Der SK Schwäbisch Hall zieht seine Mannschaft aus der Frauenbundesliga zurück, weil die Finanzierung für die kommende Saison nicht mehr gesichert werden konnte, hier der Beitrag dazu auf der Vereinswebseite:
Der SK Schwäbisch Hall zieht nach dem kürzlichen Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft seine Damenmannschaft aus der Frauenbundesliga zurück. Nachdem schon in den letzten Jahren die Finanzierung der Mannschaft immer schwieriger geworden war, konnte für die kommende Saison das notwendige Budget nicht mehr aufgebracht werden. Auch aufgrund der allgemein schwierigen Wirtschaftslage konnten die benötigten neuen Geldgeber nicht gefunden werden. Aufgrund des starken Anstiegs der Reise- und Übernachtungskosten ist das benötigte Budget pro Saison in den letzten Jahren stark angestiegen, und weitere Anstiege wären für die kommende Saison wahrscheinlich. Die Option mit einer günstigeren Mannschaft und geringerem Budget an den Start zu gehen, wurde verworfen, da ein Hauptgrund für den Erfolg der Mannschaft die Kontinuität in der Besetzung der Stammmannschaft war, und gerade bei Reisen aus Georgien fallen natürlich relativ hohe Reisekosten an.
Als der SK Schwäbisch Hall 2012 beschloss, eine Damenmannschaft zu gründen, konnte sich niemand im Verein vorstellen, wie erfolgreich die Mannschaft werden würde. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga 2014 ging man davon aus, vielleicht zwei Jahre in der Liga mitspielen zu können. Dass man schon in der ersten Saison Vizemeister wurde, kam völlig unerwartet. Und dass man die Mannschaft über 11 Saisons in der Frauenbundesliga halten würde, dabei nie schlechter als Dritter zu werden und viermal die deutsche Meisterschaft zu gewinnen, das hatte sich erst recht niemand vorstellen können.
Alles begann 2012. Die Mannschaft startete in der Regionalliga Süd und marschierte danach bis in die Bundesliga durch. In der Debütsaison 2014/15 wurde man Zweiter hinter der OSG Baden-Baden. Den ersten Titel gewann die Mannschaft bei der zentralen Endrunde in Berlin in der Saison 2016/2017, als man Baden-Baden knapp distanzierte. Danach dauerte es mit dem nächsten Titelgewinn bis zur Saison 2022/23, auch wenn man in einigen Saisons davor nahe dran war, aber immer der OSG Baden-Baden oder dem SC Bad Königshofen den Vortritt geben musste. Die Corona-Jahre überstand das Team unbeschadet trotz aller Turbulenzen, die diese Zeit mit sich brachte hinsichtlich Reisebeschränkungen und abgesetzter und verschobener Runden. Den 2023 gewonnenen Titel verteidigte die Mannschaft 2024 erfolgreich. Nach einem dritten Platz 2025 gelang kürzlich der vierte Titelgewinn. Die Spielerinnen mit den meisten Einsätzen in der Bundesliga waren Ekaterina Atalik, Lela Javakhishvili, Deimante Cornette und Irina Bulmaga, die alle vier auch mit im Mittel 80% extrem erfolgreich waren und zum Teil mehrmals den Schachtickerpreis (jetzt Franz-Jittenmeier-Gedächtnispreis) als beste Spielerin der Liga (bzw. im Falle Irina Bulmagas als beste Nachwuchsspielerin) gewannen. Stolz kann der Verein auch darauf sein, dass in 11 Jahren Bundesliga keine einzige Partie kampflos abgegeben werden musste, und das trotz immer wieder auftretender Schwierigkeiten bei der Anreise durch Streiks bei Lufthansa und Bahn oder Wetterkapriolen.
Der Verein bedankt sich bei allen Unterstützern der vergangenen Jahre. Insbesondere zu nennen sind hier die VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall sowie viele private Unterstützer aus dem Vereinsumfeld. Bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall bedankt sich der Verein für die Bereitstellung der Spielstätte für die Heimspiele in den letzten Jahren. Außerdem bedankt sich der Verein bei allen Beteiligten, die bei der Organisation nicht nur der Heimspiele unterstützt haben.
Und nicht zuletzt bedankt sich der Verein bei allen Spielerinnen, die über mehr als 10 Jahre hauptverantwortlich für die Erfolge der Mannschaft waren und die mit ihrem Zusammenhalt für viele unvergessliche Stunden auch außerhalb der Schachbretter gesorgt haben.
