Symbolbild Shuffle Chess. Gemini KI.
Es ist weitgehend unbekannt, dass der Vorläufer des heutigen Fischer Random Schachs, neuerdings auch Freestyle Schach bereits im 19. Jahrhundert erprobt wurde. Dieser Artikel erlaubt einen Blick auf die Vorgeschichte.
Vorläufer: Shuffle Chess (19. Jahrhundert)
Die frühesten dokumentierten Partien mit zufälliger Grundaufstellung wurden zwischen dem niederländischen Diplomaten (Baron) Elias van der Hoeven (1778–1854) und dem Schachautor Aaron Alexandre in Mannheim im Jahr 1842 gespielt, wobei Alexandre mit 3:0 gewann. Eine dieser Partien ist in der niederländischen Schachzeitschrift Sissa überliefert.
Leider gibt es keinen direkten Online-Link zur Partie selbst. Die Quellen verweisen auf die ursprüngliche Primärquelle: Die Partie wurde in der Zeitschrift Palamède 1842, Band II, Seite 62, veröffentlicht. Das ist eine französische Schachzeitschrift aus dem 19. Jahrhundert, die heute nicht frei im Internet zugänglich ist.
Was man online findet, sind immerhin zwei erhaltene Partien im Shuffle-Chess-Stil („à la Van der Hoeven“) aus der niederländischen Zeitschrift Sissa von 1854, Seite 263 – diese tauchen in einem Chess.com-Blog-Artikel auf, der sie zitiert, aber leider ohne spielbares Brett.
Für die Originalpartie müsste man auf digitalisierte historische Schachzeitschriften zurückgreifen, z. B. über die Bibliothèque nationale de France (gallica.bnf.fr), wo alte Ausgaben des Palamède möglicherweise einzusehen sind. Einen fertigen, anklickbaren Partielink im Stile von chess.com oder lichess.org gibt es für diese Partie aus dem Jahr 1842 leider nicht.
Eine spätere Partie von Van der Hoeven war gegen Baron von der Lasa (1818–1899) und orientierte sich bereits stärker an den heutigen Regeln des Random Chess – abgesehen davon, dass Läufer noch auf gleichfarbigen Feldern stehen durften.
Nach Van der Hoevens Besuch beim Chefredakteur der Sissa im Jahr 1851 organisierten die Sissa-Schachgesellschaft und die Philidor-Schachgesellschaft in Amsterdam schließlich ein Shuffle-Chess-Turnier, das Maarten van ‚t Kruijs gewann.
Das war also der früheste bekannte Beleg für organisiertes Schach mit zufälliger Grundaufstellung überhaupt.
Erich Brunner (1885 – 1938), ein „Künstler des Schachproblems“ nahm das Thema wieder auf. Nach heutigen Ansätzen hätte man seinen Ansatz „Chess5040“ genannt, denn so viele unterschiedliche Startstellungen hätten sich seiner Rechnung nach ergeben.
Wichtig ist aber der Unterschied zur heutigen Praxis: Bobby Fischers Schach960 ist die moderne, fest definierte Form mit klaren Regeln für Läufer, König und Rochade; diese wurde erst 1996 vorgestellt. Die Variante selbst ist also nicht im 19. Jahrhundert „erfunden“ worden, aber zufällige Startaufstellungen im Schach gab es schon früher.
Fischer-Random-Schach (Chess960 / Freestyle-Chess) in seiner modernen Form
So wie die niederländischen Erfinder des Shuffle-Schachs im 18. Jahrhundert verbreitete der Weltmeister Herausforderer David Bronstein in den späten 1940er Jahren dieselbe Idee und noch später Pal Benko in den 1970er Jahren.
Sie bezeichneten es unter verschiedenen Namen wie Platzierungsschach, Vorschach, Shuffle-Chess. In der von Bronstein und Benko geförderten Variante beginnt das Spiel wie üblich mit weißen und schwarzen Bauern, aber die Anfangsstellung der anderen Steine wird von den Spielern gewählt
Bobby Fischer entwickelte die Regeln seines Random Chess in den Jahren 1992/93 nach dem Rückkampf gegen Boris Spassky, unter anderem gemeinsam mit Susan Polgar in Budapest. Offiziell vorgestellt wurde die Variante am 19. Juni 1996 in Buenos Aires.
Die erste dokumentierte Partie nach den exakten Fischer-Regeln (Läufer auf verschiedenfarbigen Feldern, König zwischen den Türmen, geregelte Rochade) fand also im Sommer 1993 im privaten Kreis statt – alle Polgar-Schwestern spielten damals viele Partien Fischer-Random-Chess mit Fischer, wobei Sofia ihn sogar dreimal in Folge besiegte.
Abschließend die Zeitreihe der Stationen im Überblick:
- Erste Idee (Van Zuylen van Nijevelt) 1792
- Erste aufgezeichnete Shuffle-Chess-Partie (Van der Hoeven vs. Alexandre) 1842
- Erstes Shuffle-Chess-Turnier (Amsterdam) 1852
- Aufgegriffen durch Bronstein in den 1940er Jahren
- Aufgegriffen durch Benko in den 1970er Jahren
- Fischer formuliert seine Regeln 1993
- Offizielle Vorstellung von Chess960 im Jahr 1996
Siehe auch den Beitrag von Chessbase hierzu.