Freestyle Chess Paris 2025 (c) Stev Bonhage
Gerhard Bertagnolli hat schon einmal eine WM gepfiffen, (das sagen Schach-Schiris immer). Er ist ein feiner Mensch und toller Schachfunktionär!
1) Gerhard, bitte stelle dich kurz vor!
Gerne, Walter. Mein Name ist Gerhard Bertagnolli, ich bin 49 Jahre alt und lebe in Kaltern am See in Südtirol. Hier bin ich aufgewachsen und lebe heute mit meiner Lebensgefährtin und unseren zwei jugendlichen Kindern.
Beruflich bin ich seit über 25 Jahren bei einem lokalen IT-Unternehmen tätig. Dort leite ich den Kunden-Support und bin zusätzlich für den Vertrieb im Bereich Privatkunden sowie kleine und mittlere Unternehmen verantwortlich.

Zum Schach bin ich auf klassischem Weg gekommen: Mit etwa zwölf Jahren habe ich die Grundregeln gelernt, anschließend den Jugendkurs im örtlichen Schachklub besucht und mich ein bißchen mit Schachbüchern fortgebildet – besonders prägend waren die Bücher von Helmut Pfleger rund um „Zug um Zug“. Es folgten Vereins- und Turnierschach, und daraus entwickelte sich eine Leidenschaft, die mich inzwischen seit über 35 Jahren begleitet.
Einen entscheidenden weiteren wichtigen Schritt gab es vor rund 20 Jahren mit dem Einstieg in die Schiedsrichterlaufbahn. Seit 2014 bin ich Internationaler Schiedsrichter und konnte seither Turniererfahrung in zehn Ländern sammeln. Besonders in Italien, im süddeutschen Raum und in Österreich blicke ich auf viele erfolgreiche tolle Turniere und eine sehr enge Zusammenarbeit mit engagierten Organisatoren zurück.
Daher schätze ich, dass mich auch einige der Leser dieser tollen Newsletter kennen.
Ich gehe davon aus, dass du die Turniere meinst, bei denen ich als Schiedsrichter im Einsatz bin.
Aus meiner Sicht ist es eine Mischung aus mehreren Faktoren: zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, kombiniert mit fachlichem Können, Konsequenz und kontinuierlicher Arbeit. Und natürlich muss man auch mal Glü
Ich versuche, jedes Turnier als Lernmöglichkeit zu sehen. Wenn ich auch nur ein Detail entdecke, das sich organisatorisch oder im Ablauf verbessern lässt, dann nehme ich das mit und versuche es beim nächsten Einsatz umzusetzen.
Ein zentraler Grundsatz für mich lautet: Der Spieler steht im Mittelpunkt. Alle Beteiligten – Organisatoren, Helfer und Schiedsrichter – sollten gemeinsam daran arbeiten, optimale Bedingungen zu schaffen. Gerade bei zahlenmäßig großen Turnieren ist das herausfordernd, aber genau dieser Anspruch macht am Ende den Unterschied.
Mehr möchte ich an dieser Stelle aber bewusst noch nicht verraten. Am 20. Jänner bei der CSA-Akademie nehme ich euch gerne mit auf eine Reise durch vier Länder und teile dort zahlreiche Eindrücke und Highlights aus erster Hand.
2026 ist aus schachlicher Sicht ein außergewöhnlich dichtes Jahr. Auf FIDE-Ebene stehen unter anderem das Kandidatenturnier, die Schacholympiade und das WM-Match an.
Dazu kommen weitere wichtige Veranstaltungen wie der Frauen-Grand-Prix sowie die Rapid- und Blitz-WM (wie jedes Jahr).

Über die Besetzung dieser Turniere entscheidet ausschließlich die FIDE. Als Schiedsrichter der A-Kategorie und Mitglied des sogenannten Green Panels – der höchsten Einstufung – gehöre ich zu einem Kreis von rund 30 Schiedsrichtern weltweit, die grundsätzlich für solche Einsätze infrage kommen. Letztlich spielen dabei jedoch auch organisatorische und Schach-politische Aspekte eine Rolle.
Aber: Was kommt, das kommt – Allein Teil dieses internationalen Kreises zu sein, ist für mich bereits eine große Anerkennung.
Fix ist jedoch bereits: Das Freestyle-Chess-Event Mitte Februar in Weissenhaus wird 2026 offiziell als FIDE-Weltmeisterschaft im Freestyle Schach ausgetragen, und dort werde ich im Einsatz sein. Ein besserer Start ins Jahr ist kaum vorstellbar 😉
Bravo Gerhard!