Vlad Ghita stellt im Podcast von Chessbase India sein neues Buch vor, welches sich mit den Eigenschaften des ELO-Rating Systems auseinandersetzt. Hier die KI-Zusammenfassung des Originalinterviews.
• Buchvorstellung
Vlad Ghita stellt sein erstes Schachbuch „The Rating Revolution“ vor und erklärt, dass er dafür rund 24 Millionen Partien aus 73 Verbänden ausgewertet hat. Er beschreibt das Buch als Ergebnis eines passionierten Forschungsprojekts, das er neben seiner Tätigkeit als Trainer und Schiedsrichter durchgeführt hat.
• Schiedsrichter-Erfahrung
Vlad Ghita berichtet von seiner Arbeit als FIDE-Schiedsrichter bei einem großen Turnier in Rumänien. Er schildert die überraschend hohe Teilnehmerzahl (von etwa 300 auf fast 600 Spieler) und die Herausforderungen, die dies für die Schiedsrichterorganisation mit sich brachte. In seinem Bereich gab es nur kleinere Vorfälle wie illegale Züge.
• FIDE-Ratingreform 2024
Vlad Ghita erläutert seine Analyse der FIDE-Ratingreform von 2024. Er sieht die Reform als hilfreich für die Verbesserung der Basis, kritisiert jedoch, dass sie die Spitze nicht ausreichend verbessert hat. Er beschreibt eine Deflation bei den Top-Spielern und fordert weitere Maßnahmen, um das Rating-System gerechter zu gestalten.
• Probleme im Rating-System
Vlad Ghita erklärt, dass Favoriten im Rating-System oft schlechter abschneiden als erwartet, was auf eine Diskrepanz zwischen erwarteter und tatsächlicher Leistung hinweist. Er schlägt vor, die Elo-Formel leicht anzupassen, um diese Abweichungen zu korrigieren. Zudem thematisiert er die unterschiedliche Bewertung von Spielern in verschiedenen Verbänden, insbesondere die Unterversorgung von Spielern in asiatischen Ländern wie Indien, die trotz hoher Leistung niedrige Ratings haben.
• Unterschiede zwischen Kontinenten
Vlad Ghita beschreibt, dass europäische Verbände im Vergleich zu asiatischen Verbänden insgesamt höhere Ratings aufweisen. Er verweist auf die Welt-Jugendmeisterschaften, bei denen asiatische Verbände wie Kasachstan häufiger Medaillen gewinnen, was die Diskrepanz zwischen den Kontinenten unterstreicht.
• Ziel des Buches für Verbände
Vlad Ghita erklärt, dass sein Buch für Verbände und Entscheidungsträger bei der FIDE zugänglich gemacht wurde, um die Probleme im Rating-System aufzuzeigen und mögliche Lösungen vorzuschlagen. Er betont, dass er nicht nur Probleme benennt, sondern auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Systems macht. Bislang hat er noch keine Rückmeldung von der FIDE erhalten.
• Funktionsweise des Elo-Systems
Vlad Ghita erläutert die Grundlagen des Elo-Rating-Systems: Es basiert auf relativen Unterschieden zwischen Spielern, nicht auf absoluten Werten. Er erklärt, dass ein Spieler mit gleicher Rating wie sein Gegner 50% der Punkte erwartet, bei 100 Punkten Unterschied etwa 64-65% und bei 200 Punkten Unterschied 75%. Das System ist probabilistisch und unabhängig von der absoluten Ratinghöhe.
• Online-Ratings und ihre Genauigkeit
Vlad Ghita berichtet von einem Projekt mit Chess Dojo zur Analyse von Online-Ratings. Er stellt fest, dass Online-Ratings aufgrund der globalen Vernetzung der Spieler relativ genau sind, jedoch auch hier Unterschiede zwischen Verbänden bestehen. Spieler aus bestimmten Ländern wie Usbekistan haben tendenziell höhere Online-Ratings als Spieler aus anderen Ländern mit ähnlicher Stärke.
