Legenden des Schachs, Jussupow und Hensel. Quelle: Internet
Heute Mittag war, es so weit: der Postbote klingelte, und brachte dem freudestrahlenden Kunden das neue Buch „Die Legenden des Schachs“ von Artur Jussupow und Carsten Hensel.
Zunächst etwas Statistik: erschienen ist es im Eigenverlag (Jussupow Schachakademie Verlag), den Satz und das Layout hat Nadja Jussupow übernommen, das Lektorat Harry Schaack, und der Druck erfolgte über den Verlag Steinmeier. Es hat 784 Seiten, und kostet gebunden 77 Euro, sicher ein fairer Preis.
Das erste was mir auffiel, als ich das Buch durchblätterte, war das hochwertige Papier und das überaus ansprechende Layout. Ich wunderte mich etwas, denn Nadja ist doch kein Layout-Profi, aber das hat sie wirklich hervorragend gemacht!
Wie ist das Buch nun aufgebaut? Es enthält 64 Portraits legendärer Schachspieler aus drei Jahrhunderten, beginnend mit Philidor (dem inoffiziellen ersten Weltmeister der Schachgeschichte) und endend mit Gukesh, dem aktuellen Weltmeister.
Wichtig ist dabei, dass nicht nur Partien präsentiert werden, sondern jeder Schachmeister biographisch auf bis zu 10 Seiten gewürdigt wird. Man kann es auch so rechnen: abzüglich der Anhänge kommen wir auf 744 Seiten, das ergibt bei 64 Portraits ungefähr 11 Seiten pro Kapitel.
Jeder Spieler wird mit einem einleitenden Photo vorgestellt. Wenn ich mir noch eins hätte wünschen dürfen, dann etwas mehr historische Photos, aber das ging sich wohl nicht aus.
Ganz wichtig sind mir immer ausreichend Diagramme, denn diese erhöhen das Lesevergnügen, und genau die sind auch ausreichend vorhanden.
Der Text ist übrigens oft ziemlich plakativ oder drastisch gehalten, und verzichtet auf Beschönigungen, zum Beispiel wenn angemerkt wird, dass Reshevsky in seiner Kindheit „wie ein Zirkuspferd“ vorgeführt wurde. Es gibt viele weitere Beispiele: Najdorf wurde um die WM-Chance „betrogen“, und zwar von „korrupten Funktionären“.
Als größter Schachspieler aller Zeiten (GOAT) wird übrigens Garri Kasparov bezeichnet (Seite 439) mit dem Zusatz; weder ein Lasker noch ein Carlsen und auch kein Fischer oder Capablanca reichen an ihn heran.
Im Anhang finden sich die für das Buch entwickelten Legend Scores in den Kategorien Overall, Spielstärke, Sportliche Erfolge, Talent, Kognitive Fähigkeiten, Charaktereigenschaften, Beiträge zur Spielentwicklung, Popularisierung des Schachs, Handicap der frühen Geburt, also ein ganz ausgefeiltes System.
Dazu kommt noch das Partieverzeichnis, der Überblick über die WM-Kämpfe und weitere Anhänge.
Übrigens werden auch die besten Frauen nicht ausgespart: so werden folgende Spielerinnen portraitiert: Nona Gaprindashvili, Maja Tschiburdanidse, Vera Menchik, Xie Jun, Hou Yifan, Ju Wenjun, Zsusza Polgar und Judit Polgar.
Wer eher zu kurz kommt, das sind die starken Sowjets der 50er und 60er Jahre. Denn hier wurden nur Botwinnik, Bronstein, Keres, Smyslov, Tal, Geller, Petrosjan und Spassky aufgenommen. OK, das waren auch die stärksten. Aber bereits ein Awerbach fehlt.
Offensichtlich kann ich dieses gelungene Werk nur empfehlen, vor allem für schachhistorisch Interessierte!
Zu beziehen ist es über den Fachbuchhandel wie zum Beispiel unseren Kooperationspartner die Chess Tigers.