Schachtrainer Rainer Buhmann
Fokus auf deinen eigenen Einflussbereich
Kennst du das? Du sitzt am Brett und übersiehst plötzlich etwas, das du sonst sofort gesehen hättest.
Oft liegt das nicht an fehlendem Wissen, sondern daran, wohin deine Aufmerksamkeit gerade wandert. Gerade unter Druck in Turnierpartien lassen wir uns leicht ablenken. Vielleicht ärgerst du dich über einen eigenen Fehler, den bisherigen Partieverlauf oder überlegst schon, wie die Partie ausgehen könnte.
Dein Kopf ist beschäftigt, aber deine Aufmerksamkeit ist nicht mehr vollständig bei der Stellung vor dir.
Aufmerksamkeit und Konzentration
Stell dir einen Scheinwerfer vor:
Der Bereich, den er ausleuchtet, ist deine Aufmerksamkeit – worauf du gerade achtest.
Die Intensität des Lichts ist deine Konzentration – wie viel mentale Energie du dafür einsetzt.
Beides ist wichtig, aber nicht dasselbe. Du kannst hochkonzentriert sein und trotzdem auf das Falsche schauen. Oder du hast das Richtige im Blick, untersuchst es aber nicht gründlich genug.
Deine Konzentration ist eine begrenzte Ressource. In ruhigen Stellungen darfst du die Intensität bewusst herunterfahren, um in kritischen Momenten wieder voll da zu sein.
Worauf du Einfluss hast
Hier hilft dir der Circle of Control. Er unterscheidet zwischen Dingen, die du kontrollieren kannst, und Dingen, die außerhalb deiner Kontrolle liegen.

Hier ein paar Beispiele:
Außerhalb deiner Kontrolle (akzeptieren und loslassen)
- Das Ergebnis der Partie (es hängt von beiden Spielern ab)
- Die Züge und Entscheidungen deines Gegners
- Der bisherige Partieverlauf (z. B. Fehler, die du gemacht hast)
- Die äußeren Bedingungen im Turniersaal (z. B. Lautstärke, Raum)
- Die Auslosung und die Elo deines Gegners
In deiner Kontrolle (darauf richtest du deinen Fokus)
- Deine Entscheidungsfindung und Zeiteinteilung
- Deine Blunder-Check Routine
- Deine emotionale Reaktion auf Fehler (ruhig bleiben, weiterspielen)
- Deine Reaktion auf die äußeren Bedingungen im Turniersaal
- Dein innerer Dialog (die Worte, die du dir selbst sagst)
Der entscheidende Punkt: Verliere deine Energie nicht an Dinge, die du nicht beeinflussen kannst.
Wenn du dich darüber ärgerst, wie stark dein Gegner ist oder wie laut es im Saal ist, ändert das nichts an der Stellung vor dir.
Es geht nicht darum, alles außerhalb deines Kreises auszublenden. Sondern darum, zu bemerken, wann deine Gedanken dorthin wandern – und sie zurückzuholen.
Mach es direkt praktisch
Notiere, was außerhalb deiner Kontrolle liegt – und vor allem, worauf du deinen Fokus stattdessen richten möchtest.
Vor deiner nächsten Partie kannst du dir 3 konkrete Fokus-Punkte setzen, auf die du während der Partie besonders achten möchtest.
Wenn du merkst, dass deine Gedanken während der Partie abschweifen, stelle dir die W.I.N. Frage:
„Was ist jetzt gerade wichtig?“
So holst du deinen Scheinwerfer zurück zu deiner eigentlichen Aufgabe: der bestmöglichen Entscheidung in der Stellung vor dir.
Liebe Grüße, viel Spaß und Erfolg!
Rainer