Maja Tschiburdanidze; Bild Wikipedia
In den letzten Jahren hat man von ihr nicht mehr viel gehört, denn sie ist inaktiv seit 2011, aber trotzdem bleibt die unvergessen. Die georgische Großmeisterin Maja Tschiburdanidze wird heute am 17. Januar 2026 genau 65 Jahre alt; sie war die sechste Frauenweltmeisterin der Schachgeschichte, und hielt Titel von 1978 bis 1991. Sie gilt als eine der erfolgreichsten Schachspielerinnen aller Zeiten und prägte Generationen georgischer Spielerinnen.
Lebensdaten und Herkunft
- Geboren am 17. Januar 1961 in Kutaisi, damals Georgische SSR in der Sowjetunion.
- Aufgewachsen in einem schachbegeisterten Umfeld, begann sie etwa im Alter von acht Jahren mit dem Spiel.
- Nach dem Zerfall der UdSSR startete sie für Georgien und wurde zu einer identitätsstiftenden Figur des georgischen Schachs.
Aufstieg zur Weltspitze
- 1974 gewann sie mit nur 13 Jahren ein internationales Frauenturnier im rumänischen Brașov und erkämpfte sich im selben Jahr den WIM-Titel.
- 1976 wurde sie UdSSR-Mädchenmeisterin, qualifizierte sich über das Interzonenturnier in Tbilisi für den WM-Zyklus und holte 1977 bereits die Frauenmeisterschaft der UdSSR.
- Im WM-Kandidatenturnier setzte sie sich bis ins Finale durch und gewann den Wettkampf gegen Alla Kushnir knapp, womit sie Herausforderin der amtierenden Weltmeisterin Nona Gaprindaschwili wurde.
Weltmeisterschaft 1978–1991
- Im Titelkampf 1978 in Pizunda besiegte sie Nona Gaprindaschwili mit 8:6 (+4 −2 =9) und wurde mit 17 Jahren jüngste Frauenweltmeisterin der Geschichte, ein Altersrekord, der erst 2010 von Hou Yifan gebrochen wurde.
- Sie verteidigte ihren Titel viermal erfolgreich und blieb damit von 1978 bis 1991 insgesamt 13 Jahre an der Spitze, länger als jede andere Weltmeisterin außer Vera Menchik und Nona Gaprindaschwili.
- 1991 in Manila verlor sie schließlich den Titel an Xie Jun, behielt aber ihren Status als Weltklassespielerin im Frauen- wie im Offenen Schach.
Turniererfolge, Olympiaden und Titel
- 1984 wurde sie als zweite Frau überhaupt von der FIDE mit dem Großmeistertitel der Männer ausgezeichnet, nach GM Nona Gaprindaschwili.
- In den 1980er Jahren gewann sie als erste Frau überhaupt ein stark besetztes Elite-Rundenturnier und wiederholte diesen Erfolg ein zweites Mal.
- Zwischen 1978 und 2008 gewann sie bei Frauen-Schacholympiaden neun Mannschafts-Goldmedaillen und fünf Einzel-Goldmedaillen, mit der herausragenden Gesamtbilanz von 89 Siegen, 73 Remis und nur 5 Niederlagen.
Spielstil und bekannteste Partien
- Tschiburdanidze ist bekannt für einen tief positionellen, aber kämpferischen Stil, der klassische sowjetische Schachschule mit georgischer Angriffslust verbindet.
- Ihre berühmte Gewinnpartie gegen Semjon Dwoiris beim 48. UdSSR-Championat in Tallinn 1980 wurde im Informator mit dem ersten Preis für theoretische Leistung ausgezeichnet und als „Perle von Tallinn“ bekannt.
- In Mannschaftskämpfen war sie eine äußerst zuverlässige erste Brettspielerin; etwa bei der Olympiade 1992 in Manila, wo sie ungeschlagen blieb, 10 aus 13 erzielte und sowohl Einzel- als auch Performance-Gold (Leistung 2692) holte.
Bedeutung für das Frauenschach
- Tschiburdanidze verkörpert die zweite große georgische Generation nach Gaprindaschwili und trug wesentlich dazu bei, dass Georgien zur führenden Nation im Frauenschach wurde.
- Ihre WM-Ära fiel in eine Zeit, in der Frauen zunehmend in offene Turniere vordrangen; ihre GM-Normenerfolge und Turniersiege gegen starke Männerkonkurrenz hatten eine wichtige Vorbildfunktion.
- Sie ist die einzige Spielerin, die neun Schacholympiaden gewann, und steht damit für eine Verbindung aus Langlebigkeit, Teamgeist und konstantem Spitzenniveau.
Danke Gerald für den umfassenden Beitrag zu der – inzwischen inaktiven – georgischen Schachspielerin Maja Tschiburdanidze! Ich muss mich sehr darauf konzentrieren, ihren Namen richtig zu schreiben.
Sie ist von gleichen Jahrgang (1961) wie ich selber, aber war mir trotzdem unbekannt geblieben, weil ihre großen Schacherfolge zu einer Zeit stattfanden, als ich selbst noch nicht im Vereinsschach aktiv war.
Also ihr wurde genauso wie Nona Gabrindaschwili der GM-Titel der Offenen Klasse verliehen. Hatte sie denn 3 GM – Normen für diesen Titel erfüllt oder den Titel für ihre großen schachlichen Leistungen ehrenhalber verliehen bekommen?
Ich besitze ein schachhistorisches Buch: „Genies in Schwarzweiß“ von Martin Breutigam, darin wird Nona Gabrindaschwili präsentiert, sie aber nicht.
Deine Präsentation dieser Spielerin regt mich jetzt an, auch mein (altes) Schachlexikon zu konsultieren, da „muss“ sie denn ja drinstehen.
Aus meinem „Meyers Schachlexikon“ von 1993: „Die Georgierin war ein Schachwunderkind, absolvierte aber trotzdem erfolgreich ihr Medizinstudium und ist praktizierende Augenärztin. Sie war war die 6. Schachweltmeisterin von 1978-1991.“
Ah, ich wusste nicht, dass sie praktizierende Augenärztin ist – vielen Dank für den Hinweis!
Ich musste im letzten Punktspiel gegen einen ungewerteten Spieler namens Chikvaidze antreten. Dank Maja Tschiburdanidze wusste ich, dass er wegen der Endung -idze ein Georgier sein musste, und konnte meine bald darauf folgende Niederlage mental leichter verschmerzen.
Da kann ich mich doch noch dunkel an eine Partie Hertneck-Tschiburdanidze 1-0 vor ziemlich genau 40 Jahren erinnern. Ungefähr damit begann meine „Heldenverehrung“ für einen aufstrebenden jungen deutschen IM, der folgerichtig einige Jahre später GM wurde und in der deutschen Schachspitze mitmischte.
Tatsächlich vor 40 Jahren in Bad Wörishofen. Danke für die Erinnerung. https://www.365chess.com/game.php?gid=2153559
Hallo Peter, ich danke nochmals für deinen Hinweis, ich konnte mich natürlich noch dunkel an die Partie erinnern, und wusste auch, dass ich damals sehr stolz auf sie war, aber nachdem ich die Erinnerung gelesen habe, habe ich sie noch einmal genau analysiert, und mich entschieden, sie in den nächsten Tagen auf dem Schachkicker zu veröffentlichen!
Schöne Partie!
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