• Nutzen des Buches für Spieler
Vlad Ghita erklärt, dass das Buch Spielern hilft, strategische Entscheidungen zu treffen, wo sie Turniere spielen, um ihre Ratings optimal zu steigern. Er nennt Beispiele für Länder, in denen Ratings leichter zu gewinnen sind (z.B. Deutschland, Österreich, Serbien) und solche, in denen es schwieriger ist (z.B. Polen, Griechenland). Dies ermöglicht Spielern, ihre Turnierplanung datenbasiert zu optimieren.
• Forschungsprozess des Buches
Vlad Ghita beschreibt, dass die Daten für sein Buch aus den offiziellen FIDE-Monatsratinglisten stammen, beginnend mit Januar 2021, um die Auswirkungen der Pandemie und des anschließenden Schach-Booms zu berücksichtigen. Die Analyse umfasst die Bewertung der Rating-Kompression vor und nach der Reform und zielt darauf ab, das System für alle Spieler fairer zu machen, nicht nur für die Top-Spieler.
• Feedback von Top-Spielern
Vlad Ghita berichtet, dass Levon Aronian das Buch gelesen und positiv bewertet hat. Anish Giri erhielt ebenfalls ein Exemplar, und Srinath Narayanan, Nationaltrainer, fand das Buch gut, aber etwas technisch. Vlad betont, dass das Buch trotz der Datenanalyse verständlich ist und nicht zu akademisch geschrieben wurde.
• Zielgruppe und Lesbarkeit des Buches
Vlad Ghita erklärt, dass das Buch für ein breites Publikum zugänglich ist und keine tiefen mathematischen Vorkenntnisse erfordert. Grundlegende statistische Konzepte wie Durchschnitt und Median sollten bekannt sein. Viele Grafiken und Bilder helfen beim Verständnis der Daten und machen das Buch auch für Gelegenheitsleser attraktiv.
• Zukunft und Erfolg des Buches
Vlad Ghita sieht das Buch als Gesprächsanlass für die FIDE und andere Entscheidungsträger, um die Probleme im Rating-System anzuerkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Er wünscht sich eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt. Der Erfolg des Buches hängt von der Resonanz der Community ab; ein möglicher Fortsetzungsband ist denkbar, falls das Interesse groß ist.
• Veröffentlichung und Kontakt
Vlad Ghita hat das Buch selbst veröffentlicht, da Verlage das Projekt nicht groß genug fanden. Es ist als PDF-E-Book auf seiner Website Vladchess.com verfügbar. Er ist über X (ehemals Twitter) unter dem Namen Vlad Chess erreichbar und lädt zu Feedback und Kontaktaufnahme ein.
Hm, so ganz klar wird mir aus dem Beitrag nicht, welche konkreten Schritte zur Verbesserung des Ratingsystems vorgeschlagen werden. Zum Beispiel, wie kommen die unterbewerteten Inder oder generell Asiaten jetzt zu einer besseren Zahl? Und das Problem der inaktiven Eloträger wird anscheinend gar nicht angesprochen.
Elo kann nie ganz korrekt sein (was immer „korrekt“ auch heißen mag), denn es wird mit unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten konfrontiert. Da ist zum einen die Wertungshäufigkeit. Während in Deutschland und in Europa auch kleinste Turniere / tiefere Ligen ausgewertet werden, ist dies in anderen Ländern nicht der Fall (übrigens auch eine Kostenfrage, denn ein Turnier Elo werten zu lassen kostet eine Gebühr). Einige Länder haben wiederum gar kein nationales Rating, sondern werten von Kindesbeinen an Elo.
