10.01.2026

7 Gedanken zu “Freestyle-WM in Weissenhaus!

  1. Ich würde am Ende des Titels eher „!?“ oder „?!“ setzen, aber das ist meine Meinung. Buettner/Carlsen hatten _anfangs_ ein ganz anderes Budget nur für „Freestyle Chess“ – für FIDE naturgemäß eher ein Nebenschauplatz, da sie ja auch Normalschach fördern müssen.

    Die letzte offizielle FIDE-Weltmeisterschaft 2022 hatte im Finale 400.000$ Preisgeld, nun sind es im Weissenhaus 300.000$ (zuvor mal deutlich mehr). Außerdem hatte sie vier Qualifikationsturniere, zwei auf chess.com und zwei auf Lichess – nun eines auf chess.com das eine Woche im Voraus angekündigt wird. 2022 aus deutscher Sicht: Blübaum qualifizierte sich für das Finale in Reykjavik, Keymer und Donchenko unter den letzten acht auf chess.com, Rasmus und Frederik Svane unter den letzten 16 in zwei Lichess-Turnieren.

    Nun ist das vielleicht das Anfang vom Ende des Freestyle Chess Projekts: wie gesagt, deutlich weniger Preisgeld als zuvor, dafür darf der Sieger sich Weltmeister nennen. Und offenbar 2026 nur dieses eine Turnier – zwar anscheinend noch vage Pläne für weitere Turniere, aber warum dann das erste Turnier mit WM-Status? Carlsen will vielleicht einen Weltmeistertitel bekommen, den er noch nicht hatte, und ab dann ist Totalschach seine neue Spielwiese. Damit ist tatsächlich unklar „ob dies ein einmaliger Höhenflug bleibt, oder zu einer dauerhaften Einrichtung wird“.

  2. Freestyle Chess bietet ein hervorragendes Feld zur Erforschung schachlichen Denkens und Handelns, kognitiver Prozesse oder sogar zum Verständnis der Quantentheorie! Neben der Münzen-, der Würfel-, de Schachmetapher (klassisch), ermöglichen Fischer Random & Freestyle Chess hilfreiche Interpretationen für eine halbdeterminierte Betrachtung von Quantenphaenomenen!
    Wer mitmachen möchte, bitte bei den Kommentaren antworten. Dr. Reinhard Munzert

  3. Freestyle, Fischer Random oder Schack 960 sind nur unterschiedliche Benamsungen ein und derselben Variante, mit der versucht wird, sich den Anschein einer neuen und einzigartigen Version zu geben.
    Letztendlich nur eine weitere Konzession an einen auserwählten Kreis von Schachspielern, allen voran den Großen Magnus Carlsen. Dazu kommt,je kürzer die Bedenkzeit, deso größer die Chancen, die sich M.C. ausrechnet.
    Durch die vorgeblich großzügige Förderung der sogenannten Freestyle Variante büßt das klassische Schach automatisch an Reputation ein.
    Was die angebliche Förderung der Attraktivität durch permanente Verkürzung der Bedenkzeit und Einführung neuer Formate, ist das Humbug. Es werden niemals 10.000 Menschen in einem Stadion ihre Schachmannschaft anfeuern. Das Interesse wird sich immer auf einen kleinen Insiderkreis konzentrieren.

    1. Hallo, hier bin ich tatsächlich anderer Meinung. Ich habe schon hunderte „Freestyle“ Partien auf Lichess geblitzt, und freue mich immer wieder darüber, dass man die breit ausgetretenen Pfade im klassischen Schach verlassen kann. Es ist definitiv nicht nur ein Spiel für die Elite (auch wenn diese es im Jahr 2025 stark popularisiert hat), sondern auch für die breite Masse – sofern sie bereit ist, sich darauf einzulassen. Richtig ist, dass es zu wenig Turniere für diese Schachvariante gibt, auch denn der DSB sowohl im Mai in München parallel zu den Deutschen Meisterschaften als auch parallel zum Schachgipfel in Dresden ein solches Turnier anbietet. Sicher war es etwas übertrieben, beim Grenke-Open 2025 mehr Preisgeld für die Abteilung Freestyle als für klassisches Schach auszuschütten, da bin ich bei Ihnen. Aber grundsätzlich sollte es doch eine friedliche Koexistenz „beider Schachs“ geben, will ich meinen. Und gerade durch die Digitalisierung im Schach sind ja in technischer Hinsicht die Hürden entfallen, zumindest was die Auslosung der Grundstellung und die Übertragung der Partien betrifft. Im übrigen wird niemand gezwungen, Schach 960 zu spielen, es ist ein freiwilliges Angebot, und wenn genügend Nachfrage da ist, wird es auch mehr Turniere geben.

      1. In der Bewertung ist Sfr. Hertneck Recht zu geben. Solange es jedoch offensichtlich leider weder seitens des DSB (trotz wiederholter Teilnahmen der amtierenden DSB-Präsidentin an Schach960-Turnieren) noch seitens der Landesverbände (mit lobenswerter Ausnahme Berlins) keinen Spielbetrieb für Mannschaften oder auch nur Plane dafür zu geben scheint, dürfte der Durchbruch auch bei der breiten Masse wohl noch eine geraume Zeit auf sich warten lassen.

