Zusammenfassung von Sally.io des Interviews im Perpetual Chess Podcast: GM Melik Khachiyan ist ein preisgekrönter Schachtrainer, US-Seniorenmeister von 2023 und Kapitän der US-Damen-Olympiadamannschaft. Nach dem vierten Platz des Teams bei der Schacholympiade 2026 spricht über die Herausforderungen bei der Führung einer Nationalmannschaft, wie man das Selbstvertrauen der Spielerinnen stärkt und warum er optimistisch in die Zukunft des US-Frauenschachs blickt.
• Olympia-Ergebnis
Melek Setkachin bewertet das Abschneiden des US-Frauenturns in der Olympiade als insgesamt sehr konsistent und erfolgreich: über die letzten drei Olympiaden habe das Team jeweils etwa 17 Matchpunkte erreicht, was in der Regel für eine Platzierung im oberen Fünftel reicht. Er hebt hervor, dass die Mannschaft auf den meisten Brettern Punkte holte, mit leichten Verlusten auf Ersatzbrettern und bei einzelnen Spielerinnen (z. B. Rose Atwell, Irina Krush). Khachiyan betont, dass Irina Krush bewusst häufig Schwarz spielte, um das Team zu unterstützen, und dass die Mannschaft mental stark sei. Er sieht das Ergebnis als sehr gut, aber mit Potenzial für eine noch bessere Platzierung, insbesondere wenn Ersatzbretter stärker besetzt wären.
• Mentale Unterstützung
Melik Khachiyan erläutert seine Coaching-Philosophie: Er versucht stets, Spielerinnen nach schlechten Partien zu ermutigen und Negativität zu vermeiden, da schlechte Tage sonst das weitere Spiel beeinträchtigen. Nach der Niederlage gegen Armenien, die besonders frustrierend war, war es seine Aufgabe als Kapitän, die Mannschaft schnell zu stabilisieren und die Spielerinnen mental wieder aufzubauen. Er betont, dass man nicht zu viel über Niederlagen reden solle, um die Spielerinnen nicht zu demotivieren, und dass schnelle Erholung und positives Auftreten entscheidend sind.
• Team-Entwicklung
Melik Khachiyan beschreibt die Entwicklung des US-Frauenturns seit 2010: Während das Team früher nicht als ernsthafter Titelkandidat galt, sei es seit der Olympiade in Chennai zu einem ernstzunehmenden Top-Team geworden. Dies habe die Atmosphäre im Team verändert und die Erwartungen erhöht. Er sieht die jüngere Generation, insbesondere Alice Lee und Carissa Yip, als wichtige Säulen, die das Team weiter nach vorne bringen. Die Unterstützung durch Sponsoren und die Kasparov Foundation, die den Spielerinnen hochwertige Trainer und Reisekosten bereitstellt, sei ein großer Vorteil für ihre Entwicklung.
• Spielerrotation und Aufstellung
Melik Khachiyan erklärt die Vorgehensweise bei der Aufstellung der Spielerinnen: Die ursprüngliche Reihenfolge basiert auf den offiziellen Ratings der Spielerinnen, die vom US-Verband vorgegeben wird. Als Kapitän kann er diese Reihenfolge jedoch anpassen, basierend auf Gesprächen mit den Spielerinnen und deren aktueller Form. Die finale Aufstellung wird vor der Olympiade eingereicht, kann aber bis zur Deadline noch geändert werden. Er beschreibt, dass er bei der Aufstellung auch psychologische Aspekte berücksichtigt. Bei einzelnen Runden entscheidet der Kapitän, wer spielt und wer ruht, basierend auf der Belastung und Nervosität der Spielerinnen. So wurde Rose Atwell in der letzten Phase der Olympiade geschont, da sie noch nicht bereit war, den Druck zu bewältigen.
