Freestyle Chess ist in aller Munde. Kaum ein Thema spaltet die Schachszene derzeit stärker. Für die einen ist es eine spannende Variante, eine willkommene Abwechslung vom ausanalysierten Eröffnungskanon. Andere gehen sogar deutlich weiter und sagen: Die klassische Grundstellung ist letztlich nur EINE der 960 Spielarten von Freestyle Chess. Und wieder andere, vermutlich die größte Gruppe, lehnen das Format komplett ab und bleiben lieber bei der gewohnten Stellung, der „518“.
Zwischen diesen Lagern wird laut diskutiert, oft unversöhnlich. Doch genau hier setzt ein neuer, bemerkenswerter Ansatz an: Das Freiwilligkeitsprinzip.
Der neue Gedanke: Freiwilligkeit statt Glaubenskrieg
Der Schachjournalist Stefan Löffler ist ein Befürworter der Gleichberechtigung von Freestyle und klassischem Schach. Seine Idee daher: Warum Freestyle gegen klassisches Schach ausspielen? Warum nicht beides zulassen – wenn beide Spieler es wollen?
Gleichberechtigung statt Konkurrenz: Wer klassisch spielen möchte, spielt klassisch. Wer Vorbereitung, Engine-Lines und Eröffnungstheorie hinter sich lassen will, entscheidet sich für Freestyle. Und wer Lust hat, kann seine Präferenz sogar während des Turniers ändern.
Dieser Ansatz könnte ein Ausweg aus der festgefahrenen Diskussion sein. Kein „entweder oder“, sondern ein „sowohl als auch“. Bisher, so Löffler, sei es ihm allerdings nicht gelungen, Turnierveranstalter für dieses Experiment zu gewinnen. Also macht er es selbst – an einem Ort, an dem ohnehin vieles anders ist.
Am Berg gelten andere Regeln
Über 2300 Meter über dem Meeresspiegel, fernab von Großstadt, Turniersaal und Theorie-Marathons, entsteht im Sommer 2026 ein außergewöhnliches Experiment: das Gipfel-Open auf der Rudolfshütte bei Uttendorf, Pinzgau.
Hier gilt nicht nur das alpine „Du“ ganz selbstverständlich – hier darf auch jeder nach seiner Fasson Schach spielen. Wer sich auf bekannten Pfaden wohlfühlt, beginnt in der traditionellen Grundstellung. Wer lieber unbekanntes Terrain betritt, bekommt – wenn möglich – einen gleichgesinnten Gegner und eine der 959 alternativen Startstellungen zugelost.
Zum ersten Mal wird damit ein Turnierformat erprobt, in dem klassisches Schach und Freestyle gleichberechtigt nebeneinander existieren.
Das Konzept: Schach, aber ohne Theoriezwang
Das Gipfel-Open findet vom 28. Juni bis 3. Juli 2026 statt, mit einer klassischen Partie pro Tag. Die Bedenkzeit ist bewusst großzügig gewählt, der Rhythmus entschleunigt. Von Runde zwei bis fünf wird sogar das Bergwetter in die Planung des Spielbeginns einbezogen – scheint die Sonne nur vormittags, wird eben nachmittags gespielt.
Zwischen den Partien stehen andere Dinge im Vordergrund als Gegneranalyse und Engine-Vorbereitung: geführte Wanderungen zu Gletschern und Bergseen, Sauna und Hallenbad, Gespräche und Aussicht.
Am 4. Juli folgt als Abschluss das traditionelle Gipfelschach-Schnellturnier des Uttendorfer Schachklubs – ebenfalls eingebettet in diese besondere Umgebung.
Ein Experiment mit Signalwirkung?
Ob sich das Freiwilligkeitsprinzip durchsetzt, ist offen. Aber genau solche Experimente braucht die Schachwelt, wenn sie die Freestyle-Debatte konstruktiv weiterführen will. Vielleicht zeigt sich ausgerechnet am Berg eine neue Form der Koexistenz von Schach in der klassischen Grundstellung und Freestyle.
Gipfel-Open – die wichtigsten Infos
📍 Ort: Rudolfshütte (2315 m), bei Uttendorf im Pinzgau
📅 Zeitraum: 28. Juni – 3. Juli 2026
♟ Format:
- Klassisches Turnier (6 Runden, 90 Min + 30 Sek/Zug)
- Gipfelregel: Freestyle/Chess960, wenn beide Spieler zustimmen
- Präferenz frei wählbar und änderbar
🏔 Rahmenprogramm: Wanderungen, Spa, Freizeitangebote
⚠️ Plätze limitiert
📩 Buchung: **@***********te.at (Stichwort „Schachwoche“)
ℹ️ Info: **@*******ch.org | +43 690 10161738
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Dr. Reinhard Munzert
Im Text heißt es zunächst:
„Die Bedenkzeit ist bewusst großzügig gewählt, der Rhythmus entschleunigt.“
Dann aber:
„Klassisches Turnier (6 Runden, 90 Min + 30 Sek/Zug)“
Was ist daran „klassisch“, was „großzügig“, wenn es nicht einmal eine zweite Grundbedenkzeit nach Zug 40 gibt? Und das bei durchgängig nur 1 Partie pro Tag.
Sind die Schachspieler so genügsam geworden, dass der hier praktizierte Modus als „großzügig“ plakatiert werden kann? Ich kann mir nicht vorstellen, eine lange Anreise auf mich zu nehmen, um mich dann in jeder Partie von Beginn an hetzen zu lassen.
Schach war schon immer eine freiwillige Angelegenheit und soll es bleiben. Außer vielleicht für die Kids, deren überehrgeizige Eltern ihre unerfüllten Wünsche auf ebendiese projizieren.
In diesem Sinne ist auch Schach960 eine freiwillige Sache. Ich glaube nicht, dass dadurch ein neuer Kundenstamm erschlossen wird. Die jetzt schon Schach spielen, werden sich für eine Variante entscheiden und nicht doppelt so viel Schach spielen wie früher.
Die Jugend wird mit der neuen Schachvariante „für Faule“ aufwachsen, und das klassische Schach wird automatisch zu einer Randerscheinung werden.
Momentan ist es leider so, dass eine kleine Minderheit ihre Interessen inklusive der immer weiter fortschreitenden Verkürzung der Bedenkzeit durchsetzen und die große Masse der schweigenden Lämmer hat dem nichts entgegenzusetzen.
Der Beitrag von Max Sommer sprach mir aus der Seele.
„Die jetzt schon Schach spielen, werden sich für eine Variante entscheiden und nicht doppelt so viel Schach spielen wie früher.“
Das ist so nicht unbedingt richtig. Ich für meinen Teil reduziere die Turnierteilnahmen, weil ich keine große Lust mehr auf das traditionelle Schach habe. Meine übliches Turnier zwischen den Jahren hab ich schon weggelassen, weil ich kein Angebot für Chess960 zwischen den Jahren gefunden habe.
@GeroldH
Ist es genau das, was ich sagte?