GM Lothar Schmid. Quelle: Wikipedia
Wie Chessbase berichtet, wird die einzigartige Schachsammlung des Großmeisters Lothar Schmid – über Jahrzehnte mit großer Leidenschaft aufgebaut – nun in mehreren Etappen versteigert wird. Sie gilt als eine der bedeutendsten privaten Schachsammlungen der Welt und umfasst historische Bücher, Manuskripte, Autographen, Spiele, Figuren, Bretter und Memorabilia aus mehreren Jahrhunderten Schachgeschichte.
Ein Schwerpunkt des Berichts liegt auf den geplanten Auktionen: Ein besonders ausgewählter Teil der Sammlung wird bei Sotheby’s in London angeboten, wo vor allem Spitzenstücke und international begehrte Raritäten aufgerufen werden. Daneben werden weitere Teile über ein deutsches Antiquariat und andere spezialisierte Auktionshäuser versteigert, teils auch in thematisch sortierten Paketen, sodass die Sammlung nach und nach weltweit in Sammler‑, Museums‑ und Vereinsbesitz übergehen wird.
Der Artikel stellt einige der wichtigsten Highlights heraus, etwa Objekte aus dem Umfeld des Weltmeisterschaftskampfs Fischer–Spasski 1972 in Reykjavik, bei dem Schmid als Hauptschiedsrichter eine zentrale Rolle spielte. Dazu gehören original unterschriebene Partieformulare, Briefe, Fotografien sowie weitere Erinnerungsstücke, die den legendären Wettkampf dokumentieren und deshalb einen hohen ideellen wie materiellen Wert besitzen.
Besonders hervorgehoben wird ein Exemplar von Lucenas „Repeticion de amores e arte de axedrez“, dem ältesten gedruckten Schachbuch, das nur in wenigen Exemplaren weltweit existiert. Dieses Buch wird im Artikel als Kronjuwel der Sammlung beschrieben und mit einer Schätzung im hohen sechsstelligen Bereich in Pfund angegeben, womit es ein Spitzenlos der Auktion darstellt. Daneben werden kostbare Inkunabeln, frühe Drucke zum Schach und seltene Turnierbücher genannt, die für Bibliotheken und Forschung von großer Bedeutung sind.
Schmid war nicht nur Großmeister im Nah‑ und Fernschach, sondern auch erfolgreicher Verleger (Karl‑May‑Verlag) und international gefragter Schiedsrichter. Seine Sammelleidenschaft führte dazu, dass er auf Reisen und bei Turnieren weltweit antiquarische Schätze aufspürte, etwa bei Antiquaren in London, Paris oder New York, aber auch durch den Ankauf ganzer Bibliotheken anderer Schachhistoriker. So entstand eine Sammlung, die Schach als kulturelles, literarisches und historisches Phänomen dokumentiert und weit über den sportlichen Aspekt hinausweist.
Einerseits ermöglicht die Auktion, dass bisher verborgene Stücke in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und in Institutionen oder bei engagierten Sammlern eine neue Heimat finden. Andererseits bedeutet die Zerteilung der Sammlung, dass ein in sich geschlossenes Lebenswerk aufgelöst wird, was viele Schachfreunde und Historiker mit Wehmut betrachten. Schmids Familie entscheidet sich dennoch für diesen Weg, um das materielle und ideelle Erbe auf eine Weise zu sichern, die den Wert der einzelnen Objekte bestmöglich zur Geltung bringt.
Weitere Links dazu:
https://www.theguardian.com/sport/2026/mar/08/chess-grandmasters-lothar-schmid-memorabilia-sotheby-auction-london
Und hier noch ein Nachruf auf Lothar Schmid: https://de.chessbase.com/post/lothar-schmid-zum-90sten-geburtstag