Photo: Deutscher Fernschachbund
Der Homepage des Deutschen Schachbunds entnehmen wir eine Meldung zum Fernschach-Jubiläum:
Der Deutsche Fernschachbund (BdF) wird 80 Jahre alt und richtet vom 11. bis 14. Oktober 2026 den Weltkongress des Fernschachverbands ICCF aus. Tagungsort ist die Orangerie von Schloss Neuhardenberg. Deutschland ist alle zehn Jahre Gastgeber. Es kommen 59 Gäste aus 24 Ländern, meist Verbandspräsidenten. Für viele ist es die erste persönliche Begegnung mit ihren bisherigen Spielpartnern. Präsident Manfred Scheiba freut sich besonders darauf. Zum Programm gehören Arbeitstage, Ausflüge nach Berlin und ins Oderbruch sowie ein Blitzturnier im Flughafen-Hangar. Parallel läuft ein nationales Jubiläums-Open mit 108 Teilnehmern und 5.000 Euro Preisgeld.
Zur Zukunft des Fernschachs: Die Mitgliederzahl ist von über 8.000 (1991) auf heute rund 1.200 gesunken, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 60 Jahren. Computer und KI haben das Spiel stark verändert, und viele Weltmeisterschaften enden in einer „Remis-Wüste“. Scheiba sieht dennoch eine Zukunft. Gespielt wird heute meist über den ICCF-Server, nur noch wenige tauschen Züge per Post aus. Beliebt sind Turniere ohne Engine. Viele schätzen die Entschleunigung, und aus den Partien entstehen oft lebenslange Freundschaften.
Historischer Überblick:
- Vorgeschichte: 1928 wurde in Berlin der Vorläufer der ICCF gegründet.
- Gründung: Am 25. August 1946 entstand der BdF in Frankfurt am Main, mit 13 Gründungsmitgliedern. Hans-Werner von Massow führte ab 1947 in Hamburg die Geschäfte und wurde 1959 ICCF-Präsident.
- Teilung: Bis 1961 war der Verband gesamtdeutsch. Danach gab es drei Jahrzehnte lang getrennte Strukturen in Ost und West.
- Erfolge: Die DDR brachte zwei Weltmeister hervor, Horst Rittner (1971) und Fritz Baumbach (1988). Im Westen wuchs der BdF zum Breitensport mit bis zu 2.520 Teilnehmern bei Pokalturnieren.
- Wiedervereinigung: 1990/91 fusionierten beide Seiten, der BdF hatte danach über 8.000 Mitglieder. Seit 2006 gehört er zum Deutschen Schachbund.
- Olympia: Seit 1999 gewann Deutschland achtmal Olympia-Gold und ist damit führend im ewigen Medaillenspiegel. Dazu kommen vier Weltmeister: Rittner, Baumbach, Stephan und Hesse.
- Technik und Krise: Fax, E-Mail und eigener Server veränderten das Spiel. Der Computereinsatz trieb viele Mitglieder weg. Hinzu kamen Führungskrisen (2004 und 2021–2023), das Ende der Fernschachtreffen und der Zeitschrift „Fernschachpost“ sowie 2025 die Aufgabe des eigenen Schachservers zugunsten des ICCF-Servers.