Schach pro und contra. Quelle: Gemini KI
Der folgende Beitrag hebt auf den Nutzen ab, den man bei intensiver Betätigung im Schach erzielt, vernachlässigt aber auch nicht den Preis, den man dafür zahlen muss. Wie immer im Leben, muss eine Abwägung stattfinden, ob die positiven oder negativen Aspekte überwiegen, und natürlich kann und wird die Bilanz von Person zu Person völlig unterschiedlich ausfallen.
Im ersten Schritt habe ich die KI (Claude) befragt, wie ihre Einschätzung ausfällt (um eine Basis zu haben), und dazu persönliche Erfahrungen und Einschätzungen ergänzt. Am Ende wurde es viel mehr eigener Text als KI-Text.
Wo der Nutzen real ist
a) Intrinsische Faktoren
- Selbstdisziplin: Schach ist ein anspruchsvolles Hobby mit klarer Ansage: Man verliert, weil man etwas übersehen hat, und das lässt sich selten schönreden. Das schult Konzentration, Selbstkritik und den Umgang mit Niederlagen.
- An seine Grenzen gehen: Hängt mit dem og. Punkt zusammen. Da Schach komplex ist, und nur durch intensive Beschäftigung gemeistert werden kann, ist es ein ideales Feld, um nach innerer Vervollkommung zu streben. Und wer dies tut, arbeitet über Jahre hart an sich! Und da Schach wettkampfmäßig organisiert ist, sind die Fortschritte auch kontrolliert, das heißt man sieht immer, wo man gerade steht.
- Selbstbewusstsein: Mit dem Erfolg wächst es natürlich. Dieser Effekt wird meines Erachtens oft unterschätzt. Gerade für introvertierte Menschen ist es oft nicht leicht, Erfolge zu erzielen. Doch es gibt den schönen Satz: nichts ist erfolgreicher als der Erfolg! Wenn man Erfolge hat, dann blüht man auf, und oft stellen sich weitere Erfolge fast automatisch ein. So war es bei mir.
- Schach wird nie langweilig! Das ist das eigentlich Faszinierende am Schach: selbst wenn man sich Jahrzehnte damit beschäftigt, es wird nie langweilig. Jede Partie ist anders, jeder Ort an dem man spielt ist anders, und selbst die Schachcomputer können Schach nicht ausanalysieren. Damit hat man die Sicherheit, dass man nicht auf das falsche Pferd setzt, wenn man sich für Schach als Hobby entscheidet.
- Im Alter kann Schach besonders wertvoll sein, weil es eine tragfähige Beschäftigung ist, die sich ohne große Kosten direkt von zu Hause ausüben lässt. Selbst wenn man kaum noch Turniere spielt: die moderne Technik macht es möglich, dass man täglich spielen kann (ungefähr seit dem Jahr 1999, seitdem es Schachserver im Internet gibt).
- Die Gehirnforschung hat gezeigt, dass die Beschäftigung mit Schach ein gutes Mittel ist, um sein Gehirn zu trainieren, und dem geistigen Verfall vorzubeugen (ähnlich wie Kreuzworträtsel und Puzzles).
- Glücksgefühl. Schach ist oft ein Quell der Freude, wenn man Partien gewinnt, aber auch ein sehr schmerzhaftes Erlebnis, wenn man verliert. In keinem anderen Bereich des Lebens sind die emotionalen Ausschläge so hoch, und ist die Amplitude zwischen Glücksgefühl und innerem Schmerz so groß wie hier. Ganz extrem gesagt, ist man nach einer gelungenen Partie wie auf einer Glücksdroge (Endorphine werden ausgeschüttet) und nach einer verlorenen Partie völlig down.
- Sinnhaftigkeit im Leben. Ist Schach sinnhaft? Nach all dem bisher gesagten eindeutig ja! Schach verleiht dem Leben einen ganz eigenen Sinn, den man ohne Schach nicht hätte. Ist meine Erfahrung. Als ich mit 11 Jahren in die Schachwelt eintauchte, stand plötzlich ein großes Ziel vor meinen Augen: ich möchte ein starker Schachspieler werden. Zugegeben, man kann sich auch in vielen anderen Bereichen des Lebens Ziele setzen, es muss nicht Schach sein. Aber Schach ist für bestimmte Menschen, die gerne über etwas grübeln, ein geradezu ideales Ziel.
b) Extrinsische Faktoren
- Soziale Vorteile wie Vereine, Turniere, internationale Kontakte und Freundschaften über Altersgrenzen hinweg, außerdem Freude an Fortschritt und Kreativität.
- Reisen um die Welt. Schach führt an viele Orte, weil es überall Turniere gibt. Ich war sicher schon an über hundert Orten auf der Welt, nur durch meine Schachreisen! OK, wie viel man dann wirklich von diesen Orten sieht, ist die andere Frage.
