2007 vor 20 Jahren wurde der Schach-Bundesliga e.V gegründet. Die Absicht war
1. Eigenständigkeit und Selbstverwaltung
Die Vereine der 1. Bundesliga wollten das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Als eigenständiger eingetragener Verein (e.V.) gewannen die Klubs die Hoheit über ihre Spielordnung, die Terminplanung und die Organisation des Spielbetriebs.
2. Professionalisierung und Vermarktung
Die Schach-Bundesliga galt (und gilt oft noch heute) als die „stärkste Schachliga der Welt“. Die Absicht war, dieses sportliche Kapital besser zu nutzen:
- Markenbildung: Etablierung der Bundesliga als Premium-Produkt.
- Sponsoring: Gewinnung eigener Sponsoren, die gezielt die Spitzenliga unterstützen wollten, ohne dass Gelder im Breitensport des Gesamtverbandes versickern.
- Medienpräsenz: Eine gezieltere Öffentlichkeitsarbeit und die Professionalisierung der Berichterstattung (z.B. durch zentrale Internet-Auftritte und Live-Übertragungen).
3. Effizientere Entscheidungswege
Innerhalb des DSB waren die Bundesliga-Interessen nur ein kleiner Teil eines riesigen Apparates. Durch den e.V. wurden die Entscheidungswege radikal verkürzt. Die Vereine konnten nun direkt über Reformen (wie z.B. die zentrale Endrunde oder Änderungen im Ausländerreglement) abstimmen, ohne durch alle Instanzen des föderalen Verbandswesens gehen zu müssen.
2026, fast 20 Jahre später ist es meiner Meinung nach Zeit, zu analysieren.
2 Rückzüge nach einer Saison mit Wolfhagen und Deizisau zeigen, das die Liga nicht gesund ist. Das Problem ist, das hier Profispieler am Werke sind und es leider nahezu keinerlei Einnahmen gibt. Spielergehälter, Fahrtkosten, Unterkunft summieren sich, Mäzene kümmern sich um die Ausgaben.
Ich sehe irgendwie wenig Aussichten, die Einnahmenseite deutlich zu erhöhen und der Einsatz von local playern hat unweigerlich den Abstieg zur Folge, außer du bist der HSK!
Hier ist ein Verzeichnis der Mannschaften, die nicht sportlich abgestiegen sind, sondern aus meist finanziellen Gründen freiwillig ihren Rücktritt aus der Bundesliga erklärten.
- FC Bayern München (1995): Nach neun Meistertiteln zog sich die Profi-Abteilung zurück, um sich auf die Nachwuchs- und Amateurbarbeit zu konzentrieren. (Der Verein kehrte später zurück).
- Lübecker SV (2003): Dreifacher Meister in Folge. Der Rückzug erfolgte nach finanziellen und rechtlichen Turbulenzen um den Hauptsponsor.
- SG Porz (2007): Der wohl folgenreichste Rückzug. Der Traditionsverein und Rekordmeister verließ die Liga aus Protest gegen die Gründung des eigenständigen Schach-Bundesliga e.V..
Die Ära der Mäzene und Sponsoren (2000–2020)
- TV Tegernsee (2009): Rückzug nach dem Ende des Sponsorings durch eine lokale Bank.
- SC Eppingen (2015): Nach elf Jahren Zugehörigkeit und vielen Top-Platzierungen zog sich der Verein aus wirtschaftlichen Erwägungen zurück.
- SK Turm Emsdetten (2016): Der Verein konnte die finanziellen Anforderungen und die knappen Meldefristen nicht mehr erfüllen.
- SG Trier (2017): Rückzug nach zehn Jahren in der 1. Bundesliga.
Die jüngsten Rückzüge (2020 bis heute / 2026)
In den letzten Jahren hat sich die Schlagzahl der Rückzüge durch die steigenden Kosten für Profi-Kader erhöht:
- SV Lingen (2021): Rückzug noch während der laufenden „Corona-Saison“ 2019/21.
- SV Hockenheim (2021): Trotz der Vizemeisterschaft 2020 und Weltstars wie Anatoli Karpow im Kader fand der Verein keinen neuen Hauptsponsor.
- SG Speyer-Schwegenheim (2021): Rückzug kurz nach Hockenheim und Lingen.
- SC Ötigheim (2024): Ein sportliches Märchen, das auf Platz 6 endete, weil die private Finanzierung eingestellt wurde.
