Symbolbild KI, Quelle: Gemini KI
Liebe Schachfreunde, nachdem ich jetzt schon etwas länger auf dem Schachkicker unterwegs bin, möchte ich etwas Grundsätzliches zum Thema redaktionelle Arbeit sagen. Und zwar ist mir aufgefallen, dass es nicht immer gut ankommt, um es mal vorsichtig zu formulieren, wenn man Kritik an bestehenden Zuständen und Entwicklungen äußert. Spontan kann ich das an vier Beispielen festmachen:
– Meine Artikel zum Thema „Transregelung im Frauenschach“ brachte mir von einigen Seiten viel Kritik ein. In dem fall sogar verständlich, weil sich die Betroffenen sicher nicht gut adressiert fühlten. Und der Nutzen war auch überschaubar, weil DSB und DSJ bis heute an der falschen Praxis festhalten, auch gegen die Empfehlung des IOC und gegen die Regelung in anderen Sportarten. Und das obwohl das Leistungsgefälle zwischen Frauen und Männern im Schach bekannt ist. Trotzdem war es wichtig, diese Kritik zu äußern, weil hier aus dem Zeitgeist heraus eine sportliche Abgrenzung geschaffen wurde, die mehr als fragwürdig ist.
– Andres lag der Fall bei meiner damaligen Kritik an der Kandidatur von Paul Meyer-Dunker gegen Ingrid Lauterbach auf dem Kongress in Paderborn. Bis heute bin ich der Meinung dass die Kandidatur zum damaligen Zeitpunkt (nicht aber zum späteren Zeitpunkt!) aus mehreren Gründen falsch war, ganz einfach weil man eine erfolgreiche Saniererin nach zwei Jahren nicht in die Wüste schickt. Nun gut, es kam dann ein Jahr später doch so, dass Paul Präsident wurde, um Ende löste sich aus meiner Sicht alles in Wohlgefallen auf. Und heute kann man eigentlich nur noch darüber schmunzeln.
– Besonders stark angekreidet wurde mir meine Kritik am Abschneiden der Frauenmannschaft auf der Schacholympiade. Dieser Fall ist besonders interessant, weil meine Aussagen in keinster Weise falsch waren, sondern genau den Finger auf die Wunde legten, während der DSB das Thema offensichtlich im Windschatten des Erfolgs der Männermannschaft totschweigen wollte. Wirklich jeder der die Entwicklung auf der Olympiade ernsthaft verfolgt hat, musste feststellen, dass es bei den Frauen nicht rund lief. Doch plötzlich war auf einmal ich aus Sicht Mancher der Böse, der etwas falsch gemacht hatte….
– der vierte Fall, der mir auffiel, war meine Kritik an Jörg Schulz, in einem Kommentar, als leicht allergische Reaktion auf die Lobhudelei von Walter. Jeder der im Schach seit vielen Jahren unterwegs ist, weiß dass Jörg Schulz nicht nur Freunde im Verband hat, und dass die Trennung vom DSB ziemlich schmerzhaft war. Die Tatsache, das man auf diese und andere Umstände hinweist, die den langjährigen Geschäftsführer der DSJ nicht immer im besten Licht erscheinen lassen, bedeutet ja nicht, dass man sein Lebenswerk in Frage stellt! Aber wenn man solche Kritik gar nicht mehr äußern dürfte, dann wäre aus meiner Sicht grundsätzlich etwas schief gelaufen. Denn dann wäre der Schachkicker quasi zur Lobhudelei verpflichtet.
Tatsächlich lautet eine unserer Redaktionsleitlinien, den DSB nicht zu hart zu kritisieren, zum einen, da es genügend Andere tun, zum anderen weil er schon genug gescholten wurde, und sich wirklich Vieles zum Positiven verändert hat.
Was wirklich bedenklich ist, wenn vorgetragene Kritik zu einer Art von Schuldumkehr führt. Plötzlich ist in einer überraschenden Volte nicht mehr der Kritisierte schuld, sondern derjenige, der kritisiert! OK man wird einwenden, dass oft nicht klar ist, wer letzten Endes recht hat, aber umgekehrt kann man im Leben viele Dinge von zwei Seiten betrachten, ohne dass klar entscheidbar ist, wer recht hat. Mir fallen da in der Politik unzählige Beispiel ein.
Nun ja, was wollte ich mit diesem Beitrag sagen? Liebe Leute, versucht bitte ein bisschen mehr, Kritik anzunehmen, selbst wenn sie nicht gefällt, und auf einen wirken zu lassen. Es hat noch niemandem geschadet, seine Position ab und zu in Frage zu stellen! Dankeschön!