- Schachgeschichte und Schachkultur: Auch außerhalb des Turnierbetriebs kann Schach eine wertvolle Beschäftigung sein, wenn man sich mit dem Background beschäftigt. Wohl kein anderes Spiel hat in unserer Kultur so viele „footprints“ hinterlassen wie Schach. Allein die Schachliteratur ist doch unglaublich reichhaltig, ich lese bis heute unglaublich gerne Schachbücher aus dem kulturellen Umfeld.
- Transfer in das Berufsleben. Wer gewohnt ist, strategisch zu denken, Pläne zu verfolgen, sich in Entscheidungssituationen zu bewähren, der ist oft ein guter Schachspieler, und kann sich diese Fähigkeiten auch im Beruf zunutze machen, vor allem bei akademischen Tätigkeiten.
- Lebensplanung: geht noch einen Schritt weiter als der Transfer in das Berufsleben. Hier überträgt der Schachspieler seine analytische Kompetenz auf sein eigenes Leben, und plant die wichtigen Stationen ganz bewusst. Zumindest mir ging es so, ich habe immer alles geplant, bei der Berufswahl, bei der Teilzeit, beim Umzug von A nach B, beim Übergang in den Ruhestand (noch ausstehend). Es ist quasi die Partie des Lebens die man spielt, und auch diese will gut geplant sein.
- Geld verdienen: Nicht zuletzt kann man durch Schach auch Geld verdienen, wenn man es gut kann; das begann bei mir schon in der Jugend. Heutzutage ist es allerdings aufgrund gestiegener Konkurrenz sehr schwer geworden, und ich zahle bei Turnieren meistens drauf.
Einschränken muss man dagegen den Mythos vom Intelligenzgewinn. Die Forschung, etwa die Meta-Analysen von Giovanni Sala und Fernand Gobet, findet für Schachtraining zwar Effekte auf schachnahe Fähigkeiten, aber kaum verlässliche Übertragung auf Mathematik, Intelligenz oder andere Bereiche. Der Nutzen liegt eher im Erlebnis, im Sozialen und in der Haltung, die man mitnimmt.
Wo die Nachteile und Gefahren liegen
- Zeitaufwand: Wer ernsthaft besser werden will, braucht viele Stunden für Theorie, Training und Partien. Das geht fast immer zulasten von etwas anderem, etwa Bewegung, Beruf oder Beziehungen.
- Ego und Stimmung: Schach ist ein harte Schule. Wer sich stark über Wertungszahlen definiert, erlebt Niederlagen schnell als persönliche Abwertung.
- Einseitigkeit: Die Verlockung, voll auf Schach zu setzen, ist leider relativ hoch, weil Schach sagen wir mal so, viele Synapsen im Gehirn belegt. Hier muss man aktiv gegensteuern, und auch andere Interessen im Leben entwickeln.
- Berufliche Unsicherheit als Schachprofi: Für Profis ist die Karriere schmal und unsicher. Es gibt wenige lukrative Plätze an der Spitze, und viele Spieler stehen irgendwann mit wenig Alternativen da, meistens werden sie dann Schachtrainer.
- Finanziell sind Schachspieler oft nicht gut gestellt, das ist eine traurige und harte Wahrheit.
- Macht Schach einsam? Eine harte aber wichtige Frage! Ja, Schach kann definitiv einsam machen! Wenn man sich in eine Parallelwelt begibt, und den Kontakt zur realen Welt zunehmend verliert, so wie ein Spielsüchtiger. Wenn man nur noch Schachfreunde hat, und keine anderen Freunde mehr.
Claudes Urteil nach Spielergruppen
- Freizeit- und Vereinsspieler: Der Nutzen überwiegt deutlich, weil die Kosten gering sind.
- Ambitionierte Amateure: Es ist ein Abwägen. Es lohnt sich, solange Schach andere wichtige Dinge ergänzt statt verdrängt.
- Profis und Aspiranten: Hier kann der Nutzen sehr groß sein, nämlich Sinn, Identität und Leistung. Er hängt aber stark davon ab, ob man sich ein zweites Standbein aufbaut. Wer das tut, fährt meist deutlich besser.
Ob die Bilanz bei jemandem positiv ist, erkennt man an zwei Fragen: Kann ich Schach auch mal ein paar Wochen liegen lassen, ohne dass es mir schlecht geht? Und leiden andere Dinge, die mir wichtig sind, merklich darunter? Sind beide Antworten unproblematisch, ist die Bilanz in aller Regel gut.
Claudes abschließende Einschätzung lautet: Für die meisten Menschen überwiegt der Nutzen, aber es hängt stark von der Dosis ab, und bei sehr intensiver Beschäftigung kippt die Bilanz leichter, als man denkt.