Er steht selten im Rampenlicht – und prägt doch seit Jahrzehnten das deutsche Schach: Sven Noppes wird 50. Ein Blick auf jemanden, ohne den viele zentrale Entwicklungen der Szene so nicht stattgefunden hätten.
Wenn Sven Noppes 50 wird, ist das kein Anlass für große Rückblicke. Zumindest nicht für ihn.
Wer ihn kennt, weiß: Er schaut selten zurück. Der Blick geht fast immer nach vorne – auf das nächste Projekt, die nächste Idee, den nächsten Schritt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er das deutsche Schach so geprägt hat.
Einer, der Dinge möglich macht
Es gibt Menschen im Schach, die sitzen am Brett. Und es gibt die, die dafür sorgen, dass all das überhaupt stattfinden kann.
Sven Noppes gehört eindeutig zur zweiten Kategorie – und dort zu den prägendsten Figuren.
Geboren 1976 in Esslingen, ist er als Teenager über einen eher zufälligen Weg zum Schach gekommen: ein Schachcomputer, ein Ferienprogramm, eine erste Partie – und dann direkt hinein in den Verein. Was danach folgte, war kein klassischer Spielerweg, sondern sehr schnell ein organisatorischer.
Der Anfang von etwas Großem
Schon Ende der 90er-Jahre war klar, wohin die Reise geht. 1997, mit gerade einmal 21 Jahren, rief Sven das Neckar-Open in Deizisau ins Leben.
Was damals begann, wurde über die Jahre zum größten klassischen Schachturnier Deutschlands – und zum Fundament für alles, was später kam.
Er selbst sagte einmal, dass genau dieses Turnier der Grundstein für seine gesamte weitere Entwicklung war.
Turniere, die Maßstäbe setzen
Mit dem Neckar-Open in Deizisau zeigte Noppes, was möglich ist. Mit dem grenke Chess Festival hob er es auf ein neues Level. Heute ist es das größte Schach-Open der Welt und vereint Breitensport mit absoluter Weltelite. Wenn Noppes anfragt, sagt auch ein Carlsen meistens zu.

Dieser Einfluss entsteht nicht durch Zufall. Sondern dann, wenn jemand über Jahre hinweg größer denkt – und Verantwortung übernimmt.
Als die Finanzierung des Turniers 2024 auf der Kippe stand, traf Noppes sich kurzerhand mit Jan Henric Buettner, um diesen mit ins Boot zu holen. Ein Zug, den kaum jemand auf dem Brett hatte – aber einer, der die Partie drehte.
Erfolg in der Schachbundesliga
Auch in der Schachbundesliga hinterließ Noppes deutliche Spuren. Sein Freund Christian Bossert, der Wolfgang Grenke für die Baden-Badener Schachinitiative gewann, holte ihn nach Baden-Baden.
Als er 2005 die Mannschaftsführung der OSG Baden-Baden übernahm, war das Ziel klar: die Deutsche Meisterschaft. Er kannte die meisten Spieler schon zu Beginn der neuen Aufgabe persönlich, da ihn schon Jahre vorher sein Freund und Förderer Hans-Walter Schmitt in die große Welt des Spitzenschachs führte, als er ihn zum Schiedsrichter der Chess Classic in Frankfurt und Mainz machte. Was folgte, war eine außergewöhnliche Erfolgsserie, die Baden-Baden zum Rekordsieger in der Schachbundesliga machte.
Caruana, Anand, Vachier-Lagrave und weitere Topstars gehören über die Jahre zum Aufgebot der Badener.

Seit jungen Jahren auf Du und Du: Noppes mit Vishy Anand, fünfmaliger Weltmeister
Finanziell möglich machte dies vor allem die grenke AG, mit ihrem Gründer Wolfgang Grenke, zu dem Noppes enge Verbindungen pflegt – auch nach seinem Ausscheiden als Vorstand aus der Grenke Bank AG Ende 2021.
Parallel schuf Noppes mit den Schachfreunden Deizisau bewusst eine Plattform, auf der deutsche Spieler Verantwortung übernehmen und an den vordersten Brettern Erfahrung sammeln konnten. Als Matthias Blübaum sich für das Kandidatenturnier qualifizierte und gefragt wurde, wer ihn auf seinem Weg unterstützt hat, fiel auch der Name Sven Noppes. Und auch Vincent Keymer spielte einige Jahre lang für Deizisau.
Der Blick für Entwicklung
Vorstellungskraft ist vielleicht eine der größten Stärken von Noppes. Wo andere über Optionen im Jetzt nachdenken, versucht er, die Zukunft zu gestalten. Die Zusammenarbeit zwischen Keymer und Peter Leko – heute eine der erfolgreichsten Konstellationen im Weltschach – geht ursprünglich auf eine Idee von Sven Noppes zurück.

Sven & Marina Noppes mit Vincent Keymer in Weissenhaus
Solche Impulse sind typisch für ihn: selten laut, dafür umso wirkungsvoller.
Ein Teil seiner Stärke liegt im Netzwerk. Noppes ist nah dran – an Spielern, Sponsoren, Entscheidern. Er kennt die richtigen Menschen, bringt sie zusammen und schafft Verbindungen, aus denen Projekte entstehen. Vieles beginnt bei ihm im Gespräch – und endet später auf großer Bühne.

