04.03.2026

7 Gedanken zu „Die Miniverbände im deutschen Schach

  1. Hamburg find ich faszinierend: Jeder Vierte ist beim größten Hamburger Schachclub, dem Hamburger Schachclub 1830! Der Verein ist top aufgestellt, trotzdem finde ich das ungewöhnlich!

    1. Ich habe noch mal nachgerechnet: tatsächlich ist etwa jeder vierte Vereinsspieler in Hamburg beim HSK 1830 gemeldet!
      Zum Vergleich: der FC Bayern (Schachabteilung) hat 400 Mitglieder. Soweit ich weiß, hat der Bezirksverband München etwa 2.000 Mitglieder, da käme Bayern dann auf ein Fünftel der Mitglieder.

  2. Es ist ein generelles Problem im deutschen Schach (und in der deutschen Gesellschaft ganz allgemein), dass eine Reformen von Strukturen im organisierten Schach, die durch Veränderungsprozesse in der Vereinslandschaft, sehr schwierig bis unmöglich sind. In NRW, wo ich mich auf Vereinsebene engagiere, gibt es einige Bezirke, die über die Jahre immer kleiner und geworden sind und irgendwann eine kritische Grenze an Mitgliedern erreicht haben, bei der kein regulärer Spielbetrieb auf Bezirksebene mehr möglich ist. Nun bin ich der Meinung, dass es in dem Fall sinnvoll wäre ein Reform durchzuführen, um wieder funktionsfähige Strukturen zu schaffen, beispielsweise indem Bezirks aufgelöst oder neu geschnitten werden. Dies passiert aber nicht aus mehreren Gründen:

    – Fehlendes Problembewusstsein bei den Verantwortlichen in den jeweiligen Bezirken verbunden mit einem überhöhten Traditionsbewusstsein (Die Großväter haben schließlich schon in diesem Bezirk gespielt, ich will nicht die Hand heben, um ihn aufzulösen).
    – Fehlendes Problembewusstsein auch bei den Verantwortlichen anderer Bezirke. Durch die Zombibezirke wird ja letztlich der sportliche Wettbewerb verzerrt, wenn es um Startplätze für Mannschaften und Einzelspieler auf höheren Ebenen oder auch um Stimmen auf Kongressen des Landesverbands geht.
    – Fehlender Wille auf Landesebene, um sich mit diesen unbequemen Themen zu beschäftigen, bei denen man sich wenige Freunde, aber viele Feinde macht und auch fehlende Möglichkeit so eine Reform von oben zum Wohle der Mehrheit durchzusetzen.

    Und so passiert einfach nichts. Vereine, denen ein geregelter Spielbetrieb wichtig ist, resignieren und wechseln den Bezirk. Zurück bleiben Vereine mit mangelndem Problembewusstsein und eine Mehrheit auf Bezirksebene für Reformen wird immer schwieriger zu organisieren.

  3. Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein hat mit seinen rund 25000 Einwohnern immerhin einen Schachverein mit 65 Mitgliedern, Das entspricht im Schnitt einem Vereinsspieler auf von 385 Einwohner.

  4. Elmshorn in Schleswig-Holstein hat ca. 51000 Einwohner und ca. 350 Mitglieder hat der Schachclub. Entspricht 1:146 ; das wird in vielen Städten hier im Norden ähnlich sein. 14 % Frauenanteil kommt auch daher, dass z.B. Elmshorn alleine mit über 100 schon ca. 25% von SHO stellt. Durch die gute Schulschacharbeit landesweit wird der Anteil aber in ganz Schleswig-Holstein innerhalb der nächsten 3-5 Jahre durchaus auf landesweit 20% anstatt 14% steigen.
    Man muss zuerst konkret Angebote nur für Mädchen auf Ortsebene schaffen. Alles was überregional ist, interessiert die Anfängerinnen zu 90% erst einmal nicht.

    1. Hallo Heiko, ich finde es sehr erfreulich, dass ihr so gute Arbeit leistet, die sich in spürbaren Erfolgen bei den Mitgliedszahlen äußert. Ganz ehrlich: es ist schon ein mühsames Geschäft, Mitglieder für Schachvereine zu gewinnen, die dann auch dauerhaft bleiben. Wie gesagt, ich betrachte es aus meiner persönlichen Perspektive so: ich bin seit 50 Jahren aktiv im Schach (1976 beim SC Obermenzing eingetreten), und in dem Moment, als ich Schach für mich entdeckte, eröffnete sich eine ganz neue Welt für mich, die mein Leben nachhaltig bestimmt hat. Ich habe wirklich alle Höhen und Tiefen durchlebt. Bis heute blitze ich zum Beispiel fast täglich auf Lichess mit großer Freude. Mit dem Altmeister Tarrasch möchte ich sagen: ich habe ein leises Gefühl des Bedauerns, für diejenigen, die nie Schach als Hobby für sich entdeckt haben…

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