284 Teilnehmer, ein sensationeller Heimsieg und prominenter Besuch von Schachlegende Artur Jussupow: Das 20. Internationale Deizisauer Herbstopen bot vom 23. bis 26. Oktober 2026 reichlich Gesprächsstoff.
Ausgerechnet ein Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen sicherte sich den Sieg beim 20. Internationalen Deizisauer Herbstopen. Der erst 15-jährige Julius Lücke von den Schachfreunden Deizisau setzte sich im A-Open gegen zahlreiche deutlich höher bewertete und erfahrenere Spieler durch. Mit sechs Punkten aus sieben Partien gewann er das Turnier dank der besseren Buchholz-Wertung vor dem punktgleichen Internationalen Meister Adrian Gschnitzer.
Dabei war Lücke keineswegs als einer der Favoriten gestartet. Mit einer Elo-Zahl von genau 2000 belegte der 2011 geborene Deizisauer lediglich Rang 32 der Startrangliste. Doch der junge Spieler, der bereits 2025 an der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft in Willingen teilgenommen hatte, befindet sich seit einiger Zeit auf einem bemerkenswerten Höhenflug. Noch im vergangenen Jahr lag seine Elo-Zahl bei 1749 Punkten. Seither hat er sich um mehr als 250 Punkte verbessert.
In Deizisau setzte Lücke seine rasante Entwicklung eindrucksvoll fort. Sechs seiner sieben Partien entschied er für sich, lediglich gegen den an Nummer eins gesetzten Internationalen Meister Jonathan Carlstedt musste er eine Niederlage hinnehmen (vgl. Beitragsbild).
Sein Lohn waren neben dem Siegerpokal und 1.250 Euro Preisgeld auch weitere 56 Elo-Punkte (vorläufige Berechnung von Lichess). Für die Nachwuchsarbeit der Schachfreunde Deizisau ist dieser Erfolg ein besonderes Ausrufezeichen.
Hinter Lücke und Gschnitzer (SV 1947 Walldorf) folgten mit jeweils 5,5 Punkten FIDE-Meister Enis Zuferi vom Heilbronner SV, der topgesetzte Internationale Meister Jonathan Carlstedt vom SK Marmstorf und FIDE-Meister Melis Mamatov aus Kirgisistan. Bester weiterer Deizisauer war Marc Gustain mit fünf Punkten auf Rang 15.

Bild: Die Sieger des A-Opens beim 20. Deizisauer Herbstopen.
284 Schachbegeisterte beim Jubiläumsturnier
Auch die 20. Auflage des traditionsreichen Herbstopens erwies sich als Publikumsmagnet. Insgesamt 284 Spielerinnen und Spieler gingen an den Start, verteilt auf drei Leistungsgruppen. Im A-Open kämpften 129 Teilnehmer um Punkte und Preise, im B-Open waren es 91 und im C-Open weitere 64.
Damit wurde die Teilnehmerzahl aus dem vergangenen Jahr mit 304 Spielern zwar nicht ganz erreicht. Dennoch unterstreicht die erneut hohe Beteiligung die feste Stellung des Deizisauer Herbstopens im Turnierkalender. Über vier Tage hinweg wurden sieben Runden im Schweizer System gespielt, bei dem jeweils Spieler mit möglichst ähnlicher Punktzahl gegeneinander antreten. Der Gesamtpreisfonds betrug 5.000 Euro.
Ben Djawid gewinnt B-Open mit makelloser Bilanz
Einen überlegenen Sieg feierte Ben Djawid von den Schachfreunden Heidelberg im B-Open. Der an Position sieben gesetzte Spieler gewann sämtliche sieben Partien und ließ der Konkurrenz damit keine Chance. Eine makellose Bilanz, die bei einem Turnier mit 91 Teilnehmern keineswegs selbstverständlich ist.
Den zweiten Platz sicherte sich Finn Faller vom SK Engen mit 5,5 Punkten. Ebenfalls 5,5 Punkte erzielte Paul Feller vom SK Wernau, der aufgrund der etwas schlechteren Buchholz-Wertung Dritter wurde und damit für einen erfreulichen Erfolg aus der unmittelbaren Nachbarschaft Deizisaus sorgte. Auf den weiteren Plätzen folgten Marco Treiber vom SK Friedberg und Jose Enrique Bosch von den Schachfreunden Pfullingen mit jeweils fünf Punkten.