Sven Noppes & Judit Polgar, beste Schachspielerin der Geschichte
Sein eigener Anspruch war dabei immer klar: gute Rahmenbedingungen schaffen, damit andere gut spielen können. Und dabei spielerisch wachsen. Dass man durchs Schachspiel fürs Leben lernt, das müsse sich – darauf bestand er – in der Unternehmensvision der Chess Tigers widerspiegeln.
Führung, die Wirkung erzeugt
Sven Noppes ist keine Führungspersönlichkeit, die über Lautstärke funktioniert. Und trotzdem entsteht um ihn herum ein hoher Anspruch. Viele, die mit ihm arbeiten, wollen liefern. Wollen überzeugen, suchen seine Anerkennung.
Gleichzeitig gehört zur Wahrheit auch: Er kann direkt sein, fordernd, klar in der Sache. Entscheidungen fallen bei ihm nicht immer schnell – sie müssen reifen. „Ich muss darüber nachdenken“, schreibt er dann manchmal zurück.
Wer mit ihm arbeitet, weiß, dass eine Antwort auch mal auf sich warten lassen kann. Noppes verteilt seine Aufmerksamkeit auf viele Themen gleichzeitig. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er sich nicht vorschnell festlegt.
Doch wenn der Moment gekommen ist, handelt er. Und dann meist nicht halb – sondern mit voller Konsequenz.
Das Duo Noppes
Wer nur auf Sven schaut, sieht nur die halbe Geschichte.
Seine Frau Marina Noppes ist weit mehr als Begleiterin – sie ist ein zentraler Teil dessen, was in den letzten Jahren entstanden ist.

Für Immer „Ja“: Sven heiratet seine Marina
Marina ist eine starke Schachspielerin, oft an seiner Seite bei internationalen Turnieren unterwegs, kennt die Szene aus eigener Perspektive – und bringt gleichzeitig enorme Umsetzungskraft mit.
Während Sven oft die großen Linien denkt, sorgt Marina dafür, dass daraus funktionierende Realität wird. Und sie ist auch diejenige, die ihm an den richtigen Stellen widerspricht – ruhig, bestimmt, und oft mit dem Ergebnis, dass die Dinge eine neue Wendung bekommen. Diese Kombination ist einer der Gründe, warum so vieles überhaupt erst möglich wird.
Die Entwicklung rund um die Chess Tigers ist dafür ein gutes Beispiel: Gemeinsam mit Jonathan Carlstedt formten die beiden aus mehreren Einzelprojekten eine Unternehmensgruppe: das Stuttgarter SchachDepot, das Chess Tigers Training Center, der Berliner Schachladen Laskers, die Zeitschrift Schach, der Podcast Schachgeflüster sowie das Schachantiquariat Dreier – all das ist nun Teil eines größeren Ganzen, das über Jahre gewachsen ist. Carlstedt ist dabei nicht nur Geschäftspartner. Er ist ein Freund.

Sven Noppes & IM Jonathan Carlstedt (Foto: Justin Bockey)
Zwischen Weltklasse und Vereinsabend
Was dabei auffällt: Trotz aller Größe, trotz aller Kontakte zu den Spitzen der Wirtschaft und des Schachsports, verliert Sven die Basis nicht aus dem Blick.
Schon als junger Funktionär in seinem Verein in Deizisau übernahm er Verantwortung für die Gemeinschaft.
Dieses Muster prägt ihn bis heute. Kinderschach, Vereinsleben – all das gehört genauso dazu. In Deizisau stellt Noppes nicht nur die Bundesligamannschaft zusammen, sondern bestellt auch die Pizza für den Trainingsabend. Und beim Deizisauer Schachturnier ist es Noppes selbst, der oft die Toiletten reinigt.
Sein Vorbild? Kein Starunternehmer, sondern ein Rentner, der mit über achtzig Jahren immer noch wöchentlich 300 Kinder in Schulschach-AGs unterrichtet: Bernd Emmelmann.

Zum 80. Geburtstag von Bernd Emmelmann (2024)
Überhaupt, Schulschach. Noppes hat selbst zahlreiche Kinder unterrichtet – die ihn teils noch heute ehrenamtlich bei seinen Turnieren unterstützen. Der pädagogische Aspekt des Schulschachs liegt ihm am Herzen. Da ist es wieder, das „Lernen fürs Leben“. Aber auch beim sozialen Engagement denkt Noppes groß: Den baden-württembergischen Schulschachpokal, der bisher abwechselnd in Baden und Württemberg ausgetragen wurde, will er dauerhaft in Deizisau etablieren – und zu neuen Teilnehmerrekorden treiben. Noppes skaliert gerne.
Viele Rollen – ein Antrieb
FIDE-Schiedsrichter, Organisator, Teamchef, Schachunternehmer: Noppes bekleidet viele Rollen. Dabei betreibt der diplomierte Bankbetriebswirt all das nur nebenbei, denn im Hauptberuf ist er Geschäftsführer der POWERJames, einem Hersteller von Ladestationen für Elektroautos.
Bei all dem ist er auch Vater von zwei wunderbaren Kindern. Und wer ihn kennt, weiß, dass Familie für ihn ein zentraler Anker ist.
Alles Gute zum 50. – und ein Blick nach vorne
Das deutsche Schach wäre ohne Sven Noppes heute ein anderes. Weniger sichtbar, weniger ambitioniert, weniger mutig.
Vielleicht passt ein Satz besonders gut zu diesem runden Geburtstag: Sven Noppes schaut selten zurück – sondern lieber nach vorne. Wahrscheinlich liegt das Spannendste sogar noch vor ihm.
Alles Gute und Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag! 🎉
Lieber Sven: Vielen Dank für all das, was du für Spieler, Vereine und das deutsche Schach möglich gemacht hast.
hast.