• Gesundheit und Belastung
Melik Khachiyan berichtet, dass es bei internationalen Turnieren üblich ist, dass Spielerinnen und Spieler krank werden, oft mit Magen-Darm-Beschwerden. Er führt eine kleine Apotheke mit, um auf solche Fälle vorbereitet zu sein. Bei der Olympiade musste eine Spielerin (Alice Lee) eine Runde wegen einer leichten Erkrankung aussetzen, was als Risiko gesehen wurde, sich aber als richtig erwies, da das Team die Partie gegen die Schweiz gewann. Er betont, dass die Spielerinnen zwar gesund, aber sehr müde sind, insbesondere Carissa Yip, die als Brett eins großen Druck hatte. Khachiyan schlägt vor, dass das US-Meisterschaftsformat in Zukunft so angepasst werden sollte, dass die Spielerinnen vor der Olympiade ausreichend Zeit zur Erholung haben, z. B. durch eine Verschiebung des US-Meisterschafts um mindestens zwei Monate.
• Schachakademie in Kalifornien
Melik Khachiyan berichtet über seine neue Schachakademie in Kalifornien, die er seit April betreibt. Die Räumlichkeiten sind zentral gelegen und bieten Platz für zehn bis zwölf Bretter. Er gibt am Wochenende Kurse für Kinder, von Anfängern bis zu fortgeschrittenen Spielern, und plant, künftig auch Turniere und regelmäßige Veranstaltungen für Erwachsene anzubieten. Die Akademie ist für ihn eine Leidenschaft, da er gerne mit Kindern arbeitet und die Schachbegeisterung weitergeben möchte. Er sieht die Akademie auch als Möglichkeit, seine beruflichen Aktivitäten zu bündeln und sich besser zu konzentrieren. Die Einnahmen aus den Kursen und Privatstunden decken die Mietkosten, sodass er sich keine Sorgen um die wirtschaftliche Tragfähigkeit macht.
• Fitness und Gesundheit
Melik Khachiyan beschreibt seine Fitnessroutine, die er seit einigen Jahren konsequent pflegt. Er trainiert fünfmal pro Woche mit Kraft- und Cardio-Übungen, was ihm hilft, fit und gesund zu bleiben. Die Akademie befindet sich im selben Gebäude wie sein Fitnessstudio, was die Integration beider Bereiche erleichtert. Er betont, dass körperliche Fitness für ihn wichtig ist, um langfristig leistungsfähig zu bleiben und ein gutes Vorbild für seine Kinder zu sein.
• Schachunterricht und Coaching
Melik Khachiyan gibt durchschnittlich 40 bis 45 Stunden Unterricht pro Woche, was ihn sehr beschäftigt. Er arbeitet auch in der FIDE-Kommission und im FIDE-Rat, was seine Zeit weiter einschränkt. Trotz der hohen Belastung versucht er, regelmäßig an Turnieren teilzunehmen, um seine Spielstärke zu erhalten. Er plant, an der American Open teilzunehmen, um Ratingpunkte zu sammeln und sich für das US-Seniorenmeisterschaft zu qualifizieren. Er betont, dass er trotz der vielen Verpflichtungen versucht, seine Zeit effizient zu nutzen und seine Leidenschaft für das Schach weiterzugeben.
• Schachunterricht für Kinder und Erwachsene
Melik Khachiyan erläutert seine Ansichten zum Schachunterricht: Für Kinder sei es wichtig, die Liebe zum Schach zu wecken und eine passende Lernumgebung zu schaffen, in der sie sich wohl fühlen. Er betont, dass man nicht nur mechanisch Züge und Eröffnungen vermitteln solle, sondern die Spielerinnen und Spieler zur Leidenschaft für das Spiel anregen müsse. Für erwachsene Spieler sei es besonders wichtig, taktisch scharf zu bleiben und die Angst vor Fehlern zu überwinden, um wieder Freude am Spiel zu finden. Er sieht sich als Mentor und Freund für seine Schüler, der ihnen hilft, Vertrauen zu fassen und sich weiterzuentwickeln.