Runde 2 und 3 des grenke Schachfestival 2026 am Karfreitag hatten alles, was dieses Turnier ausmacht.
Schon zur Eröffnung wurde der Ton gesetzt: Mit „Zusammen“ von den Die Fantastischen Vier lief ein Lied, das sinnbildlich für dieses Festival steht. Tausende Spieler, Zuschauer und Beteiligte – aus allen Altersgruppen, aus der ganzen Welt und unterschiedlichster Herkunft – vereint durch die gleiche Leidenschaft für Schach.
Runde 2: Erst Selfie, dann Widerstand
Michael Rütten, Mitglied des Schiedsrichterteams, zog die Startposition für den Freestyle-Wettbewerb: 247.
Turnierfavorit Magnus Carlsen traf auf WGM Alua Nurman aus Kasachstan. Diese nutzte die Gelegenheit für ein Selfie mit dem Norweger, der bereitwillig mitmachte. Anschließend musste sie ihr Handy – auf Wunsch Carlsens – bei Michael Rütten abgeben.

Vor Ort zeigte sich Kommentator Klaus Bischoff beeindruckt vom Auftritt der Außenseiterin, die lange stark dagegenhielt. Am Ende setzte sich jedoch erwartungsgemäß der Norweger durch.
Runde 3: Dramatisches Ende bei Keymer
In Runde 3 wurde die Startposition 53 ausgelost. Die Favoriten an der Spitze – Magnus Carlsen, Ian Nepomniachtchi, Nodirbek Abdusattorov und Hans Niemann – hielten sich schadlos und gewannen ihre Partien souverän.
Nepomniachtchi spielte seine Partie gegen den erfahrenen Niederländer Loek van Wely nahezu im Blitztempo herunter.
Besonders spektakulär verlief die Partie von Vincent Keymer gegen Georg Meier.
Lange Zeit deutete alles auf ein Remis hin. Meier, selbst viele Jahre Nationalspieler, hatte die Stellung unter Kontrolle und schien das Unentschieden sicher zu verwalten. Keymer hingegen spielte die letzten rund 30 Züge nur noch vom Inkrement – seine Bedenkzeit war nahezu aufgebraucht.
Im Livestream sagte sein Trainer Peter Leko: „Ich mache mir große Sorgen.“ Doch dann kippte die Partie: Mit 62. Ld8 drang Keymer in die Stellung ein. Wenig später bewahrheitete sich der alte Spruch: Der vorletzte Fehler gewinnt.
Nach 70. … Kh6?? fand Keymer ein Matt in vier und entschied die dramatische Zeitnotpartie für sich.
Klassisches A-Open
Auch im klassischen A-Open gab es in Runde 2 Überraschungen.
Der topgesetzte Ukrainer Pavel Eljanov kam gegen seinen Landsmann FM Stepan Mohylnyi (2193 Elo) nicht über ein Remis hinaus.
Der an Nummer zwei gesetzte Ex-Europameister Aleksandar Indjic verlor sogar gegen den Schweizer Fabian Frey (2227 Elo).
Nach drei Runden stehen noch 46 Spieler mit makellosen 3 aus 3 Punkten da.
Begegnungen neben dem Brett
Das grenke Chess Festival lebt nicht nur von den Partien – sondern vor allem von den Begegnungen.
Um 18 Uhr sorgte The Big Greek am Chess Tigers Stand für großen Andrang und kam mit zahlreichen Teilnehmern ins Gespräch.
Doch auch darüber hinaus nahmen sich viele Spitzenspieler Zeit für ihre Fans. Ob Hans Niemann, Magnus Carlsen oder Ian Nepomniachtchi – sie alle waren mittendrin, gaben Autogramme, machten Selfies und suchten den Austausch.
Weltklasse wird hier nicht nur gespielt, sondern erlebbar gemacht.
Fazit
Die Runden 2 und 3 zeigen einmal mehr, was das grenke Schachfestival auszeichnet: Nähe und Weltelite. Spannung und Gemeinschaft.
Oder, wie es im Eröffnungssong heißt:
Zusammen. ♟️
Fotos: Ivica Müller