Nachfolgend die Zusammenfassung eines Interviews mit ihm von gestern.
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Zusammenfassung
Jan Henric Buettner erläuterte, warum er für das FIDE-Präsidentenamt kandidiert: Er sei ursprünglich nicht auf eine politische Rolle aus gewesen, sei aber nach Gesprächen mit Schachspielern und aufgrund seiner Geschäftserfahrung überzeugt worden, dass er FIDE mit einem unternehmerischen Ansatz neu aufstellen könne. Er sieht die Wahlphase als 90-tägigen Sprint, das Amt selbst aber als vier- bis achtjährige Verpflichtung.
Ein zentraler Punkt war die Entwicklung von Freestyle Chess. Buettner erklärte, dass das ursprüngliche Geschäftsmodell, das stark auf Magnus Carlsen als exklusiven Zugpferd-Faktor setzte, nicht tragfähig gewesen sei, weil Carlsen sich nicht dauerhaft an das Projekt binden wollte. Deshalb sei Freestyle Chess inzwischen in eine neue Unternehmensstruktur überführt worden, mit anderen Verantwortlichen und einem neuen Fokus auf Lernsoftware und Subscription-Geschäft. Seine Rolle dort sei nur noch passiv; er halte lediglich eine Minderheitsbeteiligung.
Zur Frage möglicher Interessenkonflikte sagte Buettner, dass er im Wahlformular seine Beteiligungen offengelegt habe und derzeit keinen relevanten Konflikt sehe. Falls es künftig Geschäftsbeziehungen zwischen FIDE und Freestyle Chess gebe, müsse das selbstverständlich transparent behandelt werden. Auf die Frage nach der Freestyle-Weltmeisterschaft 2027 erklärte er, dass dies ein FIDE-Turnier sei, bei dem FIDE Geld von Freestyle erhalte, und dass er selbst daran aktuell nicht beteiligt sei.
Inhaltlich stellte Buettner seine Vision für FIDE vor: Die Organisation solle transparenter, professioneller und finanziell nachhaltiger werden. Er will die 203 nationalen Verbände stärker als „Shareholder“ verstehen und ihnen 20 % der FIDE-Einnahmen zugutekommen lassen, damit sie planbarer arbeiten können. Ein Schwerpunkt sei dabei, alle Einnahmen und Ausgaben öffentlich nachvollziehbar zu machen. Er betonte, dass er zunächst die tatsächliche Datenlage verstehen müsse, bevor konkrete Verbesserungen festgelegt werden.
Zur Zukunft des Schachs sagte Buettner, dass klassisches Schach die „Krone“ des Sports bleiben solle. Gleichzeitig wolle er Rapid, Blitz und auch Freestyle als ergänzende Formate fördern, um neue Zielgruppen zu erreichen. Er stellte klar, dass er Freestyle nicht zum neuen Standard machen wolle, sondern das gesamte Schachökosystem erweitern möchte.
Beim Thema Russland und Belarus vertrat Buettner eine möglichst neutrale Linie: FIDE solle keine politische Rolle spielen, sondern sich an internationale Regeln, Gerichtsurteile und Verbandsvorgaben halten. Er wolle keine politischen Positionen instrumentalisieren lassen und im Zweifel Entscheidungen im Interesse der Spieler treffen, ohne selbst politische Konflikte zu verschärfen.
Zu seinen Wahlchancen zeigte sich Buettner optimistisch, betonte aber, dass das Ergebnis offen sei. Er sprach von einer fairen, geheimen Wahl und kritisierte mangelnde Transparenz im Umfeld des Wahlprozesses. Nach eigenen Angaben habe er bereits mit rund 120 der 203 Verbände gesprochen und dort überwiegend positive Rückmeldungen erhalten, rechne aber mit einem offenen Ausgang.
Themen
Freestyle-Geschäftsmodell: Jan Henric Buettner fasst Finanzierung und aktuellen Status des Freestyle-Projekts zusammen.
• Jan Henric Buettner stellte zu Beginn klar, dass das ursprüngliche Geschäftsmodell von Freestyle nicht tragfähig war und dass er für den Freestyle‑Teil $27,5 Millionen aufgebracht habe.
• Er beschreibt, dass die Idee ursprünglich um die Exklusivität eines Topspielers (Magnus Carlsen) aufgebaut war; ohne diese Exklusivität entfällt die Wertschöpfung für Sponsoren.
