In der interessanten Episode 454 des Perpetual Chess Podcast ist Stjepan Tomic zu Gast und spricht über die aus seiner Sicht besten englischsprachigen Schachbücher für jedes Level. Hier die Zusammenfassung von sally.io des Interviews.
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Im Gespräch stand das neue Projekt Chessreads.com im Mittelpunkt: Stjepan Simic erklärte, dass die Plattform aus seiner langjährigen Idee entstanden sei, Schachbücher systematisch zu sammeln, zu bewerten und nach Rating, Stärken/Schwächen und Eröffnungen zu empfehlen. Ziel sei es, Schachlernenden eine zentrale Anlaufstelle für Buchrezensionen und Empfehlungen zu bieten, ergänzt um YouTube- und Discord-Angebote sowie künftig auch Nutzerrezensionen.
Ein großer Teil des Gesprächs drehte sich um die Frage, wie sinnvoll Schachbücher im Vergleich zu digitalen Kursen sind. Beide waren sich einig, dass Bücher und Online-Ressourcen grundsätzlich ähnlich wirksam sein können und die Wahl stark von der persönlichen Präferenz abhängt. Als Vorteil von Büchern wurde hervorgehoben, dass das Arbeiten mit einem Brett, das Aufbauen von Stellungen und das haptische Lernen die Merkfähigkeit und das Verständnis fördern können. Gleichzeitig wurde betont, dass der eigentliche Fortschritt vor allem von der eigenen Arbeit abhängt und man auch mit vielen Büchern ohne echte Verbesserung bleiben kann.
Zur Frage „alte Klassiker oder moderne Bücher?“ wurde festgehalten, dass Engine-gestützte Bücher zwar oft präziser sind, aber ältere Klassiker weiterhin wertvoll bleiben, weil sie zeigen, wie starke Spieler tatsächlich gedacht haben. Wichtig sei vor allem die Lesbarkeit: Gute Bücher erklären Ideen verständlich in Worten und nicht nur über Varianten. Ben Johnson ergänzte, dass moderne Bücher insgesamt oft besser geworden seien, während reine Engine-Abschriften wenig Mehrwert böten.
Anschließend wurden Bücher nach Ratingbereichen empfohlen:
- Unter 1000:
- Chess Pattern Recognition for Beginners
- 1001 Chess Endgame Exercises for Beginners
- Everyone’s First Chess Workbook
Ben betonte zusätzlich, dass in diesem Bereich oft Partien spielen und analysieren wichtiger sei als viel Theorie.
- 1000–1200:
- Winning Chess‑Reihe von Yasser Seirawan
- Instructive Chess Miniatures
Diese Bücher wurden als sehr zugänglich und motivierend beschrieben.
- 1200–1400:
- Silman’s Complete Endgame Course
- Learn Chess Tactics
- Understanding Chess Middlegames
- Lessons with a Grandmaster
- My Best Games von Smyslov und Alekhine
- Capablanca’s Best Endings
Hier wurde betont, dass man die Grundlagen der Endspiele und erste tiefere strategische Konzepte festigen sollte.
- 1400–1600:
- Pump Up Your Rating
- Life and Games of Mikhail Tal
- Fire on Board
Stjepen bevorzugte hier eher andere Werke als Pump Up Your Rating und empfahl stärker Bücher, die Angriff, Muster und Denkweise vermitteln.
- 1600–1800:
- Chess Tactics from Scratch
- Exchange Sacrifice According to Tigran Petrosian
- Chess Structures
- Amateur to IM
Diese Bücher wurden als besonders nützlich für das Verständnis von Taktik, Bauernstrukturen und eigenständiger Verbesserung hervorgehoben.
- 1800–2000:
- Think Like a Super GM
- GM Preparation‑Reihe
- Secrets of Chess Endgame Strategy
- Learn from the Legends
Hier ging es stärker um Denkprozesse, Vorbereitung und fortgeschrittene strategische Konzepte.
- Über 2000:
- Positional Decision Making in Chess
- Supreme Chess Understanding
- Lessons on Uncompromising Play
- Technique in Chess
Diese Titel wurden als sehr stark, aber auch anspruchsvoll beschrieben; sie eignen sich besonders für Spieler, die bereits auf hohem Niveau arbeiten.
Zum Abschluss sprach Stjepan über seine eigene Schachentwicklung. Er berichtete von einer schwierigen Phase mit familiären Problemen, aber auch von einem mentalen Wendepunkt: Nach einem schlechten Turnier habe er erstmals nicht aufgegeben und sei stabiler mit Rückschlägen umgegangen. Er trainiere wieder regelmäßig und bereite sich auf kommende Mannschafts- und Turniertermine vor, darunter ein wichtiges Ligaspiel in etwa 10 Tagen sowie später das Weihnachtsturnier in Krakau.
Außerdem wurde über die kroatische Schachszene und die starke Leistung Kroatiens in anderen Sportarten gesprochen. Stjepen meinte, dass Kroatien zwar eine reiche Schachtradition aus der sozialistischen Vergangenheit habe, aber im Vergleich zu einigen Nachbarländern heute nicht mehr ganz so stark sei. Ben und Stjepen diskutierten auch kurz über Rating-Entwicklung und Rating-Decay im internationalen Schach, insbesondere im Zusammenhang mit der Kandidatenqualifikation.
Zum Schluss kündigte Stjepen an, dass auf Chessreads künftig verifizierte und anonyme Nutzerrezensionen möglich sein sollen. Ben erwähnte außerdem, dass sein Buch Perpetual Chess Improvement inzwischen auch auf Audible verfügbar ist.