Symbolbild DSB. Gemini KI
Beim Deutschen Schachbund scheint es derzeit hinter den Kulissen drunter und drüber zu gehen. So hatten 5 Landesverbände gemäß Satzung einen außerordentlichen Kongress beantragt, um Neuwahlen des Präsidiums zu erzwingen. Begründet wurde dieser Antrag von den Antragstellern in erster Linie mit finanziellen Gründen. Im Antrag hieß es, man halte „die getrennte Durchführung eines Hauptausschusses am 16. Mai sowie einen zusätzlichen außerordentlichen Bundeskongress wenige Wochen später für inneffektiv, kostenintensiv und organisatorisch nicht sachgerecht. Insbesondere angesichts der Vielzahl bedeutender nationaler und internationaler Veranstaltungen in den Jahren 2026 und 2027 (u.a. Kandidatenturnier, Olympiade, Schachgipfel, 150-Jahr.Jubiläum des Deutschen Schachbundes) sollten die finanziellen und personellen Ressourcen des Verbandes gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Nun erfolgte überraschend die Mitteilung, dass das Präsidium diesem Antrag nicht folgt, sondern der Hauptausschuss in Frankfurt wie geplant stattfindet. Dies wird mit einer rechtlichen Einschätzung des Bundesrechtsberaters untermauert, wir zitieren:
„Wunschgemäß habe ich den Antrag auf Durchführung eines außerordentlichen Bundeskongresses am 16.05.2026, eingegangen am 19.02.2026, geprüft und bin zu dem Ergebnis gelangt, dass der Antrag in dieser Form unzulässig ist. Das ergibt sich aus meiner Sicht aus den nachfolgenden zwei Gründen.
17 Abs. 2 der Satzung (die Antragsteller beziehen sich wohl auf diese Regelung, auch wenn in dem Antrag von § 16 Abs. 2 die Rede ist) gibt mindestens fünf Mitgliedsorganisationen das Recht, die Einberufung eines Kongresses zu verlangen, der dann innerhalb von zwei Monaten einzuberufen ist und sodann innerhalb von zwei Monaten nach der Einberufung stattzufinden hat. Nach § 17 Abs. 1 Satz 2 der Satzung wird der Kongress vom Präsidenten einberufen, der damit auch über Ort und Zeitpunkt entscheidet. Dieses Recht wird durch § 17 Abs. 2 nicht eingeschränkt. Die fünf antragstellenden Mitgliedsorganisationen können somit nicht die Einberufung eines Kongresses zu einem konkreten Termin verlangen.
Ferner wäre der Antrag auch deshalb abzulehnen, da den fünf Mitgliedsorganisationen das Recht, einen Kongress zu verlangen, nicht uneingeschränkt zusteht, sondern nur insoweit, als in den nächsten sechs Monaten noch kein Kongress vorgesehen ist. Das ist hier aber der Fall. Wie die Antragsteller selbst schreiben, ist bereits ein Kongress vorgesehen, der spätestens im August 2026 stattfinden wird. Dies ist auch bereits aufgrund der gemeinsamen Erklärung öffentlich bekannt. Von daher kann derzeit kein Antrag auf Einberufung eines Kongresses mehr gestellt werden. Für mich besteht nach alledem kein Anlass, dem gestellten Antrag zu entsprechen.“
Nur ein juristischer Winkelzug? Die erste Begründung wirkt etwas gekünstelt und formalistisch, die zweite jedoch plausibel: es klingt logisch, dass ein bereits angesetzter (außerordentlicher) Kongress (jetzt fixiert auf den 8. August 2026; der Ort wird noch bekanntgegeben) nicht durch Antrag um ein paar Monate vorgezogen werden sollte, es sei denn, es wäre wirklich Feuer auf dem Dach. Dazu kommt noch, dass der Hauptausschuss heuer turnusmäßig fällig ist (laut Satzung immer in Jahren mit gerader Jahreszahl). Man hätte natürlich auch erst den Kongress, und danach den Hauptausschuss durchführen können, doch das war eben nicht gewollt.
Somit bleibt es dabei: der Hauptausschuss findet statt am Samstag, den 16. Mai 2026 ab 9.00 Uhr,
im Maritim Hotel Frankfurt. Die Stimmung dürfte dann allerdings auf diesem Hauptausschuss etwas getrübt sein.
Hintergrund des Ganzen, ist wie bereits erläutert, dass die Austragung des Schachgipfels im Juli 2026 in Dresden durch einen (potenziellen) Amtswechsel nicht gefährdet werden soll. In dem Zusammenhang wäre allerdings noch zu erwähnen, dass es bisher überhaupt noch keinen Gegenkandidaten für Präsidentin Ingrid Lauterbach gibt!
Zugleich teilt der DSB mit: Im Hauptausschuss kann ein Vizepräsident Finanzen als Ersatz für den zurückgetretenen Alexander von Gleich kommissarisch bestätigt werden. Interessierte Kandidaten bitte ich, sich bei mir (Präsidentin) zu melden.
Und gestern kam die Meldung, dass nach einem neuen Geschäftsführer in der Geschäftsstelle auch nach einem neuen Leiter Finanzen gesucht wird. Und es ist absehbar, dass in Kürze auch nach einem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit gesucht wird, nachdem Matthias Wolf zum 1. März leider ausgeschieden ist.
Dass der Schachbund seit Jahren nicht zur Ruhe kommt, äußert sich eben auch in der Vielzahl der Kongresse und Hauptausschüsse.
Bei Zählung der Wochen zwischen Hauptausschuss und Kongress kommt man übrigens auf genau 12 Wochen.