        1. Bevor man an Mannschaftskämpfe überhaupt denken kann – mindestens vier Spieler eines Vereins oder (da nur wenige Vereine ein Team hätten) auch zusammengewürfelte Teams (Wettbewerbsverzerrung da starke Spieler ein Gelegenheitsteam bilden?) – muss Schach960 erst individuell populärer werden.

          Angebote gibt es, Nachfrage ist „überschaubar“. Ich hatte das auf https://perlenvombodensee.de/2025/12/20/umbruch-aber-wie-der-schachsport-und-seine-bunten-formate-ein-hochdotiertes-durcheinander/ detailliert beschrieben, hier nur die Kurzfassung:
          Bei Grenke Chess haben sich im B- und C-Turnier jeweils nur 14% für Freestyle Chess entschieden (im A-Turnier 25%, verzerrt durch viele GMs die mehr Preisgeld absahnen wollten?).
          Da Berlin lobend erwähnt wird: bei der Deutschen Meisterschaft im Schach960 gab es 7000 Euro Preisgeld, garantiert bei 200 Teilnehmern. Für so viele war offenbar Platz, mit mindestens so vielen rechneten sie und es wurden 40.
          Auf Perlen vom Bodensee wurde dann auch die „andere“ Deutsche Meisterschaft im Chess960 im Sommer in Frankfurt erwähnt, da immerhin 130 Teilnehmer (da steckte Hans Walter Schmitt dahinter, in Berlin Paul Meyer-Dunker).
          Biel hatte auch Schach960 für alle – neben der „Pflicht-Vorspeise“ für Teilnehmer des GM-Triathlons. Auch da mäßige Resonanz – mit klassischer Bedenkzeit 20 Teilnehmer, Preisgeld war ab 50 garantiert.

          Neu entdeckt: Ich suchte auf chess-results.com nach „Turnierbezeichnung Schach960“ und „Ort Berlin“. Der SC Kreuzberg hat offenbar monatliche Schach960-Turniere und hätte wohl auch eine Mannschaft mit vorne (sub-2300) FMs. Aber mit Gästen waren es maximal 20 Teilnehmer, der Verein hat über 200 Mitglieder.

          Insgesamt: Es gibt sicher Amateure mit Interesse an Schach960 – auch Gerald betrachte ich hier (da berufstätig) als Amateur, aber gemeint sind auch titellose Spieler und das gesamte DWZ-Spektrum. Aber „Durchbruch bei der breiten Masse“ scheint in weiter Ferne, und das liegt nicht an fehlenden Angeboten – von wem auch immer organisiert. Auch eine „echte“ deutsche Meisterschaft mit zuvor Qualifikation auf Landesebene scheint in weiter Ferne. In Berlin waren es in der Masse (untere Hälfte der Setzliste angeführt von Paul Meyer-Dunker) vor allem Berliner, in Frankfurt vor allem Hessen – die Turniere wurden vielleicht vor allem lokal beworben.

          Das hat sich auch durch Buettners Eliteturniere nicht geändert. Man kann die breite Masse auch nicht „zu ihrem Glück zwingen“, wenn sie das nicht wollen!?

  4. @Sfr. Hertneck, Kleinert
    Natürlich akzeptiere ich Ihre Meinungen, die u.a. aus meiner Sicht zwei interessante Aspekte beinhalten,
    Internet und breite Masse.
    Schach ist in erster Linie eine Individualsportart, also Kampf Mann gegen Mann. Deswegen ist das Internet ein sehr praktikabler Ort um dort dem Schach und auch seinen Nebenvarianten nachzugehen. Für die bisherigen klassischen Mannschaftskämpfe trifft man sich persönlich vor Ort um dort im persönlichen Gegenüber gemeinsam als Mannschaft den Wettkampf zu absolvieren. Der Nachteil von solchen Mannschaftskämpfen wird von vielen Schachfreunden darin gesehen, dass vor allem in den Flächenländern große Entfernungen zu überwinden sind, was mit zusätzlichem hohem Zeitaufwand verbunden ist.Irgendwann wird vielleicht jemand auf die Idee kommen auch Mannschaftskämpfe im Internet auszutragen, was dann die Diskussion der Cheatingproblematik auf ein völlig neues Niveau heben wird.
    Wird Schach960 neben dem klassischen Schach ein gleichberechtigtes Dasein führen?
    Wird es eine Randerscheinung bleiben?
    Oder wird es einen Verdrängungswettbewerb geben?
    Die „Breite Masse im Schach“ wird nicht die Zeit haben beiden Varianten gleich intensiv nachzugehen.
    Wer ist diese breite Masse? Gibt es sie überhaupt? Kinder und Jugendliche müssen nach eigener Aussage aus meinem Verein viel Zeit in die schulischen Anforderungen stecken (Hausaufgaben, Abitur etc) – Frauen in Famile, Kinder und Beruf.
    Bleiben also Rentner und andere Nichtberufstätige. Die meisten Schachinteressierten werden sich also gezielt überlegen, in welche Variante sie die Zeit für die Ausübung ihres Hobbys investieren werden, übrigens auch im Internet.
    Schach960 wird also nicht wesentlich zu einer zusätzlichen Gewinnung von Mitgliedern beitragen.

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