Unser Topmann Vincent. Photo: DSB.
Stand: Samstag, 19. September 2026, vor Runde 4
Rahmenbedingungen
Gespielt wird über elf Runden im Schweizer System, mit rund 2.000 Teilnehmenden aus über 200 Nationen. Es ist die größte Schacholympiade der Geschichte. Der Ruhetag liegt nach Runde 6 am 22. September, die Schlussrunde beginnt am 27. September um 8 Uhr MESZ.
Die Organisation war nicht perfekt, denn am Anreisetag mussten ausgerechnet die Inder wegen einer Organisationspanne hektisch nach einer Unterkunft für ihre beiden Teams suchen. Und dies war nicht die einzige Panne wie zu vernehmen war. Sogar die FIDE hat sich für die Panne entschuldigt!
Die deutschen Männer gingen mit einem Elo-Schnitt von 2677 als Nummer fünf der Setzliste ins Turnier, hinter den USA, Titelverteidiger Indien, Gastgeber Usbekistan und China. Die Frauen starteten als Nummer zehn. Die Bundestrainer sind Jan Gustafsson bei den Männern und Zahar Efimenko bei den Frauen. Sportdirektor Kevin Högy leitet die Delegation.
Männer solide unterwegs
Das Männerteam besteht aus GM Vincent Keymer, GM Matthias Blübaum, GM Frederik Svane, GM Alexander Donchenko und GM Rasmus Svane. Käptn Gustafsson rotiert konsequent.
Runde 1: (4:0 gegen die Färöer): Keymer pausierte. Blübaum, Frederik Svane, Donchenko und Rasmus Svane gewannen alle ihre Partien. Gustafsson sagte laut DSB sinngemäß, mehr als 4:0 sei nicht möglich.
Runde 2: (3,5:0,5 gegen Usbekistan 3): Keymer gewann gegen Saydaliev, Frederik Svane gegen Bakhrillaev und Donchenko gegen Rakhmatullaev. Nur Rasmus Svane kam über ein Remis nicht hinaus.
Runde 3: (2,5:1,5 gegen Usbekistan 2): Das war der bisher schwerste Kampf. Der Gegner hatte fünf Großmeister und einen Elo-Schnitt von 2532. Keymer gewann am ersten Brett gegen Vakhidov, Blübaum sowie Frederik und Rasmus Svane remisierten. Donchenko setzte in dieser Runde aus. Runde 3 war dem Team bei den beiden vorangegangenen Olympiaden jeweils zum Stolperstein geworden. Keymer war mit den ersten drei Runden zufrieden. Er schränkte aber ein, dass ein späteres Duell mit dem topgesetzten Usbekistan 1 ganz anders aussehen würde. Dort sähe er die Gastgeber als Favoriten.

Beste Spieler aktuell: Vincent und Alexander! Insgesamt sind das 10 Punkte aus 12 Partien bei bisher keinem Verlust.
Frauen: Pähtz und Wagner am Spitzenbrett
Das Frauenteam besteht aus GM Elisabeth Pähtz (Elo 2404), IM Dinara Wagner (2399), WGM Hanna Marie Klek, WGM Jana Schneider und FM Lara Schulze. Pähtz und Wagner teilen sich bisher quasi das erste Brett.
Runde 1: (3:1 gegen Malta): Pähtz setzte planmäßig aus, der Sieg fiel knapper aus, als sie vor der Runde erhofft hatte. Klek und Wagner remisierten. Schulze holte den ersten Brettpunkt für die deutschen Teams. Schneider gewann ebenfalls.
Runde 2: (4:0 gegen Irland): Wagner pausierte. Pähtz kehrte nach langer Turnierpause ans Spitzenbrett zurück. Die Angaben zur Dauer weichen ab: Ein Bericht nennt fünf Monate Babypause seit der letzten Partie am 19. April, der DSB spricht von fast einem Jahr ohne Turnierpartie. Pähtz gewann gegen Kanyamarala, und auch Klek, Schneider und Schulze siegten.
Runde 3: (2,5:1,5 gegen Belarus): Pähtz gewann gegen Tarasenka und rettete damit den Matchsieg. Klek, Schneider und Schulze remisierten.
Insgesamt sind das 9,5 Punkte aus 12 Partien, ohne Niederlage.

Spannend; Spitzenbrett Dinara pausiert zwei Mal hintereinander?! Das ist ungewöhnlich. Hat sie etwa das Gefühl, nicht in Form, zu sein? Das wollen wir nicht hoffen. Beste Spielerin nach Performance wie so oft: Super-Routinier Elisabeth!! Keine kommt auch nur annähernd auf so viele Einsätze in der Nationalmannschaft wie sie.
Spitzenplatzierungen nach Runde 3
Die Tabellen zeigen die Feinwertung (Sonneborn-Berger). Nach nur drei Runden sagt sie wenig über die tatsächliche Stärke aus. Im Open haben 21 Teams die volle Punktzahl von 6 Mannschaftspunkten. Bei den Frauen sind es 20.
Open (Männer)
| Platz | Team | MP | Brettpunkte |
| 1 | Rumänien | 6 | 11,5 |
| 2 | Frankreich, Polen | 6 | 11 |
| 4 | Usbekistan 1, China | 6 | 10,5 |
| 6 | Spanien | 6 | 10 |
| 7 | Deutschland, Aserbaidschan, Armenien, Tschechien, Israel | 6 | 10 |
| 12 | Ukraine | 6 | 9,5 |
| 13 | USA | 6 | 8,5 |
| 19 | Indien | 6 | 8,5 |
Indien hatte ganz schön gepatzt, und kann mit dem 19. Platz keinesfalls zufrieden sein.
Frauenturnier
| Platz | Team | MP | Brettpunkte |
| 1 | USA, Rumänien | 6 | 11,5 |
| 3 | Indien, Polen, Usbekistan 1, Vietnam, Israel | 6 | 11 |
| 8 | Armenien | 6 | 10,5 |
| 9 | Kasachstan, China, Aserbaidschan, Serbien, Argentinien | 6 | 10,5 |
| 14 | Deutschland | 6 | 9,5 |
Quellen: chess-results.com, Stand nach Runde 3, Sortierung nach Feinwertung.
Platz 14 – da ist noch Luft nach oben!
Einordnung und Ausblick
Beide deutschen Teams haben die ersten drei Runden ohne Niederlage überstanden, mit sechs Mannschaftspunkten. Die Männer liegen mit zehn Brettpunkten im Soll. Keymer gewann beide Partien, und dahinter tragen Donchenko und die Brüder Svane die Mannschaft solide. Die Frauen zeigen sich in der Breite stabil. Schneider und Schulze liefern zuverlässig, und Pähtz hat den Wiedereinstieg mit zwei Siegen geschafft. Bei Wagner lässt sich nach nur einer Partie noch nichts sagen.
Die deutschen Erfolge sind bisher gegen Gegner erzielt worden, die nominell schwächer waren. In Runde 4 wird es ernster. Die Männer treffen auf Polen, die Frauen auf Israel. Beide Gegner haben bisher ebenfalls 6 Mannschaftspunkte. Bei den anderen Titelfavoriten gab es bisher nur vereinzelt Rückschläge.