Symbolbild KI zur Frauenlogik im Schach. Quelle: Gemini KI.
Mit großem Interesse haben wir von der neuen Studie zum Gender Gap von der österreichischen Autorin Sara Marinovic Kenntnis genommen, die das Thema im Rahmen einer Abschlussarbeit untersucht hat, wie einem Bericht auf der Homepage des DSB zu entnehmen ist. Marinovic ist nicht irgendwer, sondern Vorsitzende der Kommission für Frauenschach im Österreichischen Schachbund, Genderbeauftragte beim ÖSB und Mitglied der Jugendschachkommission.
Stutzig wurden wir jedoch beim Abschnitt „sexistische Aussagen oder Einstellung im Schach“.
Hier war der Aufbau der Umfrage so, dass verschiedene als sexistisch empfundene Sätze den Probanden vorgegeben wurden, und daraufhin wurde die Zustimmung abgefragt, wobei die Probanden sowohl männlich als auch weiblich waren.
(Marinkovic 2026)
- Frauen können nicht gut Schach spielen.
- Frauen ist es bei Turnieren wichtiger, was zwischen Schachpartien passiert als bei der Partie selbst.
- Frauen haben ein geringeres Potenzial im Schach als Männer.
- Frauen werden im Schach niemals so gut werden können wie Männer.
- Frauen spielen generell anders Schach als Männer.
- Frauen nehmen schachliche Leistungen nicht so ernst wie Männer.
- Frauen setzen ihre Weiblichkeit (z.B. durch provokante Kleidung) ein, um zum Sieg
einer Schachpartie zu gelangen. - Ich nehme männliche Gegner seriöser wahr als weibliche.
Im folgenden möchten wir zu jeder Aussage kurz Stellung nehmen:
1. Frauen können nicht gut Schach spielen.
Das ist klar abwertend, und auch falsch, denn Frauen sind in den letzten Jahrzehnten immer stärker geworden, und gerade die Polgars haben bereits in den 90er und 90er Jahren bewiesen, dass dem nicht so ist. Insofern geht diese Aussage als sexistisch durch.
2. Frauen ist es bei Turnieren wichtiger, was zwischen Schachpartien passiert als bei der Partie selbst.
Ich finde diese Aussage gar nicht so verkehrt, es fehlt nur ein „Manchen“. Tatsächlich sind nicht alle Frauen im Schach so leistungsorientiert wie die Autorin denkt. Zum Beispiel scheinen Freundschaften und Kommunikation auch auf Schachturnieren bei Frauen wichtiger zu sein als bei Männern. Natürlich gibt es auch Schachspielerinnen, bei denen das nicht so ist, aber man hat schon den Eindruck dass die Leistungsorientierung bei den meisten Männern höher ist (wobei es natürlich auch Männer gibt, die nur aus Spaß an einem Open teilnehmen).
3. Frauen haben ein geringeres Potenzial im Schach als Männer.
Nun, eine eindeutig belegbare und keineswegs sexistische Aussage, wie aus jeder Eloliste erkennbar ist. Aktuell bewegen sich die Top 10 der Männer zwischen Elo zwischen 2823 und 2757 und die Top 10 der Frauen zwischen 2596 und 2509. Der Abstand liegt nach wie vor bei 200 bis 250 Punkten.
4. Frauen werden im Schach niemals so gut werden können wie Männer.
An diesem Punkt scheiden sich oft die Geister. Wir meinen, dass die Frauen nur dann mit den Männern gleichziehen könnten, wenn eine Art Zaubertrank erfunden würde. Die Geschichte des Schachs hat eindeutig gezeigt, dass die Männer über alle Kulturen und alle Epochen deutlich vor den Frauen lagen. Insofern auch hier keine sexistische Aussage, sondern eine wohlbelegte. Und wer behauptet, dass es in Zukunft anders sein wird, muss den Nachweis dafür erbringen, und zwar ohne wolkige Behauptungen aufzustellen, in Zukunft könnte es ja anders sein. Diese Aussage ist also nicht sexistisch, sondern begründet.
