Es liegt in der Natur der Sache, dass Schachspieler sich mehr für die Spitze als das Ende der Tabelle interessieren, und das gilt für jedes Turnier. Heute halten wir es mal anders, und schauen ganz genau auf das was, sich hinten abspielt. Denn am Ende der Tabelle entscheidet sich am Wochenende, wer noch eine Chance auf Klassenerhalt hat. Die „Schlussabrechnung“ erfolgt dann bei der zentralen Endrunde in Berlin Ende April.

Wie man sieht, besteht eine Lücke von 4 Mannschaftspunkten zwischen Platz 13 und 14, die an diesem Wochenende aber egalisiert werden kann, wenn Zugzwang beide Kämpfe gewinnt, und sich nicht alle vier Mannschaften drüber nach oben absetzen. Nun gut – Deizisau ist auf jeden Fall im grünen Bereich, denn sie spielen auch noch gegen die Schwächeren, und werden hier wohl leicht punkten. Aber es gibt ein paar Mannschaften, die noch zittern müssen: Düsseldorf und der HSK 1830, die ein schweres Restprogramm haben, und vor allem Heimbach-Weis, obwohl sie momentan auf dem zehnten Platz stehen! Aber diese Letztrundengegner (unter anderem die Top 3) möchten wir nicht haben!
Stellen wir die Teams am Tabellenende kurz vor:
Die Dresdner sind wohl die letzte verbliebene ostdeutsche Mannschaft in der Liga. Hier spielen noch die Altmeister GM Uwe Bönsch und GM Raj Tischbierek, wenn auch an den hinteren Brettern. Immerhin bieten sie sechs Deutsche im Team auf, was keineswegs selbstverständlich ist. Allerdings hat dieses Team sehr viele Eier gelegt.

Somit haben sie mit Abstand am wenigsten Mannschaftspunkte erzielt, und sollten nach Papierform absteigen. Erfolgreichste Spieler sind hier GM Roven Vogel und GM Dieter Nisipeanu. Dass ein Uwe Bönsch gleich fünf Partien verliert, hätte ich früher übrigens für undenkbar gehalten. Aber halt, da fällt mir gerade ein, dass ich vor zwei Jahren gleich sechs Partien in Folge in der Bundesliga verloren habe, was ich ebenfalls für unmöglich hielt….

Auch die Berliner Schachfreunde bringen erfreulicherweise bis zu sechs Deutsche ans Brett. Dass sie sich angesichts der geographischen Lage mit Polen aus dem Nachbarland verstärken, kann ihnen keinesfalls übel genommen werden, sondern liegt in der Natur der Dinge.
Traurig wird es allerdings, wenn man die Einzelergebnisse betrachtet – da hat kaum einer über 50%. Am solidesten war hier neben IM Marius Fromm der IM Ilja Schneider, der alle Partien remisierte, dabei ist er doch eigentlich ein großer Kämpfer. Doch auch die Berliner haben wirklich sehr viele Partien verloren, was ihre Lage kritisch macht.

Auch der MSA Zugwang wurde in der laufenden Saison stark gerupft, und das obwohl er mit acht Großmeistern antreten konnte. Beste Spieler sind hier GM Pavel Eljanov, der gerade seinen zweiten Frühling hat, und der Verfasser GM Gerald Hertneck, der diese Saison wohl als seinen dritten oder vierten Frühling bezeichnen darf. Dass es nicht einfach ist, in der Bundesliga zu punkten, ist bekannt, dass es trotzdem geht, zeigt die Grafik auf. Auch Zugzwang setzt übrigens auch sechs deutsche Spieler ein, dazu kommt noch der Halb-Österreicher GM Stefan Kindermann, der seit über 60 Jahren in München wohnt.
Wer wird nun am Sonntag Nachmittag die anderen beiden Mannschaften hinter sich gelassen haben? Man kann es vorher nicht sagen, denn in einem Kampf an acht Brettern kann viel passieren. Wir hoffen natürlich, dass der „Pokal“ nach Süden geht….
Zum Abschluss die Zählung der Nullen in den Ergebnissen der drei Mannschaften im Abstiegskampf:
Dresden: 27 Nullen
Berlin: 27 Nullen
München-Zugzwang: 22 Nullen
Na, wer hat da wohl die Nase vorn?