Zum Saisonstart der Frauenbundesliga haben sich mit Baden-Baden und Bad Königshofen mit zwei Siegen gleich an die Tabellenspitze gesetzt. Aber die große Überraschung der ersten Doppelrunde ist die Mannschaft aus Dippoldiswalde, die außer den beiden Meisterschaftsfavoriten als einzige Mannschaft ebenfalls zweimal gewinnen konnte. War der Sieg gegen Bayern München noch im Rahmen des Erwartbaren, war der Auftaktsieg gegen die SF Deizisau eine faustdicke Überraschung. Und für Deizisau, auch dieses Mal wie häufig schon in der Vorsaison ersatzgeschwächt am Start, kam es noch schlimmer, auch gegen den zweiten Aufsteiger aus Pankow verlor man mit 2,5-3,5, sodass man die Rückfahrt aus dem Erzgebirge ohne Punkte antreten musste und sich nach zwei Niederlagen gegen potenzielle Abstiegskandidaten mächtig strecken muss, um in der Liga zu bleiben. Außerdem noch ohne Punkte sind Hemer und Freiburg.
Liveübertragungen gab es dieses Mal von allen Schauplätzen. Leider gibt es aber nach wie vor keine gemeinsame Übertragungsplattform, daher ist die Suche immer etwas mühsam, aber wer suchet, der findet. So waren bei chess.com nur die Partien aus Harksheide zu sehen, dort gab es auch eine Livekommentierung. Und alle Partien gab bei Chessbase.
Spielort Harksheide
In Norderstedt traten die Gastgeber und der Hamburger SK gegen die süddeutschen Mannschaften aus Freiburg und Baden-Baden an. Schon in der ersten Runde kam es damit zum ersten Spitzenspiel zwischen Hamburg und der OSG Baden-Baden. Baden-Baden war erstmals mit seinem neuen Kapitän Michael Rütten am Start, nach über 10 Jahren reichte Thilo Gubler, aktuell auch im Urlaub, den Staffelstab an seinen Nachfolger weiter. Vermutlich auch wegen der gerade erst zu Ende gegangenen Schacholympiade fehlten bei beiden Mannschaften einige Spielerinnen, aber Baden-Baden konnte die Ausfälle besser kompensieren und gewann am Ende recht sicher mit 4-2. Den Grundstein legten Neuzugang Ulviyya Fataliyeva und Elisabeth Pähtz, die trotz Olympia-Nachwehen beide an den Start gingen, mit ihren Siegen an den Brettern 1 und 2 gegen Monika Socko und Anna-Maja Kazarian. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, wenn Josefine Heinemann die richtige Angriffsfortsetzung gegen Lepu Coco Zhou gefunden hätte, sie fand sie aber nicht, und damit waren ein Turm und die Partie weg. Dritte Baden-Badener Siegerin war Anna Zatonskih kurz vor ihrem Abflug zu US-Meisterschaft in wenigen Tagen in St. Louis. Harksheide holte gegen Freiburg beim knappen 3,5-2,5 wichtige Punkte gegen den Abstieg. Hamburg gewann am Sonntag gegen Freiburg, und Baden-Baden ließ Harksheide keine Chance.
Spielort Dippoldiswalde
Hier überraschte der Aufsteiger und Gastgeber Dippoldiswalde in Runde 1 die SF Deizisau. Dora Peglau und Rebecca Browning gewannen, der Sieg von Hanna Marie Klek gegen Charis Peglau reichte bei drei weiteren Remispartien nicht. Bayern München holte einen wichtigen Sieg gegen Pankow, verlor aber am Sonntag gegen Dippoldiswalde, und wie oben schon geschrieben schlug Pankow Deizisau. Entscheidend hier, dass beim Stand von 3-2 Antje Döhler ihr schlechter bis verloren stehendes Endspiel gegen Mara Jelica zum Remis retten konnte.
Spielort Bad Königshofen
In Bad Königshofen trat am Schauplatz der letzten und nächsten Endrunde der gastgebende zweite große Meisterschaftsfavorit gemeinsam mit Rodewisch gegen Solingen und Hemer an, beides Gegner mit einem gewissen „Ärgerpotential“ für die Favoriten, man frage mal Schwäbisch Hall, den nicht mehr an der Liga teilnehmenden Meister, der in der Vorsaison zum Auftakt gegen Hemer fast Schiffbruch erlitt. Bei Bad Königshofen fehlte Jana Schneider, vermutlich noch aufgrund von Olympia-Nachwehen bzw. liegengebliebenen Verpflichtungen.
Und es wurde durchaus knapp. Bad Königshofen gewann 3,5-2,5 gegen Solingen, den Sieg machte erst spät Olga Babiy perfekt. Die Topscorerin der Vorsaison beherrschte das Matt mit Springer und Läufer gegen Luisa Bashylina. Rodewisch gewann derweil glatt gegen Hemer, dieses Mal ging man im Gegensatz zur Endrunde an gleicher Stelle vollständig und gut aufgestellt ins Rennen, das bleibt hoffentlich auch den Rest der Saison so – absichtlich geht ja keine Mannschaft dezimiert an den Start. Und auch gegen Bad Königshofen zog Hemer den kürzeren, konnte aber an Brett 1 und Brett 6 gewinnen. Hemer muss die Punkte halt gegen andere Gegner machen, zum Beispiel beim Heimspiel in runde 3 gegen Freiburg. Sehr spannend war es zwischen Solingen und Rodewisch, auch wenn der Endstand von 3-3 mit 6 Remispartien nicht danach aussieht. Aber in der letzten Partie schaffte es Anna Zozulia nicht, ihre Gewinnstellung im Springerendspiel nach einem Spiel auf ein Tor gegen Martyna Wikar zu verwerten. Am Ende rettete eine Pattidee die Polin in Rodewischer Reihen.
Aller Ergebnisse der Frauenbundesliga findet man hier, die Partien gibt es hier bei Chessbase. Weiter geht es am letzten November-Wochenende in Hemer, Deizisau und Hamburg.
Aktuelle Fotos gibt es dieses Mal keine. Ich war (auch nach dem Schwäbisch Haller Rückzug) an keinem Austragungsort vor Ort und bin außerdem momentan noch im Urlaub, ich hoffe aber schon noch, auch das ein oder andere Mal trotz Schwäbisch Haller Rückzug in der Frauenbundesliga vor Ort sein zu können.