Ein Problem ist Faktor 40 in Ländern mit einer überwiegend jungen Schachpopulation, also in vielen asiatischen Ländern. Die Spieler können dadurch nicht von den Alten profitieren, die nicht soviel verlieren und dadurch im Durchschnitt etwas höher bleiben können (erklärt die im alternden Europa überhöhten Werte) und nehmen sich gegenseitig die gewonnene Elo wieder ab.
Gerald spricht mit den inaktiven Zahlen auch ein Problem an. Sie sollten nach einer gewissen Zeit reduziert und nach mehreren Jahren gelöscht werden. Das würde der Realität des Schwächerwerdens ohne Spiel und durch Altern entsprechen.
In einer so unterschiedlichen Welt mit so verschiedenen Populationen und Schachkulturen kann ein System wie Elo niemals „korrekt“ funktionieren. Und übrigens: Was soll der ganze Aufriß? Die Elo-Wertung ist ein Hilfsmittel, nicht mehr, und sollte in seiner Bedeutung nicht überbewertet werden. Am Ende reduziert sich alles auf Können und Qualität des Spiels und alles andere ist nur – wenn auch nützliche – Redundanz.
Wenn man wissen will, was Vlad Ghita genau vorschlägt, muss man sein Buch für 25$ kaufen – das ist sein Geschäftsmodell, Chessbase India und nun auch der Schachkicker unterstützen ihn dabei.
Die ganze Aufregung verstehe ich dabei nicht, was ist genau das Problem? Unter anderem offenbar, dass die Ergebniserwartung bei 200 Punkten Unterschied „offiziell“ 75% ist, aber in der Praxis nur 72-73%. Elozahlen sind Momentaufnahmen, wenn Paarungen zustande kommen ist bei derlei Unterschieden die Wahrscheinlichkeit, dass der nominell schwächere Spieler unterbewertet (und/oder der stärkere Spieler überbewertet) relativ hoch. Diese Paarungen gibt es in Opens, oder in Mannschaftskämpfen wenn der schwächere Spieler bereits aufgestellt wird um ihn zu fordern und zu fördern, eventuell auch mal in Einladungsturnieren.
Ebenso Unterschiede zwischen Ländern, welche „schwachen“ Spieler nehmen an internationalen Turnieren auch im Ausland teil? In Indien sind es vielleicht relativ mehr junge aufstrebende, ehrgeizige, talentierte Spieler (der Aufwand da auch größer da Anreise immer per Flugzeug). In Deutschland dagegen relativ mehr Spieler im mittleren bis fortgeschrittenen Alter, die sich das nun finanziell leisten können und für die Turniere auch oder vor allem Urlaub sind (nicht dieselben Ambitionen).
Derlei Dinge kann man statistisch nicht erfassen (bzw. allenfalls das Alter der Spieler und ihre Elo-Vergangenheit) – wie und warum sollte man dafür korrigieren, bis auf die Korrekturen die bereits im existierenden System erfolgen?
Zu (Elo-)inaktiven Spielern: im Amateurbereich gibt es viele, die jedes Jahr vielleicht ein oder zwei Elo-gewertete Turniere spielen – in einigen Jahren bzw. irgendwann auch das nicht (mehr). Aber sie sind nach wie vor DWZ-aktiv – in Deutschland werden ja aktuell nur die drei höchsten verbandsübergreifenden Ligen Elo-ausgewertet, nicht mehr „tiefere Ligen“. In einem Schnellturnier hatte ich mal einen Gegner mit Elo 2120 und DWZ (vor der Anhebung) ca. 1850. „Des Rätsels Lösung“: bis 2009 spielte er Oberliga (bzw. auch hessische Ligen, die damals noch Elo-ausgewertet wurden), danach mit nachlassender Spielstärke tiefere Ligen. Da weiß man, dass die DWZ „aussagekräftiger“ ist. Wenn er wieder Elo-gewertete Turniere spielt wird seine Elozahl wohl darunter leiden – war dann dieses Jahr in zwei Elo-gewerteten Schnellturnieren (zusammen Elo -51) auch der Fall.