- SF Deizisau (2026): Der jüngste Paukenschlag; das Team mit vielen deutschen Nationalspielern gab seine Lizenz kurz vor der Endrunde zurück.
- Sfr. Wolfhagen (2026): Parallel zu Deizisau erfolgte der Rückzug der Nordhessen.
Weitere historische Rückzüge (Auszug)
- Königsspringer Frankfurt (1981)
- SV Wilmersdorf (1981)
- Lasker-Steglitz (1990)
- Bielefelder SK (1992)
- SV Castrop-Rauxel (2002)
- SC Kreuzberg (2009)
- SV Wattenscheid (2014)
- Hintergrund: Insgesamt haben seit 1980 über 35 Mannschaften von ihrem Startrecht in der 1. Liga freiwillig abgesehen. In fast allen Fällen bedeutete dies die Rettung für den Tabellenvierzehnten, der dadurch den Klassenerhalt am „grünen Tisch“ erreichte.
- Meiner Meinung nach ist der Schach-Bundesliga e.V. krachend gescheitert, ein Rückkehr zum DSB würde aber auch nicht viel helfen, das System passt irgendwie nicht, das ist der Preis für die beste Liga der Welt!
Da fehlen noch einige Rückzüge – 2025 Doppelbauer Kiel nach Meldeschluss und vor Saisonbeginn (Mannschaft hatten sie gemeldet und sind dann doch nicht angetreten), 2019 dasselbe für DJK Aachen (aus DJK Aufwärts Aachen wurde nach einigen Jahren Bundesliga DJK Abwärts Aachen. Eine möglicherweise vollständige Übersicht bis 2016 auf https://de.chessbase.com/post/rueckzuege-aus-der-bundesliga . In einigen Fällen geht es dabei auch um Mannschaften, die sportlich abgestiegen waren, durch Rückzug eines anderen Vereins doch den Klassenerhalt geschafft hätten aber bereits für die Zweite Bundesliga planten und die unverhoffte Chance nicht nutzen konnten oder wollten.
Aber wohin sollte die Reise denn laut Walter Rädler gehen? Abschaffung des Profitums kann es nicht sein, schließlich ist es für viele Spieler eine wichtige Einnahmequelle (auch für deutsche Spieler, viele spielen auch in ausländischen Profiligen). Übrigens gibt es auch in Amateurligen mitunter Rückzüge oder freiwillige Abstiege – sei es weil der Verein für die nächste Saison keine Mannschaft mehr zustande bekommt, sei es weil sie weite Reisen zu Auswärtsspielen nicht mehr wollen (je höher die Liga, desto weitere Reisen). Sind diese Ligen dann auch „krachend gescheitert“? Es sind Einzelfälle, aber auch in der Bundesliga sind es insgesamt dennoch Einzelfälle mit unterschiedlichen Hintergründen.
Den folgenden Satz, also das Fazit des Beitrags würde ich nicht unterschreiben, Zitat: „Meiner Meinung nach ist der Schach-Bundesliga e.V. krachend gescheitert, ein Rückkehr zum DSB würde aber auch nicht viel helfen, das System passt irgendwie nicht, das ist der Preis für die beste Liga der Welt!“
Wenn die Bundesliga krachend gescheitert wäre, dann würde sie nicht mehr existieren, so wie der Nemax (Neuer Markt Index). Tatsache ist, dass sie seit 47 Jahren mit 15 oder 16 Mannschaften ausgetragen wird. Und dass sie von den Vereinen gut angenommen wird. Richtig ist natürlich, dass es bei einzelnen Vereinen finanzielle Probleme gegeben hat, und auch immer geben wird. Oder dass der Motor des Vereins stirbt, so wie seinerzeit Jellissen beim FC Bayern.
Worüber sich die Vereine mal Gedanken machen sollten: wenn sie mehr Deutsche und Einheimische einsetzen würden, und weniger Legionäre, dann würden auch die Kosten sinken. Aber das ist offensichtlich nicht erwünscht, ich weiß schon.
Bemerkenswert ist auch, dass seit Gründung des Bundesliga e.V. kein Ligasponsor gefunden wurde, was ursprünglich mal beabichtigt war!
Trotz all dem muss man festhalten, dass die höchste Liga im deutschen Schach von den Vereinen und der Schachpresse sehr gut angenommen wird. Die Rückzüge sind quasi Teil des Systems, und können im Grunde über jeden Verein hereinbrechen, dessen Sponsor aufhört, oder wenn der Mann im Verein aufhlrt, der die Mannschaft steuert.
