GM Caruana 2025. Photo: Wikipedia
Seit 2018 hat unser Held Fabiano Caruana eine Schachkarriere, die sich wie ein Thriller liest: ständig an der Schwelle zum Weltmeistertitel, doch immer wieder von einem kleinen Schritt vom entscheidenden Erfolg entfernt. Wenn man seine Ergebnisse in den Kandidatenturnieren Jahr für Jahr Revue passieren lässt, ist das eine Serie herzzerreißender Momente des knappen Scheiterns vor dem großen Ziel.
2018 gelang Caruana im Kandidatenturnier sein bislang größter Erfolg auf diesem Weg. Er bezwang eines der stärksten Kandidatenfelder aller Zeiten und spielte gegen Magnus Carlsen ein WM‑Match, das bis zum Schnellschach‑Tie‑Break gehen musste. In klassischem Schach war Caruana klar Carlsens ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen. Doch im Schnellschach zeigte Carlsen seine überlegene Tie‑Break‑Mentalität – und Caruana blieb als „Fast Weltmeister“ zurück.
2020 war das einzige Kandidatenturnier, das aus seiner Perspektive regelrecht schiefging. Er fand nie wirklich ins Turnier, lag meist nur im Mittelfeld und musste sich mit einem Ergebnis zufriedengeben, das für einen Spieler seiner Kategorie als Enttäuschung gilt. Es war ein Ausreißer, aber ein wichtiger Hinweis darauf, dass selbst die stärksten Spieler im Kandidatenturnier verwundbar sind.
2022 markiert vielleicht die unterschätzte Tragödie seiner Kandidatengeschichte. Nach sieben Runden lag Caruana bei +3, nur Ian Nepomniachtchi stand mit +4 noch besser da; alle anderen Spieler hatten zu diesem Zeitpunkt keinen positiven Score. Doch die Unsicherheit darüber, ob Carlsen den Titel niederlegen würde oder nicht, zwang Caruana dazu, keinen Punkt zurückzulassen. Er spielte weiter extrem aggressiv, nahm in mehreren Partien riskante Entscheidungen und büßte zunehmend Stabilität ein. Am Ende stand er bei -1, während Ding Liren +2 erreichte und letztlich gegen Nepomniachtchi das WM‑Match bestritt. Hätte Caruana gewusst, dass Carlsen nicht antreten würde, hätte er sich sehr wahrscheinlich mit einem sicheren zweiten Platz begnügt.
2024 schien die nächste große Chance, dieses Missgeschick zu korrigieren. In der Schlussrunde hatte Caruana mehrfach eine Gewinnstellung gegen Nepomniachtchi. Ein Sieg hätte ihn ins Schnellschach‑Stechen gegen Gukesh geführt. Gukeshs relative Schwäche im Schnellschach hätte Caruana dort deutlich im Vorteil gesehen – sowohl im Tie‑Break als auch in einem potenziellen WM‑Match wäre er klarer Favorit gewesen.
2026 begann erneut vielversprechendend: Caruana startete gut, als Sindarov einen historischen Lauf hinlegte, den man selten im Kanidatenturnier erlebt hat. Caruanas Niederlage gegen Nakamura und im Anschluss gegen Giri verschärfte die Lage; nach der neunten Runde war der Sieg im Turnier für ihn faktisch außer Reichweite, obwohl er zuvor noch im Rennen um die vorderen Plätze stand.
Im Ergebnis kann man festhalten: Caruana ist seit über 10 Jahren einer der stärksten Spieler der Welt – und doch bleibt die Liste der verpassten Gelegenheiten lang. Vielleicht bekommt er im Jahr 2028 noch einmal eine Chance, den Weltmeister herauszufordern. Bis dahin bleibt er der tragische Held der Kandidatenturniere: der Mann, der ständig am Weltmeistertitel vorbeischrammt, ohne ihn jemals zu fassen.