Ankündigung der Freestyle WM. Photo: Veranstalter
Gestern hat man sich ungläubig die Augen gerieben, als man der Presse entnahm, dass die FIDE in Kooperation mit der Weissenhaus Academy die Weltmeisterschaft im Freestyle oder Schach 960, oder wie immer man es nennen will, ausrichten wird. Das hatte doch vor einem Jahr noch ganz anders geklungen, als man sich erbittert, um das Recht stritt, diese WM auszutragen. Weissenhaus wollte, aber durfte nicht, weil sie kein Anrecht auf den WM-Titel haben. Und die FIDE durfte, aber konnte oder wollte nicht, sei es mangels Budget oder mangels Interesse. Letztlich scheiterte es daran, dass die finanziellen Vorstellungen zu weit auseinander lagen. Bis dato hatte die FIDE Schach 960 auch nicht sonderlich gefördert, muss man kritisch feststellen.
Und nun heißt es auf einmal in der Pressemitteilung: Die International Chess Federation (FIDE) und die Freestyle Chess Operations GmbH haben sich bereit erklärt, vom 13. bis 15. Februar 2026, die erste offizielle FIDE Freestyle Chess World Championship in Weissenhaus, Deutschland, auszutragen. Die Veranstaltung wird von der FIDE in Zusammenarbeit mit Freestyle Chess geleitet.
Die FIDE Freestyle Chess World Championship wird eine Fortsetzung der bisherigen Veranstaltungen der FIDE im Fischer Random-Format (zuvor 2019 und 2022) durchgeführt und wird acht Spieler umfassen. Sechs Spieler haben sich aufgrund ihrer Ergebnisse während der Freestyle Chess Grand Slam Tour 2025 qualifiziert: GM Magnus Carlsen, GM Levon Aronian, GM Fabiano Caruana, GM Vincent Keymer, GM Arjun Erigaisi und GM Javokhir Sindarov.
Zwei weitere Teilnehmer werden separat ausgewählt, einer von der FIDE und einer von der Freestyle Chess Organisation. Freestyle Chess hat bereits GM Hans Niemann aufgrund seiner herausragenden Leistung beim Freestyle Chess Grand Slam in Las Vegas bereits nominiert. Die FIDE wird bereits am 14. und 15. Januar ein Online-Qualifikationsturnier auf Chess.com abhalten, um den achten Spieler zu bestimmen.
Und es geht noch darüber hinaus, denn parallel dazu findet im Weissenhaus ein Frauenwettkampf zwischen zwei der besten Frauen statt (offensichtlich noch nicht benannt). Darüber hinaus haben die Parteien dem Start der ersten FIDE Frauen Freestyle Chess Championship Ende 2026 zugestimmt. Die Veranstaltung wird einen Preisfonds von $ 50.000 enthalten, der aus der Zahlung von Freestyle Chess im Rahmen der aktuellen Vereinbarung mit der FIDE finanziert wird.
Format und Zeitplan der WM
- Freitag, 13. Februar: Das Turnier beginnt mit einem Rapid, das bei den Freestyle Chess Grand Slam-Events verwendet wird. Alle acht Spieler spielen im Rundensystem mit einer Zeitkontrolle von 10 Minuten plus 5-Sekunden-Zugabe. Die vier besten Spieler rücken ins Halbfinale vor, während die verbleibenden Spieler in die Platzierungsspiele wechseln.
- Samstag, 14. Februar: Die K.-o.-Phase beginnt mit dem Halbfinale und den Platzierungsspielen, die mit einer Zeitkontrolle von 25 Minuten plus 10-Sekunden-Inkrement gespielt werden. Das Halbfinale wird als Vier-Spiele-Matches ausgetragen.
- Sonntag, 15. Februar: Das Finale, das über vier Spiele gespielt wird, und die Platzierungsspiele verwenden die gleichen 25 Minuten plus 10-Sekunden-Zugabe. Im Finale wird dann der FIDE Freestyle Chess Weltmeister ermittelt.
Der gesamte Preisfonds beträgt $ 300.000, wovon $ 100.000 an den FIDE Freestyle Chess World Champion vergeben werden.
Das sind sensationelle Nachrichten, und wir freuen uns, dass hier ein starkes Zeichen gesetzt wird, nicht immer nur auf das klassische Schach zu setzen, sondern auch das innovative Freestyle Schach zu fördern, das den Spielern ganz neue Möglichkeiten eröffnet, ihr Können unter Beweis zu stellen. Trotzdem fragt man sich natürlich, ob dies ein einmaliger Höhenflug bleibt, oder zu einer dauerhaften Einrichtung wird. Es wäre aus unserer Sicht zu wünschen, dass sich Freestyle in der Schachszene mehr etabliert, auch wenn etliche mehr klassisch orientierte Schachspieler dem Ganzen eher kritisch gegenüberstehen, weil hier gewohnte Pfade verlassen werden.
Ich würde am Ende des Titels eher „!?“ oder „?!“ setzen, aber das ist meine Meinung. Buettner/Carlsen hatten _anfangs_ ein ganz anderes Budget nur für „Freestyle Chess“ – für FIDE naturgemäß eher ein Nebenschauplatz, da sie ja auch Normalschach fördern müssen.
Die letzte offizielle FIDE-Weltmeisterschaft 2022 hatte im Finale 400.000$ Preisgeld, nun sind es im Weissenhaus 300.000$ (zuvor mal deutlich mehr). Außerdem hatte sie vier Qualifikationsturniere, zwei auf chess.com und zwei auf Lichess – nun eines auf chess.com das eine Woche im Voraus angekündigt wird. 2022 aus deutscher Sicht: Blübaum qualifizierte sich für das Finale in Reykjavik, Keymer und Donchenko unter den letzten acht auf chess.com, Rasmus und Frederik Svane unter den letzten 16 in zwei Lichess-Turnieren.
Nun ist das vielleicht das Anfang vom Ende des Freestyle Chess Projekts: wie gesagt, deutlich weniger Preisgeld als zuvor, dafür darf der Sieger sich Weltmeister nennen. Und offenbar 2026 nur dieses eine Turnier – zwar anscheinend noch vage Pläne für weitere Turniere, aber warum dann das erste Turnier mit WM-Status? Carlsen will vielleicht einen Weltmeistertitel bekommen, den er noch nicht hatte, und ab dann ist Totalschach seine neue Spielwiese. Damit ist tatsächlich unklar „ob dies ein einmaliger Höhenflug bleibt, oder zu einer dauerhaften Einrichtung wird“.
Freestyle Chess bietet ein hervorragendes Feld zur Erforschung schachlichen Denkens und Handelns, kognitiver Prozesse oder sogar zum Verständnis der Quantentheorie! Neben der Münzen-, der Würfel-, de Schachmetapher (klassisch), ermöglichen Fischer Random & Freestyle Chess hilfreiche Interpretationen für eine halbdeterminierte Betrachtung von Quantenphaenomenen!
Wer mitmachen möchte, bitte bei den Kommentaren antworten. Dr. Reinhard Munzert