Die australische Schach-Streamerin Hanna Sayce aus Melbourne begann während der Pandemie mit dem Schachspiel und steigerte sich rasch – von einer Anfangs-Wertung von 1000 bis zu einer Online-Blitz-Elo von 2300. Sie wechselte auch zu klassischen Turnieren am Brett, reiste zu offenen Turnieren in Europa und Asien und baute sich über Twitch-Streams eine große Fangemeinde auf, die ihr auch Sponsoren einbrachte.
Ab April 2024 wurde sie jedoch Opfer eines Stalkers: Shumsheer Singh Ghumman, ein 47-jähriger Café-Betreiber, sammelte Informationen über sie und ihr Umfeld, bedrohte sie und drohte, KI-gestützt weitere Daten gegen sie zu verwenden. Eine einstweilige Verfügung im März 2025 hielt ihn nicht ab. Als er von ihren Reiseplänen erfuhr, meldete er den Behörden in Katar fälschlich, sie schmuggle Drogen in Schachfiguren – Hanna Sayce wurde bei der Einreise verhaftet. Dasselbe passierte ihr beim Reykjavik Open in Island.
Am 1. Mai 2026 wurde der Stalker schließlich in Melbourne festgenommen; am 23. Mai kam der Fall mit 35 Anklagepunkten vor Gericht. Dabei kam heraus, dass er bereits zuvor wegen eines noch schwereren Falls (Brandstiftung und versuchten Mordes an einer anderen Stalking-Betroffenen) verurteilt worden war – ursprünglich zu neun Jahren Haft, im Berufungsverfahren auf vier Jahre reduziert. Ein Antrag auf Kaution wurde abgelehnt, da er weiterhin als Gefahr für Sayce gilt; die Verhandlung wird im Oktober fortgesetzt.
Sayce zeigte sich erleichtert, dass die Geschichte öffentlich wurde, nachdem Medien über die Gerichtsverhandlung berichtet hatten, und bezeichnete die Verhaftung in Katar als sehr beängstigend. Kürzlich trat sie zudem bei Judit Polgars „Global Chess Festival“ in einem Uhrensimultan gegen die ungarische Schachlegende an, live gestreamt auf Twitch.
Im Vorfeld des grenke Schachfestivals hatte ich Kontakt mit Hannah Sayce. Sie war dort Schachstreamerin und hatte sich im Vorfeld gemeldet, weil sie eine pünktliche Anreise nicht garantieren konnte. Ich sagte ihr, dass sie sich nicht beeilen muss und in der ersten Runde ein Bye nehmen kann und dafür einen halben Punkt bekommt. Das stellte sich im Nachhinein als falsch heraus, denn zu meiner Überraschung gab es für ein Bye keinen halben Punkt, sondern Null. Ich musste ihr das mitteilen, dass ich mich geirrt hatte, und sie war überhaupt nicht sauer, sondern nahm meine Entschuldigung an, nahm es locker und hatte im Anschluss daran noch eine großartige Zeit gemeinsam mit den anderen Streamern.