Symbolbild Schachmillionäre. KI-Bild von Gemini
Manchmal reibt man sich verwundert die Augen, weil man etwas nicht glauben kann. Man hatte sich doch daran gewöhnt, dass Schach ein Armeleutesport ist. Doch in letzter Zeit sah man immer öfter ungewöhnlich hohe Preisgelder, nicht nur bei der FIDE im World Cup oder im Grand Swiss, nicht nur in Amerika in St. Louis, sondern ganz besonders auch bei Freestyle Grand Slam, gesponsert von Büttner, wo es am Ende so aussah.

Nun hat chess.com veröffentlicht, wer die höchsten Preisgelder im Jahr 2025 erzielt hat, und daram konnten wir nicht vorbeigehen.
Beginnen wir mit den Spitzenpreisgeldträgern 2025:

Quelle: Chess.com
Klar, Magnus auf Platz 1, und über 1 Million Preisgeld in einem Jahr das ist schon sehr beeindruckend.
Die Überraschung des Jahres war wohl Levon Aronian, der als gerade mal Nummer 19 der Welt (Stand Januar 26) groß abräumte.
Der Newcomer des Jahres war sicherlich der Usbeke Sindarov, der nicht nur den World Cup gewann, sondern auch heftig abkassierte.
Aus deutscher Sicht besonders erfreulich, dass Vincent Keymer gewaltig aufdrehte, und als Nummer 4 der Welt ein Preisgeld holte, das sich nicht verstecken muss. Allerdings muss er es dann auch versteuern!
Die Tabelle zeigt auch auf: je mehr Teilnahmen an Top-Turnieren, umso höher sind die Preisgeldsummen. Aber das ist ja eigentlich normal. Je mehr Pfeile im Köcher, umso mehr Treffer sind möglich. An der Stelle darf man natürlich auch nicht vergessen, dass solche Turniere auch Geld kosten, und zwar oft nicht zu knapp, vor allem wenn man noch einen (oder mehrere) Sekundanten bezahlen muss (woran Thomas Richter gar nicht gedacht haben dürfte).
Sehr interessant ist, dass die Frauen überproportional gut verdient haben, wenn man ihren Platz in der Weltrangliste zugrunde legt. Dies ist natürlich dadurch bedingt, dass es für sie eigene Meisterschaften gibt, also Grand Prix, Kandidatenturnier bis hoch zur WM. Aber ist es dann fair, das zum Beispiel Ju Wenjun mehr Preisgeld verdient als Pragg? Darüber kann man sicherlich trefflich streiten! An der Stelle wollen wir die Diskussion durchaus offen lassen, auch wenn Thomas Richter sicherlich seine wohbegründete Meinung dazu hat…
Noch spannender fanden wir die Tabelle der Schachmillionäre auf Lebenszeit, also wie viel sie in Summe im Lauf ihrer Karriere verdient haben. Dankenswerterweise hat chess.com auch diese Daten mitgeteilt.

Alle Preisgelder sind hier übrigens in US-Dollar, und nicht in Euro angegeben.
Wenig überraschend, dass Magnus auf Platz 1 liegt, aber dass er bereits über 10 Millionen Gesamtverdienst kommt, ist doch etwas überraschend. Also ist Schach doch einträglich?
Fast noch überraschender die Schachlegende auf Platz 2: Anand vor Kasparov! Tja, er hat eben auch 3 Weltmeisterschaften gespielt, und dafür gab es mehr Preisgeld als in den 80er und 90er Jahren, als Kasparov gegen Karpov spielte.
Weitere Stars wie Caruana, Nepo, Aronian, Nakamura und Vachier-Lagrave haben auch schon ihr Glück gemacht.
Und der junge Weltmeister Gukesh steht immerhin auf Platz 11, nachdem er eine gut dotierte WM im Jahr davor gewonnen hat – auch wenn es in 2025 für ihn nicht immer gut lief in den Turnieren, was sicher auch Thomas Richter aufgefallen ist.
Zum Abschluss noch der Blick darauf, wie Carlsen im letzten Jahr seine Preisgelder verdiente. Hier ergibt sich allerdings eine ungeklärte Differenz zur obigen Tabelle. Aber es bleibt jedenfalls über eine Million Dollar.