Wie geht es beim SK Schwäbisch Hall weiter? Die in die Oberliga Württemberg aufgestiegene 1. Mannschaft wird in der kommenden Saison in der Oberliga in ähnlicher Besetzung wie in der vergangenen Saison an den Start gehen. Da die Spielerinnen und Spieler der 1. Mannschaft zu einem großen Teil keine Profis sind und ausschließlich mit Zug und Auto anreisen können, halten sich gerade die Reisekosten in Grenzen. Bei allen weiteren Mannschaften sind keine größeren Änderungen geplant, es ist aber zu erwarten, dass noch mehr Nachwuchsspieler in den Mannschaftshierarchien nach vorne rücken werden.
Der deutsche Meister aus Schwäbisch-Hall hat seine bisherigen Meisterschaften nahezu ausschließlich ausländischen Spielerinnen zu verdanken.
Vielen war dies ein Dorn im Auge, denn eine deutsche Meisterschaft sollte jeweils auch von einigen einheimischen Spielerinnen mitgewonnen werden.
Deshalb ist der Rückzug der Hallerinnen aus sportlicher Sicht zu begrüßen.
Oh, das ist eine traurige Nachricht, aber fast schon tröstlich, dass es nicht nur bei den Männern zu solchen Rückzügen kommt!
Relativierung: „Meine“ KI meint, mein vorheriger Beitrag
(von 12:28 Uhr) sei zu emotional. Das sehe ich jetzt, mit etwas
Abstand, auch so.
Die KI hat auch drei Vorschläge für sachlichere Formulierungen gemacht:
* Option 1: Sachlich und direkt (für eine normale Diskussion)
„Ich habe das Projekt des SK Schwäbisch Hall mit seiner starken Fokussierung auf georgische Spielerinnen von Anfang an kritisch gesehen. Daher begrüße ich die Entscheidung zum Rückzug der Mannschaft und hoffe, dass sich die Bundesliga künftig wieder in eine andere Richtung entwickelt.“
* Option 2: Diplomatisch und distanziert (für eine gehobene Debatte)
„Die Nachricht über den Rückzug des Teams aus Schwäbisch Hall ist aus meiner Sicht positiv zu bewerten. Das Konzept, die Mannschaft maßgeblich mit internationalen Kräften – insbesondere aus Georgien – zu besetzen, war aus meiner Perspektive kein zukunftsfähiges Modell für die Liga. Es ist gut, dass dieses Kapitel nun beendet ist.“
* Option 3: Kurz und prägnant
„Der Rückzug der Mannschaft aus Schwäbisch Hall ist ein konsequenter Schritt. Ich stand dem Konzept ‚Schwäbisch-Georgien‘ stets skeptisch gegenüber und befürworte das Ende dieses Projekts.“
Den Schachfreunden aus Schwäbisch-Hall wünsche ich alles Gute,
auch den anderen Schachvereinen aus dem Ort.
Ingo Althöfer.
Diese „nationalistisch“ anmutenden kritischen Kommentare vernehmen zu müssen, finde ich sehr betrüblich. Schach ist zur Völkerverständigung geeignet wie kaum ein anderer Sport. Die Mitwirkung von Ausländerinnen sollte man als Bereicherung und gelebte Vielfalt akzeptieren, anstatt das Ende dieses Projektes mit Häme zu überschütten.
„Mitwirkung“ ist eine Sache – hier wird wohl vor allem kritisiert oder hinterfragt, dass es _ausschließlich_ ausländische Spielerinnen sind, gar keine „Mitwirkung“ von Deutschen. So war es wohl von Anfang an. „Gründung“ einer Damenmannschaft bedeutete nicht „wir haben bereits einige Spielerinnen aus dem Verein oder aus der Region und brauchen vielleicht noch etwas (internationale) Verstärkung“, sondern „wir stellen uns eine internationale Mannschaft zusammen“. Im Frauen-Mannschaftsschach sind nationale Erfolge dann schnell möglich: eine neu gegründete Mannschaft muss wohl nur zweimal aufsteigen, um Bundesliga zu spielen. „konnte sich niemand im Verein vorstellen, wie erfolgreich die Mannschaft werden würde“ – dachten sie wirklich, dass diese gesponsorte Truppe in der Bundesliga nicht konkurrenzfähig sei?