5. Frauen spielen generell anders Schach als Männer.
Das ist der Satz, der uns in der Auflistung am meisten stört. Anders heißt nicht, dass sie schlechter spielen, anders heißt nur, dass sie anders spielen. Es ist mit Sicherheit keine sexistische Aussage, wenn eine Gruppe „anders“ spielt, zum Beispiel spielen Akademiker vermutlich anders als Taxifahrer. Frauen tragen auch andere Kleidung als Männer, und haben andere Körperteile und andere Hormone als Männer, wieso sollten sie nicht auch anders spielen? Was natürlich damit eigentlich gemeint ist: sie spielen schlechter als Männer und nicht anders. Die Aussage oben empfinde ich nicht als sexistisch.
6. Frauen nehmen schachliche Leistungen nicht so ernst wie Männer.
Das ist ein zentraler Satz in der Debatte. Ich denke dass es bei vielen schwächeren Frauen so ist, weil sie auch andere Interessen und Hobbies haben, bei Spitzenspielerinnen (Schachprofis) aber nicht, denn diese nehmen Schach natürlich genauso ernst wie Männer. Insofern gesehen, ist auch dieser Satz im Grunde nicht sexistisch, sondern über die Breite der Schachspielerinen korrekt beobachtet.
7. Frauen setzen ihre Weiblichkeit (z.B. durch provokante Kleidung) ein, um zum Sieg einer Schachpartie zu gelangen.
Hier muss ich an meinen ehemaligen Käptn denken, der einer Frau in seinem Team den Auftrag geben, sich besonders sexy zu kleiden, um den Gegner abzulenken, aber nur zum Spaß. Und es hat funktioniert, denn der Gegner geriet total ins Schwitzen! Auch hier ist der Satz also zwiespältig. Auf der einen Seite kann es so sein, auf der anderen Seite muss es nicht so sein. Ich denke, in der Regel ist es nicht so. Aber angenommen, eine Frau sitzt mit entsprechendem Ausschnitt einem Mann gegenüber, ist das dann nicht eine Ablenkung? Also auch hier: die Aussage ist nur teilweise sexistisch.
8. Ich nehme männliche Gegner seriöser wahr als weibliche.
Was ist mit seriös gemeint? Mit Anzug und Krawatte am Brett sitzend? Oder absolut seriös im Verhalten, also sich stark an die Regeln haltend? Ich denke, bei diesem Satz wird nicht ganz klar, was eigentlich gemeint ist. Jedenfalls kann auch hier keine sexistische Note erkannt werden.
Um die Sache zusammenzufassen, wir denken, dass viele der Sätze schlecht gewählt waren, um den Gegenstand der Betrachtung zu untersuchen, also wie weit verbreitet sexistische Einstellungen im Schach sind.
Wir haben die Gelegenheit genutzt, und die KI Claude ebenfalls um acht „sexistische“ Aussagen im Schach gebeten.
Ergebnis KI-Recherche Claude vom 02.11.26
- „Frauen können einfach nicht so gut Schach spielen wie Männer.“ Pauschale Behauptung einer angeborenen Unterlegenheit. Diese Aussage taucht seit Jahrzehnten auf, obwohl Studien den Leistungsunterschied vor allem mit der viel geringeren Zahl spielender Frauen erklären (Teilnahme-Effekt).
- „Frauen fehlt das räumliche Denken und die Konzentration für Schach.“ Pseudowissenschaftliche Begründung, die biologische Unterschiede behauptet, ohne tragfähige Belege.
- „Sie ist ja für eine Frau ganz gut.“ Scheinbares Kompliment, das Leistung ausschließlich am Geschlecht misst und Spielerinnen als Ausnahme von der Regel darstellt.
