Dr. Munzert. Quelle: Internetrecherche
Dr. Reinhard Munzert hat folgenden Text bei uns eingesendet, den wir hiermit veröffentlichen.
„Die ich rief, die Geister werd’ ich nun nicht los“ (Goethe, Der Zauberlehrling, 1797)
„Chess as the Drosophila of AI“ (Prof. J. McCarthy, KI-Pionier 1990)
„Ist KI noch beherrschbar oder muss der Stecker gezogen werden?“ (Golem It-Fachportal 27. 9. 2026)
Schon seit Jahren frage ich mich, ob es besser gewesen wäre, meine Ideen und Erkenntnisse zu künstlichen neuronalen Netzen für mich zu behalten. Da diese möglicherweise außerhalb des Schachs unerwünscht verwendet wurden. Was meint die KI (27.9.2026):
Übersicht mit KI:
Dr. Reinhard Munzert gilt als einer der wegweisenden Vordenker für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und künstlichen neuronalen Netzen im Schachspiel. Bereits im Jahr 1988 veröffentlichte der Diplom-Psychologe und Schachpsychologe in der Fachzeitschrift Computerschach und Spiele (CSS) einen visionären Artikel über sogenannte „Neuro-Schachcomputer“. Munzert sagte darin eine Entwicklung voraus, die erst Jahrzehnte später mit modernen Systemen Realität wurde. Die Verbindung aus seiner Arbeit und moderner KI umfasst im Wesentlichen zwei Kernbereiche:
- Pionierarbeit zu neuronalen Netzen (1988)
In seinem Aufsatz „Neuro-Schachcomputer. Spekulationen über zukünftige Generationen schachspielender Automaten“ beschrieb Munzert zu einer Zeit, als Schachcomputer rein auf mathematischer Brute-Force-Berechnung (wie später Deep Blue) basierten, dass zukünftige Systeme dem menschlichen Gehirn ähneln müssten. Er prognostizierte, dass KI-Systeme durch neuronale Strukturen menschenähnlicher lernen und evaluieren würden. Diese theoretische Grundlage nahm die Funktionsweise moderner neuronale Netze im Schach vorweg.
- Rezension und Einordnung moderner Schach-KIs
Als anerkannter Experte für Schachpsychologie begleitet Munzert die heutige KI-Revolution aktiv als Autor und Kommentator…
Zusammenfassend schließt sich bei Reinhard Munzert der Kreis von den theoretischen Spekulationen über lernende neuronale Netze im Jahr 1988 hin zur realen Anwendung im heutigen modernen KI-Schach.“
Wenn etwas schief geht mit der KI, haben Schachexperten Mitverantwortung?
Vielleicht hilft ein klassischer Artikel von Benjamin Franklin The Morals of Chess. Columbian Magazin, 1786. weiter; der Text-Auszug ist durchaus interessant für die aktuelle Thematik Mensch(heit) mit und gegen KI.
„Denn das Leben ist eine Art Schach“
Franklins klassische Prinzipien helfen in vielen Lagen. Erstaunlich einfach erklärt der legendäre Denker seine Überlegungen mittels Schach. Diese sind besonders relevant für Denken und Handeln in schwierigen Zeiten. Es geht um: Voraussicht, Umsicht, Besonnenheit/Vorsicht, Zuversicht und Beharrlichkeit trotz schlechter Lage plus andauernde Suche nach Lösungen und Auswegen. Franklin warnt überdies vor Leichtsinn aufgrund früher Erfolge und empfiehlt vermehrte Aufmerksamkeit und Anstrengungen nach Fehlern.
Cool und clever denken & handeln:
Reflektionen und Prinzipien für Schach und Leben – plus allgemein aktuell für Entwicklung und Umgang mit künstlicher Intelligenz. Franklin übertragt Schachprinzipien auf den Alltag:
„Das Schachspiel ist mehr als ein Zeitvertreib. Mehrere sehr wertvolle psychische Eigenschaften und Gewohnheiten, die für das menschliche Leben nützlich sind, kann man dadurch erwerben oder stärken, sodass sie zu Fähigkeiten werden, die für alle Gelegenheiten zur Verfügung stehen.