• Aktueller Status: Veranstaltungen werden fortgeführt, das Projekt wurde aber technisch/strategisch verkleinert und zugunsten von neuen Geschäftsmodellen (Lernsoftware, Abo‑Modelle) umstrukturiert.
• Wichtiger Punkt: Jan betont, er sei weiterhin Anteilseigner, nun jedoch eher als passiver Investor; operative Leitung und Neuausrichtung lägen bei Dritten (siehe separater Punkt zur Management‑Übergabe).
Kandidatur & Motivation: Gründe für die Bewerbung und Kampagnenansatz (Listening-Tour, Geschäftslogik).
• Auf Nachfrage erklärt Jan, dass die Entscheidung, für das Präsidentenamt von FIDE zu kandidieren, relativ plötzlich und persönlich motiviert war (Erwähnung eines Anstoßes während eines Aufenthalts in Monaco).
• Er sieht seine Rolle als Unternehmer, der die aus seiner Sicht fehlende Business‑Logik und Professionalität bei FIDE einbringen möchte.
• Kampagnenform: Jan bezeichnet die Wahlphase als 90 Tage langen Sprint; gleichzeitig betont er, dass ein Präsidentschaftsmandat langfristig eine vier‑ bis achtjährige Verpflichtung wäre.
• Vorgehen: Er führt persönliche Gespräche mit den Delegierten/Föderationen (Einzelgespräche, Video/Telefon), aktuell Besuche von rund einem Drittel der Föderationen; Ziel ist Zuhören und Programmentwicklung basierend auf konkreten Bedürfnissen.
Interessenkonflikt / Deklaration: Besitzverhältnisse und eingereichte Angaben zur Wahlakte.
• Der Moderator fragte explizit nach möglichen Interessenkonflikten wegen Jans verbleibender Beteiligung an Freestyle.
• Jan antwortet, dass er das Beteiligungsverhältnis offengelegt habe (Formularausfüllung) und aktuell keine operative Rolle mehr ausübe; er bewertet das Konfliktrisiko als gering.
• Er erkennt an, dass FIDE Zahlungen von Freestyle (z. B. zur Bezeichnung eines Turniers als „FIDE World Championship“) erhält, betont jedoch, dass jede relevante geschäftliche Beziehung „offen und über Bord“ gehandhabt und – falls nötig – gesondert offengelegt würde.
• Fazit: Stand heute passive Beteiligung, formale Offenlegung erfolgt, konkrete Maßnahmen würden ergriffen, falls ein tatsächlicher Interessenkonflikt vorläge.
Gründe für Rückstufung des Tour-Konzepts: Analyse, warum die geplante Turnierserie nicht fortgeführt wurde.
• Auf Nachfrage erklärt Jan ausführlich, warum die angestrebte, mehrtägige Tour nicht nachhaltig war: das ursprüngliche Modell beruhte auf der Exklusivität eines Weltklasse‑Spielers; als diese Exklusivität entfiel, ging der kommerzielle Hebel für Sponsoren verloren.
• Operative und Produktionskosten wurden als hoch beschrieben (Beispiel: Großproduktionen wie Las Vegas können ~$5 Millionen kosten), wodurch ein Serienmodell ohne starke Exklusivrechte nicht finanziert werden konnte.
• Konsequenz: Das Freestyle‑Projekt wurde in Richtung eines einmal jährlich stattfindenden großen Events (teilweise subventioniert durch Jans Resort Weissenhaus) plus neuer Fokus auf Lern‑/Abo‑Modelle umgewandelt.
• Ergebnis: Strategische Neuausrichtung, neue Investoren und ein neues Gesellschafts‑/Konzern‑Setup; Jan ist mehrheitlich in einer passiven Rolle verbleibender Anteilseigner.
Beziehung zu Magnus Carlsen: Persönlichkeit, Kommunikationsstand und Rückholoptionen.
• Jan bestätigt, dass er Magnus Carlsen über die Kandidatur informiert hat; Magnus‘ Reaktion war neutral/interessiert, aber nicht verpflichtend.
• Jan beschreibt die Beziehung als persönlich und geschäftlich intakt; er betont, dass Magnus’ Interessen sich geändert hätten (er wolle wieder an verschiedenen Events teilnehmen), weshalb die anfängliche Exklusivstrategie nicht durchsetzbar war.