Auch jetzt wurde die Option „günstigere Mannschaft und geringeres Budget“ verworfen – dann könnten sie wohl nicht mehr um die Meisterschaft mitspielen, eventuell droht Abstieg. Nein, „mit dieser auch aufgrund der hohen Reisekosten teuren georgischen Truppe geht nicht mehr, also ist komplett Schluss“.
Anderswo ist es dabei teils nicht wesentlich anders. Bad Königshofen schrieb mir mal quasi „wir sind eine internationale Familie“ (ich weiß nicht mehr, wann und warum sie mich direkt kontaktiert hatten). Sie haben (und hatten) auch deutsche Spielerinnen, das dann weitgehend Gastspielerinnen mit anderem Hauptverein. Sie haben dabei umdisponiert – früher stark russisch geprägt, nun weitgehend polnisch (Maltsevskaya hat ja den Verband gewechselt).
„Die in die Oberliga Württemberg aufgestiegene 1. Mannschaft wird in der kommenden Saison in der Oberliga in ähnlicher Besetzung wie in der vergangenen Saison an den Start gehen. Da die Spielerinnen und Spieler der 1. Mannschaft zu einem großen Teil keine Profis sind und ausschließlich mit Zug und Auto anreisen können, halten sich gerade die Reisekosten in Grenzen.“
Das habe ich mir auf svw-schach.liga.nu mal angeschaut. Im Stammachter der für die Verbandsliga Nord „Übermannschaft“, die dann mit 18-0 Mannschaftspunkten aufgestiegen ist: Ekaterina Atalik (spielt für die Türkei, wo wohnt sie?), ein Franzose, ein deutscher FM, ein Tscheche und vier Slowaken – alle DWZ 2100+, eingesetzt haben sie auch deutsche Ersatzspieler mit DWZ 1855-1980. Zwei Gegner sind gar nicht angetreten, andere ließen teilweise mehrere Bretter unbesetzt – „wir verlieren sowieso“!?
Vorletzte Saison spielten sie noch in ziemlich anderer nomineller Stammbesetzung in der Oberliga Baden-Württemberg (nach Aufstieg wiederum eine Saison davor), belegten Platz 7 von 12 Teams und sind dann offenbar freiwillig zwei Ligen tiefer angetreten. Vielleicht wurde das im Verein noch verfügbare Geld nun für die Damenmannschaft ver(sch)wendet? Auch das wirkt nicht nachhaltig und/oder sieht aus nach „mehr wollen als mit eigenen Spielern machbar ist“.
Als Sponsor wird die VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall genannt. Der Heilbronner SV ist gerade mit einer deutsch-schweizerischen Truppe wieder in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Wollen sie sich nun verstärken, „hat der Sponsor den Verein gewechselt“? Das ist natürlich reine/meine Spekulation, es kann auch nicht der Fall sein.
Sie haben ja auch geschrieben, dass sie neben Schwäbisch-Slovakia auf den eigenen Nachwuchs setzen wollen. Ich denke, dass wird bitter, denn sie haben zwar einen aber nur einen…
Wie ich vorher schon einmal geschrieben habe. Wenn der Mäzen keine Lust mehr hat, muss es der Verein ausbaden. Ich kenne Beispiele wo in guten Zeiten zumindest versucht wurde auch lokale Spieler anzuziehen. Hier war dies offensichtlich nicht der Fall, hielt man bei dem vielen Geld nicht für notwendig. Jetzt hat man kaum noch Geld und immer noch keine lokalen Spieler.
Der Rückzug des Damen- Teams des SK Schwäbisch Hall ist sportlich sehr bedauerlich.
Dem Orga- Team um Mario, Gregor und Thomas wird diese Entscheidung sicher nicht leichtgefallen sein. Euch und dem Team alles Gute weiterhin.
In der FBL gibt es wie in der SBL oder in den verschiedenen zweiten Ligen unterschiedliche Konzepte und man muss es nicht gut finden, wenn Vereine mehr Geld in die Hand nehmen als andere. Der Aufwand und die Kaderzusammenstellung ist dabei den Zielstellungen untergeordnet. So auch bei uns (TuRa SCHACH)
Ob man nun Meister werden möchte oder um den Ligaerhalt spielt interessiert jedoch die deutsche Schachszene eher am Rande, es sei denn es gibt einen „Skandal“ oder es tritt ein Team mit einer „Besonderheit“ an.
Was „Zaungäste“ der Frauen- Bundesliga nicht wissen, ist, dass bei den Wettkämpfen nicht eine Georgierin gegen eine Polin, oder Deutsche spielt, sondern sich an 6 Brettern Frauen und Mädchen von 2 Vereinen zum Match trafen, mit dem Ziel für das eigene Team zu performen.