Denn das Leben ist eine Art Schach, wo wir oft Punkte zu gewinnen und mit Gegnern zu ringen haben. Und wo es eine Vielzahl an guten und schlechten Ereignissen gibt, die in gewisser Hinsicht Auswirkungen unserer Klugheit sind oder ihres Fehlens. Beim Schachspielen können wir also lernen:
Erstens VORAUSSICHT, die in die Zukunft blickt und die Folgen beachtet, die eine Handlung haben kann… Welche Züge kann ich tun, um mich zu verstärken oder gegen Angriffe zu verteidigen.
Zweitens UMSICHT, die das ganze Schachbrett oder den Schauplatz der Handlung(en) betrachtet, die Beziehungen der einzelnen Steine und Situationen untereinander berücksichtigt, die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind sowie die Möglichkeiten sich gegenseitig zu unterstützen und zu schützen. Eine Umsicht, die ausserdem die Wahrscheinlichkeiten bedenkt, dass der Gegner diese oder jene Figur ziehen, angreifen oder schlagen wird und wie wir den Schlag verhindern können.
Drittens BESONNENHEIT / VORSICHT, die Züge nicht zu schnell auszuführen… Das Spiel entspricht dem menschlichen Leben, wo man, wenn man sich unbedacht in schlechte oder gefährliche Lagen gebracht hat, alle Folgen eigener Unbesonnenheit ertragen muss.
Schließlich erwerben wir beim Schachspiel die Fähigkeit, NICHT MUTLOS ZU WERDEN, wenn uns unsere augenblickliche Lage schlecht erscheint.
Vielmehr gewöhnen wir uns die Einstellung an, auf einen GÜNSTIGEN UMSCHWUNG ZU HOFFEN und NICHT MÜDE ZU WERDEN NACH NEUEN MITTELN ZU SUCHEN… Häufig findet man nach langem Nachdenken Auswege aus einer für unüberwindlich gehaltenen Schwierigkeit.
So wird man beim Schach ermutigt, den Kampf bis zum Letzten fortzusetzen – in der Hoffnung auf einen Sieg durch unsere eigenen Fähigkeiten oder wenigstens ein Patt.“
Franklin warnt vor Leichtsinn und Überheblichkeit zudem macht er Mut mit folgenden Bemerkungen, bei denen er wiederum Schach als Metapher des Lebens heranzieht:
*…und wirklich, wie oft kommt es im Schach vor, dass gewisse Vorteile Überheblichkeit und Unachtsamkeit hervorrufen, durch die schliesslich mehr verloren geht, als durch den ursprünglichen Vorteil erreicht war. Andererseits regt eigenes Missgeschick manchmal zu mehr Aufmerksamkeit und Sorgfalt an, sodass der bisherige Nachteil möglicherweise ausgeglichen wird. Wer dies bedenkt, kann lernen, sich durch den gegenwärtigen Erfolg eines Kontrahenten nicht zu sehr entmutigen zu lassen, noch zu verzweifeln, bei jedem Hindernis auf dem Weg zu seinen Zielen“.
Soweit der amerikanische Erfinder, Philosoph und Staatsmann.
Franklins lehrreiche Ausführungen seien noch mit eigenen Überlegungen ergänzt:
Beim Schach erlebt man, dass es meist richtig ist, mit seinen Kräften und Ressourcen sowie der Zeit haushälterisch umzugehen und auf eine lange Auseinandersetzung vorbereitet zu sein. Gleichzeitig lernt man jedoch, dass es manchmal erforderlich ist, sofort viele Ressourcen zu mobilisieren, rasch und entschlossen zu handeln.
Außerdem kann man beim Spiel noch erfahren, dass es immer Ausnahmen von der Regel gibt und man durch kluge Analyse oder intuitives Erkennen (u.a. unbewusste Informationsverarbeitung, Mustererkennung) herausfinden muss, wann die Regel gilt und wann die Ausnahme. Hierbei zeigt sich wahre Meisterschaft!
Des Weiteren ist Einbeziehung und Verstehen eigener Mitstreiter nötig und hilfreich. Auch diese sollten Franklins Prinzipien idealerweise kennen und beachten.
Franklin hat seine Empfehlungen allen Menschen vermacht. Falls Ihnen diese ohnehin vertraut sind, umso besser. Wenn nicht, lesen Sie Franklins Empfehlungen vor wichtigen Entscheidungen und nach Rückschlägen nochmals durch – bis sie in Fleisch, Blut und Gehirn übergehen!
Kant, ein Zeitgenosse Franklins, hat empfohlen: „Habe Mut dich deines eigenes Verstandes zu bedienen!“