- „Sie hat doch nur gewonnen, weil der Gegner nett zu ihr war / sie unterschätzt hat.“ Erfolge von Frauen werden auf Entgegenkommen oder Zufall statt auf Können zurückgeführt.
- „Sie ist nur wegen ihres Aussehens bekannt / gefördert worden.“ Reduktion von Spielerinnen auf ihr Äußeres, etwa bei Medienberichten, die mehr über Aussehen als über Spielstärke sprechen.
- „Warum spielst du überhaupt im Open? Geh doch zu den Frauenturnieren.“ Spielerinnen wird die Teilnahme an offenen Turnieren abgesprochen oder das Frauenturnier als „Schonraum“ abgewertet.
- „Mit Frauen im Team gibt’s nur Zickenkrieg.“ Stereotype über Verhalten und Zusammenarbeit, die Frauen als schwierig darstellen und ihre Aufnahme in Vereine oder Mannschaften erschweren.
- „Schach ist ein Kampfsport für den Kopf, das ist nichts für Frauen, die sind zu emotional.“ Verknüpfung von Schach mit angeblich männlichen Eigenschaften wie Aggressivität und Rationalität, verbunden mit dem Klischee der „emotionalen Frau“.
Wir meinen, dass diese Sätze im sexistischen Sinne viel besser gewählt sind, wobei die jeweilige erste Aussage von Marinkovic und Claude übereinstimmt.
Nummer 2 ist durchaus möglich, und im Bereich der Gehirnforschung anzusiedeln. Wir wissen bereits, dass sich die Gehirne von Männern und Frauen unterscheiden.
Nummer 3, Bingo, das ist sexistisch, weil abwertend. Nummer 4, 5 und 6 genauso.
Bei Nummer 7 frage ich mich, wieso diverse Führungskräfte im Berufsleben die Erfahrung gemacht haben, dass es oft besser ist, Man und Frau in ein Büro zu setzen, als zwei Frauen, die sich dauernd streiten. Die Aussage ist also nicht nur ein Stereotyp, sondern in der Praxis belegt. Ich habe das oft bei mir in der Arbeit gehört.
Zu Nummer 8: tatsächlich hatte man früher (vor Jahrzehnten) den Eindruck, dass Frauen ihre Partien nicht ganz auskämpfen, und eher mit Remis einverstanden sind als Männer. In der modernen Turnierpraxis kann ich das allerdings nicht mehr erkennen, da haben die Frauen aufgeholt (im Profischach). Das Thema „Emotionalität“ ist in dem Zusammenhang schwierig, weil sowohl Männer als auch Frauen in einer Schachpartie von Gefühlen gesteuert werden, nur könnte es sein, dass die Ausschläge bei Frauen stärker sind. Auch da muss ich sagen, ist wohl ein Körnchen Wahrheit im Satz drin, denn die Vermutung, dass Frauen im Schnitt emotionaler als Männer sind, ist keineswegs zu weit hergeholt.
Marinkovic begeht in ihrer Untersuchung aus unserer Sicht den Fehler, dass sie gedanklich Männer mit Frauen gleichsetzen will, und die Unterschiede leugnet. Damit ist gemeint, nur in dem Abschnitt, denn in der Studie selbst weist sie sowohl auf biologische und sozialbedingte Unterschiede hin. Und dass Interessanteste ist: dass sie selbst keine guten Beispiele für sexistische Verhaltensweisen gibt, denn bereist eine einzige KI-Recherche hätte genügt, bessere Aussagen zu finden.
All diese Betrachtungen sollen die Studie übrigens nicht abwerten. Ganz im Gegenteil wir finden die Studie insgesamt gelungen, jedoch im Abschnitt „Sexistische Aussagen im Schach“ misslungen. Und nur auf diesen Aspekt haben wir uns in diesem Beitrag fokussiert. Insofern könnte hier ein zu negatives Bild rüberkommen, das nicht beabsichtigt ist.
Lieber GM Hertneck! Die Autorin heisst Sara *Marinovic!