Hallo Gerald, ich habe geschrieben, dass der Schachbundesliga e.V. meiner Meinung nach gescheitert ist, die Ziele wurden nicht erreicht! Markenbildung und Sponsoring klappt leider nicht so recht.
Hallo Walter, sorry du hast recht. Aber dann muss ich sagen, in der Selbstverwaltung ist der Bundesliga e.V. nicht gescheitert. Er hat schrittweise Optimierungen vorangebracht. Zum Beispiel Mannschaftsdress, Spielsystem, elektronische Übertragungen, Anti-Cheatung usw.
Die schrittweisen Optimierungen sind evtl. auch auf die veränderte Zeit zurückzuführen. Anti-Cheating, elektronische Übertragungen, da kommst du nicht rum. Schade, dass der Kriterienkatalog der Schachbundesliga e.V. nicht durchgegangen ist, er wäre sinnvoll gewesen, verstieß aber eindeutigst gegen geltendes EU-Recht.
Rückzüge hat es schon immer gegeben. Meist dürfte es finanzielle Gründe gegeben haben, aber auch der organisatorische Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Die wirtschaftliche Lage ist seit Jahren unsicher, während die Kosten steigen (Reisekosten). Da verwundern Rückzüge nicht.
Generell ist der Abstand von der ersten zur zweiten Bundesliga zu groß. In der 2. Liga werden 11 Runden gespielt, in der ersten 15 Runden. Die Kosten steigen also zumindest um über 35 %. In der Aufstiegseuphorie mag das durch privates Engagement ausgeglichen werden können. Dabei dürfte es sich aber um keine dauerhafte Finanzierung handeln. Dann Probleme absehbar.
Es wäre ja nun die Aufgabe des Vereins der Schachbundesliga e.V. Probleme anzugehen. Dazu ist der aber gar nicht in der Lage, weil die meisten Mitglieder, die Bundesligavereine, sich mit dem status quo eingerichtet haben. Änderungen werden deshalb nicht gern gesehen.
Die erste Frage ist doch, ob die Anzahl der Vereine in der Bundesliga nicht zu hoch ist. Für eine Absenkung dürfte es aber keine Mehrheit geben. Alternativen werden erst gar nicht angedacht. Man könnte die Anzahl der Vereine auf 24 erhöhen und spielt in 2 Gruppen. Die besten 2 Mannschaften aus beiden Gruppen spielen dann den Deutschen Meister aus. Für Aufsteiger aus den 2. Ligen hätte das den Vorteil, dass es zunächst mal keine gravierenden Änderungen der Kosten gibt, wenn man mit der bisherigen Mannschaft weiterspielt.
Ansonsten sollte man beim Schachbundesliga e.V. darauf hin arbeiten, den eigenen Ansprüchen zu genügen. Ich zitiere mal paar Dinge aus dem Leitbild ( https://www.schachbundesliga.de/die-liga/leitbild ).
„Mit Blick auf die Förderung des Spitzensports erschließt der Schachbundesliga e.V. bestmöglich Vermarktungschancen.“
Das sieht dann so aus, dass nichts möglich ist. Da ist ja seit knapp 20 Jahren nichts passiert. Noch nicht einmal für die Namenrechte an der Bundesliga hat man einen Sponsor gefunden.
„Der Schachbundesliga e.V. richtet neben der Schachbundesliga weitere spitzensportliche Schachwettbewerbe aus.“
Hat es seit 2007 schon eine einzige Veranstaltung gegeben?
„Es werden auch Großveranstaltungen unter Beteiligung sämtlicher Erstligavereine durchgeführt, die Fachpublikum und allgemeine Öffentlichkeit in besonderer Weise auf den Schachsport und die Schachbundesliga aufmerksam machen.“
Auch da, gähnende Leere.
„Der Schachbundesliga e.V. betreibt einen weitestgehend werbefreien Internetauftritt, der als hauptsächliches Informationsmedium zu allen die Schachbundesliga betreffenden Aspekten dient.“
Warum muss der Auftritt werbefrei sein?
„Die Vereine der Schachbundesliga bieten im Zusammenhang mit der Ausrichtung von Heimspielen ein Rahmenprogramm für Zuschauer vor Ort und/oder im Internet an. Weiterhin sorgen sie für eine vorbildliche Ausrichtung und öffentlichkeitswirksame Präsentation der Wettkämpfe.“
Für wen eigentlich? In Bayern wird in den tieferen Ligen an denselben Terminen gespielt. In den meisten anderen Schachverbänden dürfte es ähnlich sein.