Schachspieler können professionell Turniere anbieten, aber systematisch Sponsoren gewinnen, das ist nichts für Amateure. Deswegen finde ich den Schritt des DSB mit dem Vermarkter Chess Media Group super. Ich habe Tobias Eismann vier Fragen gestellt, jetzt bin ich noch überzeugter!
1) Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Gern! Tobias Eismann, Geschäftsführer der Chess Media Group in Osnabrück, mitten im 50. Lebensjahr, zu Hause im niedersächsischen Melle bei Osnabrück. Ich baue seit 1999 Geschäftsmodelle und habe in dieser Zeit u. a. rund 200 Vereine und Verbände vermarktet – vom FC St. Pauli bis in die Basketball- und Handball-Bundesliga. Dazu habe ich etliche Startups gebaut und begleitet, als Unternehmer, Business Angel, Gründungspartner, Sparringspartner. Zwischendurch war ich Aufsichtsratsvorsitzender beim VfL Osnabrück, kenne also auch ein Stück Vereins- und Verbandsarbeit von innen. Und ich bin selbst Schachspieler: als Jugendlicher im Verein groß geworden, dort auch schon immer gern Schachturniere organisiert, Elo 2100 hart erkämpft – dann kam das Berufs- und Familienleben dazwischen, und nach über zwanzig Jahren Pause sitze ich seit rund zwei Jahren wieder am Brett. Insofern bin ich wohl selbst ein Stück von diesem Boom, über den alle reden.
2) Was lieben Sie an Schach?
Die Stille. Ich kenne kein anderes Umfeld, in dem ein Saal mit tausend Menschen so leise ist, dass man das eigene Herz hört. Dazu die Ehrlichkeit des Spiels: keine Ausreden, kein Schiedsrichterpech, kein Wetterglück – am Brett bist du für alles selbst verantwortlich. Und Schach verbindet wie kein zweiter Sport: Am selben Turniertag spielen die Zwölfjährige und der Achtzigjährige unter einem Dach. Dazu diese unglaubliche Breite – rund 3,5 Millionen Menschen in Deutschland spielen jede Woche auf digitalen Plattformen: Kids, Mädels, Jungs, Seniorinnen und Senioren, Breitensport und Spitzensport, am Brett und digital. Wo gibt es das sonst?
3) Chess Media übernimmt Vermarktung beim DSB! Wie kann man sich das vorstellen?
Ganz unaufgeregt: Der DSB bleibt Herr seiner Bühnen – wir sorgen dafür, dass Unternehmen sie endlich finden. Die Chess Media Group bündelt alle Sponsoring-, Werbe- und Medienrechte des Verbands – von den Nationalmannschaften bis zum Schulschach – und entwickelt daraus Partnerschaften mit Unternehmen oder anderen Organisationen – immer konsequent an den Zielen der jeweiligen Marke ausgerichtet. Wichtig ist mir dabei ein Punkt: Unsere Vergütung ist rein erfolgsabhängig. Wir verdienen ausschließlich an Geld, das wir neu für den Schachbund einwerben. Was der Schachsport davon hat? Mehr Mittel für Jugend, Frauen, Breite, Senioren, Inklusion und natürlich auch Spitze. Und 2027, zum 150. Geburtstag des DSB, wollen wir zeigen: Deutschland spielt Schach.
4) Vom Großen ins Kleine! Wie können Vereine ihre Vermarktung verbessern?
Da widerspreche ich Ihren einleitenden Worten zum Interview herzlich: Amateure haben sehr wohl eine Chance! Ihr Herzblut ist sogar ihr größter Vorteil, denn Authentizität kann keine Agentur und kein Vermarkter der Welt einfach so kaufen. Konkret rate ich zu fünf Dingen: Erstens lokal denken, denn Sparkasse, Stadtwerke, das Autohaus um die Ecke kaufen keine Reichweite, sondern Nachbarschaft und Sinn. Zweitens keine Logos verkaufen, sondern Geschichten: „Ermöglichen Sie zwanzig Kindern ein Jahr Schachtraining“ schlägt jedes Banner im Spiellokal. Drittens klein und klar anbieten – ein Paket für 500 bis 2.000 Euro im Jahr mit festen Gegenleistungen: Turniername, Vereinsseite, Polo-Shirt, Foto mit der Lokalzeitung. Viertens Anlässe schaffen, denn Sponsoren wollen Momente: Stadtmeisterschaft, Schulturnier, Simultan in der Fußgängerzone oder ein Schnuppertag für Kinder. Und fünftens: unbedingt eine Person im Verein benennen, die das Thema besitzt. Verantwortung schlägt Zufall – das gilt in der Bundesliga wie in der Kreisklasse.