29.04.2026

1 Gedanken zu „Die Unpferdlichkeit: Wie ein Professor Betrug im Schach (nicht) entdeckt

  1. Ein guter Beitrag, der sehr schön zeigt, wo die Probleme bei der Betrugserkennung im Online-Schach liegen – drei wesentliche Elemente aus Regans Modell stehen dort wenig bis gar nicht zur Verfügung.
    Direkte Beweise werden praktisch nie vorliegen (oder gibt es irgendwelche bekannten Beispiele, in denen ein Spieler gesperrt wurde, weil er während einer Partie unter Kameraüberwachung eine Engine befragt oder im Livestream seine Zuschauer zum Vorsagen aufgefordert hat?), während Z-Score und IPR-Wert nur dann ermittelt werden können, wenn die Identität (und damit die Spielstärke) eines Spielers bekannt ist – das ist online meistens nicht der Fall.

    Wichtig ist in jedem Fall der Hinweis auf den Look-Elsewhere-Effekt; die daraus resultierenden Falsch-Positiv-Resultate sind definitiv ein ernsthaftes Problem.
    Wer es nicht glaubt, kann es an einem Beispiel nachrechnen: Angenommen, 1 % aller Spieler seien Betrüger, sowohl Betrüger als auch ehrliche Spieler werden mit einer Wahrscheinlichkeit von jeweils 99 % korrekt erkannt. Wie viele der als Betrüger markierten Spieler sind in Wahrheit keine?

    Wer jetzt auf 1 oder 2 % getippt hat, liegt weit daneben – tatsächlich sind es 50 % !
    Nehmen wir eine Gruppe von 10000 Spielern. Unter diesen sind laut Annahme 100 Betrüger, von denen 99 entlarvt werden – so weit, so gut.
    Weiter und deutlich schlechter – von den 9900 ehrlichen Spielern werden ebenfalls 99 als Betrüger gekennzeichnet… Richtig fatal wird es, wenn die Betrugserkennungs-KI unkritisch mit Partien „überführter Betrüger“ trainiert wird und damit das Risiko falsch-positiver Ergebnisse weiter ansteigt.

    (Natürlich ist die Frage berechtigt, ob meine Annahmen realistisch sind. Um ehrlich sein, weiß ich es nicht. Ich habe in weniger als 1 % meiner Online-Partien den Eindruck, gegen Betrüger zu spielen, es kann aber durchaus sein, dass in Turnieren mit Preisen die Quote höher ist. Betrugserkennung sollte unter Idealbedingungen nach Regan deutlich weniger als 1 % falsch-positive Resultate ergeben, aber wie es bei Blindtests (sprich ohne Kenntnis der Identitäten der Spieler) aussieht… Ich gehe davon aus, dass in diesem Fall ab einem bestimmten Niveau 1 % oder mehr falsch-positive Ergebnisse auftreten (und mutmaßlich bereits weit unterhalb der Weltspitze – es sei einmal dahingestellt, wie weit darunter (ab 2100? 2200? 2300? 2400?)))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert