aller Zeiten, Großmeister und promovierter Altphilologe Dr. Robert Hübner, verstarb im Alter von 76 Jahren. Hübner war über lange Jahre die unangefochtene Nummer eins im deutschen Schach und galt als einer der besten Spieler der Welt, insbesondere durch seine Teilnahmen an den Kandidatenturnieren. Er war bekannt für seine kompromisslose Spielweise, seine tiefgründigen Analysen und seinen intellektuellen Rigorismus, der sich auch in seiner akademischen Laufbahn widerspiegelte.
Die Beisetzung des legendären Großmeisters wurde am 28. Januar angekündigt und sollte am 11. Februar 2025 um 11 Uhr auf dem Friedhof Rath in Köln stattfinden. Die Familie bat darum, anstelle von Blumen um Spenden für die Kölner Freunde der antiken Kultur und Literatur, was seine tiefe Verbundenheit zur klassischen Philologie unterstrich.

Dr. Robert Hübner. Foto: Wikipedia
Franz Jittenmeier († 27.12.2024) Ebenfalls trauerte die Schachszene um Franz Jittenmeier, den Herausgeber und geistigen Vater des beliebten Schachportals „Schachticker“. Seine Arbeit war von großer Bedeutung für die Verbreitung und den Austausch von Schachnachrichten.
II. 💥 Der Machtkampf: FIDE versus Freestyle Chess
Der offene Streit um die Freestyle Chess Grand Slam Tour und deren Anspruch auf einen Weltmeisterschaftstitel eskalierte gegen Ende des Monats zu einem öffentlichen Konflikt, der die Schachwelt spaltete.
Die FIDE verschärfte die Gangart und drohte Spielern, die an nicht genehmigten alternativen Weltmeisterschaften teilnehmen, mit einer Suspendierung für zwei aufeinanderfolgende WM-Zyklen. Dies löste scharfe Kritik von Spielern wie Hikaru Nakamura und dem Freestyle-Gründer Jan Henric Buettner aus, die das Vorgehen als „Erpressung“ und Missbrauch der Marktstellung verurteilten.
Buettner veröffentlichte einen offenen Brief, in dem er der FIDE vorwarf, in dem Streit primär finanzielle Motive zu verfolgen, da sie 500.000 USD für die Anerkennung gefordert habe. Trotz der harschen Rhetorik bekräftigte er die Bereitschaft zum Frieden und bot der FIDE jährlich 50.000 US-Dollar an, um die Spieler vor „Schikanen“ zu schützen. FIDE-CEO Emil Sutovsky verteidigte das Vorgehen der FIDE und verwies auf die vertraglichen Verpflichtungen der Top-Spieler, während er Buettner vorwarf, die FIDE aus Publicity-Gründen anzugreifen.
III. Tata Steel Chess 2025: Die Führung im Endspurt
Das erste Superturnier des Jahres in Wijk aan Zee ging Ende Januar in die entscheidende Phase (Stand nach Runde 11).
Masters
Gukesh Dommeraju, der amtierende Weltmeister, behauptete mit einem Remis in Runde 11 die alleinige Führung. Er wurde dicht gefolgt von Praggnanandhaa und Nodirbek Abdusattorov, die nur einen halben Punkt zurücklagen. Vincent Keymer zeigte trotz eines insgesamt unglücklichen Turnierverlaufs (Remis gegen Abdusattorov) seine Widerstandsfähigkeit im Endspiel.
Challengers
Im Challenger-Turnier gab es einen Führungswechsel: Der Niederländer Erwin l´Ami übernahm die alleinige Spitze. Der deutsche Spieler Frederik Svane sorgte für einen Paukenschlag, indem er den bisherigen Spitzenreiter Thai Dai Van Nguyen besiegte und sich damit in der Verfolgergruppe festsetzte.
IV. ⚔️ Integrität und Disziplin: Harte Sanktionen der FIDE
Die FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission fällte am 30. Januar ein hartes Urteil im Fall des IM Andrejs Strebkovs. Wegen schweren Fehlverhaltens, insbesondere des Versands anstößiger Materialien an Spielerinnen, darunter Minderjährige, wurde Strebkovs für 12 Jahre gesperrt. Außerdem wurde ihm der Titel des Internationalen Meisters (IM) aberkannt.
FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich bekräftigte, diese Entscheidung sei ein wichtiges Signal für den Schutz von Frauen und Minderjährigen im Schachsport.
V. Weitere Nachrichten aus dem Januar 2025
WM-Zyklus und Top-Spieler: Fabiano Caruana sicherte sich durch den Sieg im FIDE Circuit 2024 das erste Ticket für das Kandidatenturnier 2026. Magnus Carlsen sorgte mit seiner Hochzeit für private Schlagzeilen.
Deutsche Erfolge: Vincent Keymer bekräftigte im ChessBase-Interview seine Ziele für 2025, an seiner Eröffnungsbreite und Berechnung zu arbeiten. In der Bundesliga holte der Meister SC Viernheim wichtige Punkte, während Magnus Carlsen für den FC St. Pauli antrat. Beim Staufer Open gewann IM Christopher Noe, und der 16-jährige FM Bennet Hagner wurde zum Internationalen Meister (IM) ernannt.

Magnus Carlsen. Foto: Wikipedia
Vielen Dank für diesen interessanten Rückblick. Wie schnell die Zeit vergeht!