Wer seine DWZ verändern möchte, braucht normalerweise vor allem eines: eine gewertete Partie. Und die gibt es traditionell bei Turnieren oder im Mannschaftskampf. Doch was ist, wenn gerade kein passendes Turnier stattfindet, das Wochenende schon verplant ist oder man einfach häufiger ernsthafte Partien am Brett spielen möchte?
Genau an diesem Punkt setzt DWZ-Match an. Die Plattform möchte Vereinsspielern ermöglichen, sich unkompliziert zu einzelnen Schachpartien zu verabreden, die anschließend offiziell für die DWZ ausgewertet werden. Im Schachtalk spricht Michael Busse mit Nick Hausleitner, einem der drei Gründer von DWZ-Match, über die Idee hinter dem Projekt, die praktische Umsetzung und darüber, wie sich ein solches Angebot in die bestehende deutsche Schachlandschaft einfügen kann.
Vom Problem im Vereinsalltag zur eigenen App
Hinter DWZ-Match stehen Paul Maria Georg Drösser, Florian Bietz und Nick Hausleitner, drei aktive Vereinsspieler aus Düsseldorf. Die Grundidee entstand aus einer Situation, die viele Schachspieler kennen dürften: Wer eine ernsthafte, gewertete Partie spielen möchte, ist weitgehend an die Termine des organisierten Spielbetriebs gebunden.
DWZ-Match versucht, diese Lücke zu schließen. Statt auf das nächste Open oder den nächsten Mannschaftskampf zu warten, sollen sich zwei Vereinsspieler zu einer einzelnen Partie verabreden können. Gespielt wird dabei nicht online, sondern ganz klassisch am Brett.
Das Konzept wurde im Austausch mit der Wertungskommission des Deutschen Schachbundes entwickelt. Die eingereichten Partien werden nach Prüfung regulär über den DSB ausgewertet.
So funktioniert DWZ-Match
Der Ablauf soll bewusst einfach gehalten sein. Spieler registrieren und verifizieren sich zunächst in der App. Anschließend können sie andere Schachspieler finden, ein Match vereinbaren und die Partie an einem gemeinsam gewählten Ort austragen.
Nach der Partie wird das Ergebnis über die App eingereicht. Dazu gehört auch ein Foto des Partieformulars. Nach einer Prüfung wird die Begegnung zur DWZ-Auswertung weitergegeben und fließt damit wie andere gewertete Partien in die Wertungszahl der beiden Spieler ein. Voraussetzung für die Nutzung ist eine Vereinsmitgliedschaft.
Damit verlagert DWZ-Match einen Teil dessen, was sonst innerhalb eines Turnierrahmens stattfindet, auf eine direkte Verabredung zwischen zwei Spielern. Die Partie selbst bleibt eine klassische Schachpartie am Brett – lediglich Organisation und Einreichung laufen über die App.
Mehr Freiheit bei der Suche nach Spielpraxis
Interessant ist der Ansatz besonders für Spieler, die gerne häufiger lange Partien spielen würden, als es ihr persönlicher Turnierkalender zulässt.
Ein komplettes Open beansprucht schnell ein Wochenende oder mehrere Tage. Mannschaftskämpfe wiederum finden nur zu bestimmten Terminen statt. Eine einzelne Partie lässt sich deutlich flexibler in den Alltag integrieren.
Damit versteht sich DWZ-Match weniger als Ersatz für Turniere oder Vereinsleben, sondern vielmehr als zusätzliche Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln. Auch klassische Turniere bleiben für die Gründer ein wichtiger Bestandteil des Schachs: DWZ-Match veranstaltet inzwischen selbst Turniere in unterschiedlichen Formaten.
Und wie wird Missbrauch verhindert?
Sobald Partien außerhalb eines klassischen Turnierumfelds gewertet werden, stellt sich zwangsläufig die Frage nach Fairplay und Kontrolle.
DWZ-Match setzt deshalb nach eigenen Angaben auf verschiedene Sicherheitsmechanismen. Dazu gehören unter anderem eine Identitätsverifikation, ein internes Bewertungssystem sowie die Überprüfung auffälliger Spielerleistungen. Spieler, die gegen die Fairplay-Regeln verstoßen, können von der Plattform ausgeschlossen werden.
Ein ungewöhnlicher neuer Baustein im deutschen Schach
Seit dem 19. Juni 2026 ist die DWZ-Match-App für iOS und Android verfügbar. Bereits vor dem offiziellen Start wurde das System über mehrere Wochen getestet. Der Schachbund Nordrhein-Westfalen berichtete zum Start von mehr als 250 Interessierten auf der damaligen Warteliste.
Nick Hausleitner ist innerhalb des dreiköpfigen Gründerteams vor allem für die technische Seite verantwortlich. Als Entwickler hat er die App aufgebaut und kümmert sich um deren technischen Betrieb. Paul Drösser verantwortet insbesondere Marketing und Turniere, Florian Bietz Finanzen und Design.
Mit DWZ-Match kommt damit ein neuer, flexibler Baustein in die deutsche Schachlandschaft, der klassische Turniere und Mannschaftskämpfe ergänzen kann. Die Idee wirft dabei eine interessante Frage auf: Muss eine offiziell gewertete Schachpartie zwangsläufig Teil eines größeren Turniers sein – oder kann der organisierte Schachsport auch flexiblere Formen ermöglichen?
DWZ-Match gibt darauf eine konkrete Antwort: Zwei Spieler, ein Brett, eine vereinbarte Partie – und anschließend eine offizielle DWZ-Auswertung.
Das vollständige Gespräch mit Nick Hausleitner gibt es im Schachtalk