Um die Sache auf den Punkt zu bringen: vorbei sind die Zeiten, in denen es im Schach nichts zu verdienen gab. Natürlich reden wir hier von den Stars, und natürlich braucht an als normaler Großmeister (oder WGM) an solche Summen nicht denken. Aber es gibt sie, und nach unserem Eindruck wird die Basis langsam breiter. Und das ist doch gut so!
Ab jetzt – Chancengleichheit für alle?!
Mehr Millionäre – oder doch wieder nur ein schöner Traum?
Mathematiker findet fairste Aufstellung. Seit Jahrhunderten machen wir etwas falsch?
Artikel dazu auf Spektrum:
https://www.spektrum.de/news/faires-schachspiel-mathematik-offenbart-gerechteste-aufstellung/2303486
Da ich mehrfach erwähnt werde, antworte und kommentiere ich mal. Zunächst: Originalartikel auf chess.com https://www.chess.com/article/view/biggest-chess-prizewinners-2025 .
„dass solche Turniere auch Geld kosten, und zwar oft nicht zu knapp“ – Top-Einladungsturniere wohl nicht, da übernehmen Veranstalter die Kosten und/oder zahlen Antrittsgelder (unbekannt und in dieser Statistik nicht berücksichtigt). „Der Rest der deutschen Nationalmannschaft“ hatte vielleicht Kosten für Teilnahme an der Europameisterschaft sowie (wenn sie keine Konditionen bekamen) für Opens, die einige auch spielten. Das gilt erst recht für viele andere Profispieler, aber wohl eher nicht für die Weltklasse.
Sekundanten ist ein anderes Thema – nur gerecht, dass sie auch etwas abbekommen. Es ist wohl nicht bekannt, wie viel Gukesh von seinen 1,35 Millionen $ WM-Preisgeld an seine Sekundanten Gajewski, Wojtaszek, Harikrishna, Keymer(!) und Duda abgegeben hatte – als vorab vereinbartes Honorar und dann als eventuelle Erfolgsprämie. 2025 floss dabei viel Geld in Freestyle-Turnieren – da braucht man keine Eröffnungsvorbereitung und daher keine Sekundanten.
Elo-korrigiert deutlich mehr Preisgeld für Frauen kann man so oder so sehen.
Bei „Schachmillionäre auf Lebenszeit“ erwähnt chess.com auch einige, die 2025 nichts oder nur wenig verdienten, z.B. Karpov mit fast 6 Millionen, Kramnik 4,7 Millionen, Ding Liren bereits 3,5 Millionen (2025 kamen nur 6.000$ aus einem Internet-Turnier dazu), Bobby Fischer ebenfalls 3,5 Millionen, Karjakin und Gelfand jeweils 2,2 Millionen.
Letzte Tabelle: die „Differenz zur obigen Tabelle“ erklärt sich dadurch, dass Carlsen auch bei Freestyle-Turnieren die er nicht gewonnen hat Preisgeld bekam. Bei Keymer stammt nur etwas mehr als die Hälfte seiner gesamten offiziellen Einnahmen aus Turniersiegen (Weissenhaus 200.000$, Chennai Masters umgerechnet 29.000$) – die etwas kleinere andere Hälfte andere Freestyle-Turniere aber auch Grand Swiss und Weltcup (auch schlappe 5000 Euro für den deutschen Meistertitel – nicht klar ob chess.com auch das berücksichtigt).
Lieber Thomas, heute war ich mal lustig drauf, und wollte dich ein wenig triezen!
Und damit hast Du diesen Kommentar provoziert. Ergänzen kann man noch, dass chess.com eingangs („annual reminder“) schreibt
„Prizes are tracked for major individual international tournaments, generally with a first-place prize of $10,000 or more. The figures thus do NOT include any of the following: appearance fees, streaming revenue, coaching income, sponsorships, royalties, government grants, national championships, team events, or small tournaments.“
Auch die US-Meisterschaft (da immerhin 62.000$ für Sieger Caruana) wird nicht berücksichtigt. Für Keymer fehlen auch (sicher vorhandene aber nicht öffentlich bekannte) Einnahmen aus Bundesliga, Nationalmannschaft und European Club Cup (für das tschechische Novy Bor). Ich vermute mal „auch zusammen nur [niedrig] fünfstellig“.
Da sind aber neben Kosten auch noch Steuern zu berücksichtigen, um auf die tatsächlichen Einkünfte zu kommen.
Bei einem Bruttogehalt von 5000 Euro pro Monat, kommt man nach 20 Jahren auch auf 1,2 Mio. Euro. Das Durchschnittbruttogehalt in Deutschland dürfte bei über 4000 Euro im Monat liegen. Da sieht man, dass eine Bruttorechnung wenig Sinn macht.
Wenn man Profi werden will, sollte man das bei der Entscheidung beachten.