Bild: Die Sieger des B-Opens beim 20. Deizisauer Herbstopen.
Sieben Siege im C-Open
Auch im C-Open gab es einen klaren Sieger: Diego Cárdenas von der SG Königskinder Hohentübingen gewann sämtliche sieben Partien und sicherte sich mit der maximal möglichen Punktausbeute den ersten Platz. Dahinter folgten Rostyslav Pechernyi mit sechs Punkten und Bernd Trumpp mit 5,5 Punkten.

Bild: Die Sieger des C-Opens beim 20. Deizisauer Herbstopen.
Bemerkenswert war dabei eine Entwicklung, die auch außerhalb Deizisaus zunehmend zu beobachten ist: Gleich drei der fünf Erstplatzierten im C-Open verfügten weder über eine Deutsche Wertungszahl (DWZ) noch über eine Vereinszugehörigkeit. Das zeigt, wie sehr sich der Schachsport verändert. Immer mehr Menschen entdecken das königliche Spiel zunächst im Internet, beispielsweise auf Plattformen wie Chess.com, oder lernen die Grundlagen über digitale Angebote wie Duolingo. Veranstaltungen wie das Deizisauer Herbstopen bieten ihnen eine Gelegenheit, erstmals Turnierluft zu schnuppern und sich mit erfahrenen Vereinsspielern zu messen.
Schachlegende Artur Jussupow zu Gast
Ein besonderes Highlight abseits des eigentlichen Turniergeschehens war der Besuch von Artur Jussupow. Der ehemalige Weltranglisten-Dritte zählt zu den bedeutendsten Schachspielern seiner Generation und ist heute als Trainer und Autor bekannt.
In Deizisau nahm sich Jussupow Zeit für die Teilnehmer und stand unter anderem für Partieanalysen zur Verfügung. Davon profitierte auch das Deizisauer Nachwuchstalent Olivia Lukas, die gemeinsam mit dem Großmeister Schachstellungen analysieren konnte.

Bild: Schachlegende Artur Jussupow mit dem Deizisauer Nachwuchstalent Olivia Lukas.
Außerdem stellte Jussupow sein neues Buch Die Legenden des Schachs vor. Darin beschäftigt er sich mit einer Frage, über die Schachfreunde seit Jahrzehnten leidenschaftlich diskutieren: Wer ist der beste Schachspieler aller Zeiten? Für Jussupow ist die Antwort eindeutig: Garri Kasparow.
Ein Jubiläum mit einem ganz besonderen Sieger
Nach vier intensiven Turniertagen dürfen die Schachfreunde Deizisau auf ein gelungenes Jubiläum zurückblicken. 284 Teilnehmer, zahlreiche spannende Partien und der Besuch einer Schachlegende unterstrichen die Bedeutung des Herbstopens für die regionale Schachszene.
Ein besonderer Dank gilt den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ohne deren Einsatz eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht möglich wäre. Ob beim Auf- und Abbau, in der Turnierorganisation, bei der Betreuung der Teilnehmer oder hinter den Kulissen – sie alle haben maßgeblich zum Gelingen des 20. Deizisauer Herbstopens beigetragen.
Vor allem aber wird die 20. Auflage wegen eines Namens in Erinnerung bleiben: Julius Lücke. Dass sich ein 15-jähriger Spieler aus der eigenen Jugend gegen ein starkes Teilnehmerfeld durchsetzt und das A-Open gewinnt, ist für die Schachfreunde Deizisau ein besonderer Grund zur Freude – und ein Beleg für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Vereins.