Die beiden Geehrten. Quelle DSB / Frank Bindung
Der Homepage des DSB ist zu entnehmen, dass die FIDE zwei Urgesteine des deutschen Schachs geehrt hat, und zwar witzigerweise wegen ihrer Schiedsrichtertätigkeit, was aber nicht ihr Hauptthema im Schach war. Als da wären:
Horst Metzing, langjähriger Geschäftsführer des Deutschen Schachbunds
- Internationaler Schiedsrichter seit 1984
- von 1976 bis 2013 Geschäftsführer des Deutschen Schachbundes
- von 1998 bis 2010 Generalsekretär der Europäischen Schachunion
- Ehemaliger Sportdirektor des Deutschen Schachbundes
- Schiedsrichter im Kandidatenwettkampf Kortschnoi – Portisch 1983
- Schiedsrichter im WM-Match Karpow – Timman 1993
- Hauptschiedsrichter bei der Mannschafts-WM 1997 Luzern
- Schiedsrichter bei der Schnellschach- und Blitz-WM 2015

Christian Krause, langjähriger Schiedsrichter und Wertungsreferent im DSB
- Internationaler Schiedsrichter seit 1983
- Ehemaliger FIDE-Ratingbeauftragter für Deutschland
- Schiedsrichter bei 16 (!) Schacholympiaden (von 1980 bis 2016; bei 8 Olympiaden Mitglied des TAP (von 1992 bis 2016)
- Schiedsrichter bei einigen Senioren-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften
- 1981: PROTOS = FIDE-zertifizierte Software zur Organisation von Schweizer Systemturnieren
- 1992: Vorsitzender der FIDE-Kommission für Paarungssysteme und Programme
- 1994–2010: Mitglied der FIDE-Regelkommission

Da sich die meisten Schachspieler nur für das Geschehen auf dem Brett interessieren, haben sie vielleicht keine Vorstellung davon, was die beiden über Jahrzehnte für das Schach geleistet haben. Hier noch eine persönlich gehaltene Laudatio auf die beiden.
Horst Metzing, mit dem ich seit mindestens 40 Jahren per du bin, hat den Schachbund etwa 35 Jahre lang mit ruhiger Hand „geführt“, wenn man die Leitung der Geschäftsstelle, in der alle Fäden der Schachorganisation zusammenlaufen, so bezeichnen will. Mit anderen Worten: wenn er nicht souverän das Tagesgeschäft gesteuert hätte, dann wäre der DSB nur ein loser Haufen gewesen. Ich war in den alten Räumen der Geschäftsstelle in den 90er Jahren selbst mal zu Besuch und habe mich lange mit ihm unterhalten (damals war ich noch Nationalspieler). Horst war immer ansprechbar, und immer präsent. Er kam eigentlich aus der Berliner Verwaltung und wurde von Alfred Kinzel dem ehemaligen DSB-Präsidenten losgeeist, wenn ich recht informiert bin, anfangs nur auf Zeit mit Rückkehrmöglichkeit, aber daraus wurde dann eine Lebensaufgabe. Und er war dann so gefragt, dass er sogar erster Generalsekretär der neu gegründeten Europäischen Schachunion wurde. Horst ist natürlich auch ein ganz feiner Mensch mit Berliner Humor, mit dem man sich immer gerne unterhält!
Und auch Christian Krause ist eine Schachlegende, allerdings in der Turnierorganisation und als Wertungsreferent. Wenn einem jemand die Feinheiten der Auslosung erklären konnte, dann er, denn er hatte das Auslosungsprogramm Protos selbst entwickelt und gepflegt. Damit war er in den 70er und 80er Jahren, wo die IT noch nicht so weit war wie heute, ein early adopter, dessen Kenntnisse sehr gesucht waren. Sein beruflicher Hintergrund war Mathematiker und Systemanalytiker. Seit 1980 war er bei jedem FIDE-Kongress dabei, und saß da mindestens in der Wertungs- oder/Paarungskommission und später in der Regelkommission. In der Funktion war er auch beteiligt am Beschluss zur etwas umstrittenen Absenkung der Elo-Untergrenze schrittweise bis runter auf 1.000, was ich damals nicht so toll fand. Aus dem elitären Ansatz „Elozahl nur für Spieler ab 2000“ führte er im Auftrag der FIDE eine totale Verwässerung durch, zumindest aus meiner Sicht.
Außerdem war er hierzulande so etwas wie der langjährige „Mister Wertung“. Heutzutage heißt das „FIDE Rating Officer“. Das heißt über ihn liefen die Elo-Auswertungen und Titelanträge für die deutschen Spieler an die FIDE. Jeder Titelaspirant weiß wie wichtig das ist. Und natürlich sah man ihn auch oft bei Turnieren zum Beispiel in Bad Wiessee als Schiedsrichter. Was ich über ihn nicht wusste, und erst dem Beitrag des DSB entnahm: er war sogar ehemaliger Bundesligaspieler vom SC München 1836, aber weit vor meiner Zeit! Als starken Spieler habe ich ihn nie wahrgenommen, für mich war er nur „der Organisator“.
Vor beiden Geehrten ziehe ich meinen Hut!