Gerade aber nicht nur bei den Teamwettkämpfen gegen die Spitzenmannschaften fanden es unsere jungen Spielerinnen genial ihre Partien zu analysieren, wobei sie sehr von dem Schach- Wissen ihrer Gegnerinnen profitieren konnten. Gerade die Spielerinnen des SK Schwäbisch Hall haben vom ersten Aufeinandertreffen im Oktober 2016 an es sich nicht nehmen lassen unsere damaligen noch jungen Mädchen bei den Partieanalysen für einzelne Spielzüge u. a. zu loben und Tipps für später zu geben.
Das Team vom SK wird in der FBL fehlen und die Berichte vom Thomas M. auch.
Ich sehe es ähnlich wie viele hier. Internationale Spitzenspielerinnen in der Liga zu haben ist gut, aber ich erkenne nicht den Sinn darin komplette Mannschaften völlig ohne regionalen Bezug aus der ganzen Welt einzufliegen und mit denen dann die deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Das Geld sollte besser für andere Dinge im Schach investiert werden. Ein positiver Nebeneffekt des Rückzugs ist auch, dass der SV Hemer nächstes Jahr weiterhin 1. Frauen Bundesliga spielen wird. Gut für die vielen deutschen Nachwuchsspielerinnen (u.a. meine Tochter), die dort spielen und sich dort schachlich weiterentwickeln können.
Im Ergebnisdienst auf der Homepage des Deutschen Schachbunds stehen sie noch drin:
https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=fb1
Aus meiner Sicht gibt es sowohl Vor- als auch Nachteile bei der Teilnahme ausländischer Spielerinnen an der Deutschen Frauen-Bundesliga.
Ein Nachteil ist sicherlich, dass dadurch deutlich weniger deutsche Schachspielerinnen die Möglichkeit haben, in der 1. Frauen-Bundesliga mitzuspielen.
Auf der anderen Seite erhalten diejenigen deutschen Spielerinnen, die es in die 1. Liga schaffen, die Gelegenheit, gegen Spielerinnen der Weltelite anzutreten. Das ist sportlich und schachlich natürlich ein großer Vorteil.
Mein Vorschlag wäre daher, zwei unterschiedliche Meisterschaften durchzuführen.
Die erste Meisterschaft könnte in ihrer heutigen Form bestehen bleiben. Sie sollte dann allerdings konsequenterweise eher „Deutsche Frauen-Vereinsmeisterschaft“ heißen. Jeder Verein sollte selbstverständlich das Recht haben, beliebige Spielerinnen als Mitglieder zu führen und diese auch in seinen Mannschaften einzusetzen.
Zusätzlich könnte eine „Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft“ geschaffen werden, an der nur Spielerinnen teilnehmen dürfen, die unter deutscher Flagge spielen und ihren festen Wohnsitz in Deutschland haben.
Diese Meisterschaft könnte einmal jährlich zentral an einem Ort ausgetragen werden, beispielsweise im Maritim Hotel Magdeburg. Alle Frauenligen würden dabei zeitgleich an einer gemeinsamen Schachwoche teilnehmen.
Für die 1. Frauen-Bundesliga mit zwölf Mannschaften könnte von Montag bis Sonntag ein kompaktes Turnierformat mit elf Runden und beschleunigter klassischer Bedenkzeit gespielt werden. Ergänzend könnten ein Mannschaftsblitzturnier an einem halben Tag sowie ein Mannschaftsschnellschachturnier an einem weiteren Tag stattfinden.
Eine solche Veranstaltung wäre eine hervorragende Gelegenheit, die deutschen MannschaftsSchachspielerinnen aller Spielstärken an einem Ort zusammenzubringen. Neben dem sportlichen Wettbewerb würde dadurch auch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und das Frauenschach in Deutschland stärker sichtbar gemacht werden.
Kurz gesagt: eine Woche lang gemeinsam Schach spielen, Schach erleben und Frauenschach in Deutschland feiern.
Auf europäischer Ebene existieren bereits zwei getrennte Wettbewerbe nach genau diesem Prinzip:
• Nationalmannschaften spielen bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft der Frauen.
• Vereine treten im European Women’s Chess Club Cup gegeneinander an.
Die Unterscheidung zwischen Nationalteams und Vereinsmannschaften hat sich dort bewährt. Warum sollte man ein ähnliches Modell nicht auch in Deutschland einführen?