11.10.2026

3 Gedanken zu „The Rating Revolution! An unique perspective on FIDE Ratings by Vlad Ghita“

  1. Hm, so ganz klar wird mir aus dem Beitrag nicht, welche konkreten Schritte zur Verbesserung des Ratingsystems vorgeschlagen werden. Zum Beispiel, wie kommen die unterbewerteten Inder oder generell Asiaten jetzt zu einer besseren Zahl? Und das Problem der inaktiven Eloträger wird anscheinend gar nicht angesprochen.

  2. Elo kann nie ganz korrekt sein (was immer „korrekt“ auch heißen mag), denn es wird mit unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten konfrontiert. Da ist zum einen die Wertungshäufigkeit. Während in Deutschland und in Europa auch kleinste Turniere / tiefere Ligen ausgewertet werden, ist dies in anderen Ländern nicht der Fall (übrigens auch eine Kostenfrage, denn ein Turnier Elo werten zu lassen kostet eine Gebühr). Einige Länder haben wiederum gar kein nationales Rating, sondern werten von Kindesbeinen an Elo.
    Ein Problem ist Faktor 40 in Ländern mit einer überwiegend jungen Schachpopulation, also in vielen asiatischen Ländern. Die Spieler können dadurch nicht von den Alten profitieren, die nicht soviel verlieren und dadurch im Durchschnitt etwas höher bleiben können (erklärt die im alternden Europa überhöhten Werte) und nehmen sich gegenseitig die gewonnene Elo wieder ab.
    Gerald spricht mit den inaktiven Zahlen auch ein Problem an. Sie sollten nach einer gewissen Zeit reduziert und nach mehreren Jahren gelöscht werden. Das würde der Realität des Schwächerwerdens ohne Spiel und durch Altern entsprechen.
    In einer so unterschiedlichen Welt mit so verschiedenen Populationen und Schachkulturen kann ein System wie Elo niemals „korrekt“ funktionieren. Und übrigens: Was soll der ganze Aufriß? Die Elo-Wertung ist ein Hilfsmittel, nicht mehr, und sollte in seiner Bedeutung nicht überbewertet werden. Am Ende reduziert sich alles auf Können und Qualität des Spiels und alles andere ist nur – wenn auch nützliche – Redundanz.

  3. Wenn man wissen will, was Vlad Ghita genau vorschlägt, muss man sein Buch für 25$ kaufen – das ist sein Geschäftsmodell, Chessbase India und nun auch der Schachkicker unterstützen ihn dabei.
    Die ganze Aufregung verstehe ich dabei nicht, was ist genau das Problem? Unter anderem offenbar, dass die Ergebniserwartung bei 200 Punkten Unterschied „offiziell“ 75% ist, aber in der Praxis nur 72-73%. Elozahlen sind Momentaufnahmen, wenn Paarungen zustande kommen ist bei derlei Unterschieden die Wahrscheinlichkeit, dass der nominell schwächere Spieler unterbewertet (und/oder der stärkere Spieler überbewertet) relativ hoch. Diese Paarungen gibt es in Opens, oder in Mannschaftskämpfen wenn der schwächere Spieler bereits aufgestellt wird um ihn zu fordern und zu fördern, eventuell auch mal in Einladungsturnieren.
    Ebenso Unterschiede zwischen Ländern, welche „schwachen“ Spieler nehmen an internationalen Turnieren auch im Ausland teil? In Indien sind es vielleicht relativ mehr junge aufstrebende, ehrgeizige, talentierte Spieler (der Aufwand da auch größer da Anreise immer per Flugzeug). In Deutschland dagegen relativ mehr Spieler im mittleren bis fortgeschrittenen Alter, die sich das nun finanziell leisten können und für die Turniere auch oder vor allem Urlaub sind (nicht dieselben Ambitionen).
    Derlei Dinge kann man statistisch nicht erfassen (bzw. allenfalls das Alter der Spieler und ihre Elo-Vergangenheit) – wie und warum sollte man dafür korrigieren, bis auf die Korrekturen die bereits im existierenden System erfolgen?
    Zu (Elo-)inaktiven Spielern: im Amateurbereich gibt es viele, die jedes Jahr vielleicht ein oder zwei Elo-gewertete Turniere spielen – in einigen Jahren bzw. irgendwann auch das nicht (mehr). Aber sie sind nach wie vor DWZ-aktiv – in Deutschland werden ja aktuell nur die drei höchsten verbandsübergreifenden Ligen Elo-ausgewertet, nicht mehr „tiefere Ligen“. In einem Schnellturnier hatte ich mal einen Gegner mit Elo 2120 und DWZ (vor der Anhebung) ca. 1850. „Des Rätsels Lösung“: bis 2009 spielte er Oberliga (bzw. auch hessische Ligen, die damals noch Elo-ausgewertet wurden), danach mit nachlassender Spielstärke tiefere Ligen. Da weiß man, dass die DWZ „aussagekräftiger“ ist. Wenn er wieder Elo-gewertete Turniere spielt wird seine Elozahl wohl darunter leiden – war dann dieses Jahr in zwei Elo-gewerteten Schnellturnieren (zusammen Elo -51) auch der Fall.

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