• Politik gegenüber Magnus: Jan sagt, er werde keinen Wahlkampf mit dem Versprechen führen, Magnus „zurückzuholen“, sieht aber Möglichkeiten, durch transparente Strukturen und klarere Turnierformate Spieler wie Magnus wieder stärker in offizielle Kreisläufe zu integrieren und würde entsprechende Vorschläge ggf. mit ihm besprechen.
Programm / Manifesto & Einnahmenmodell: Konzept, Transparenz und Verteilung an Föderationen.
• Jan erläutert, dass er eine kurze, öffentlich lesbare Zusammenfassung veröffentlicht hat und gemeinsam mit Malcolm Pein ein detailliertes Manifest (geplant 15–20 Seiten) ausarbeitet.
• Kernforderung: mehr Finanz‑ und Prozess‑Transparenz bei FIDE (offene Darstellung von Einnahmen und Ausgaben).
• Monetäre Idee: die 203 Föderationen (Stakeholder) sollen planbare Einnahmen erhalten; explizit spricht Jan davon, die Föderationen anteilig zu beteiligen (20% der Erlöse als Beispiel/Thesenvorschlag), damit sie Planungssicherheit für nationale Entwicklung, Schulprogramme, Reisekosten u. ä. haben.
• Sponsorstrategie: Transparenz und klare Accountability sollen westliche Sponsoren anziehen; konkrete Maßnahmen werden auf Datenbasis und nach genauer Prüfung der Ist‑Zahlen geplant.
Zukunft des klassischen Schachs: Stellung von Klassik, Rapid/Blitz und neuen Formaten.
• Jan bezeichnet das klassische Schach als das „Kronjuwel“ von FIDE und will dessen Stellung erhalten und stärken.
• Gleichzeitig will er andere Formate (Blitz, Rapid, Online, Freestyle) als ergänzende Wachstumsbereiche nutzen, um neue Zielgruppen zu erreichen, ohne das klassische Format zu verdrängen.
• Sein Ansatz: bessere Strukturierung der Turnierszene, mehr Transparenz bei Qualifikationswegen und Sichtbarkeit der Wettbewerbsformate, damit sowohl traditionelle Fans als auch neue Zuschauer klar verstehen, welches Format welchen Stellenwert hat.
Russland/Belarus & politische Neutralität: Grundposition zu Sanktionen und Teilnahmefragen.
• Auf konkrete Fragen zur Behandlung russischer/belarussischer Spieler und zu öffentlichen Äußerungen seines Running‑Mates antwortet Jan, dass er und Malcolm Pein eine gemeinsame Position der politischen Neutralität einnehmen.
• Grundprinzip: FIDE soll sich nicht als politisches Akteur benutzen lassen; Entscheidungen sollen jedoch mit Beachtung internationalen Rechts und bestehender Gerichts‑/IOC‑Entscheidungen getroffen werden.
• Jan betont, dass er die Interessen der Spieler unabhängig von Nationalität vertreten werde und konkrete Maßnahmen nur dann ergreifen werde, wenn sie rechtlich und sportlich auf der Tagesordnung stehen; er will das Thema pragmatisch im Sinne der Spieler lösen.
Wahlchancen & Wahlfairness: Einschätzung, Forderung nach fairen Bedingungen und aktueller Stand.
• Jan beschreibt sich als grundsätzlich optimistisch; er betont, er sei nicht sicher der Gewinner, arbeite aber aktiv an Stimmen‑gewinn (hat rund 120 der 203 Föderationen direkt kontaktiert).
• Forderung: Die Wahl müsse geheim, fair und ohne Bevorzugung eines Kandidaten durch FIDE‑Ressourcen stattfinden; Jan hat eine öffentliche Stellungnahme zur Neutralität und Fairness der Wahl veröffentlicht.
• Szenarien: Er sieht verschiedene mögliche Ausgänge (z. B. ~50 Stimmen oder über 100 Stimmen) und spricht von Unsicherheiten, weil Zusagen in Gesprächen nicht zwingend das Abstimmungsverhalten widerspiegeln.
• Abschluss: Er fordert vollständigen Zugang aller Delegierten zu Kandidateninformationen und Programmen, damit die Wahlentscheidung frei und informiert getroffen werden kann.