22.10.2026

14 Gedanken zu „Schach für Kids im Ganztag – zusätzliche Zeit sinnvoll für Bildung nutzen“

  1. Der offene Ganztag, der gebundene Ganztag sind eine riesige Chance für das Schach und für Schachtrainerinnen und -trainer.
    Hier müssten Schach für Kids, Schulschachstiftung, Kinderschach Deutschand .. zusammen arbeiten, um dies im Sinne des Schachs auszunutzen!

  2. Walters Enthusiasmus scheint mir etwas übertrieben zu sein. Und in jedem Fall sollte man zuerst die Grundlagen schaffen. Ein Curriculum muss zusammengestellt werden, Lehrer entsprechend ausgebildet werden, Lehrmaterial erstellt werden.
    In Sachen des Berichts zur Schachuniversität hast du übrigens vergessen, Zeitumfang der Ausbildung und Kosten anzugeben. Doch bereits die Ausbildungsdauer von 20 Wochen zeigt, dass es nicht ganz so einfach sein wird, qualifizierte Lehrkräfte in ausreichender Zahl zu finden / auszubilden. Laientrainer bringen die Schüler nicht weiter, können bestenfalls Anfänger Grundlagen vermitteln.
    Schachangebote ja, aber Vorbereitung und Organisation müssen sein, bevor man sich große Hoffnungen machen darf.

    1. Der Unterschied der SfK-Lehrmethode zu den anderen ist, das wir Schach als pädagogisches Hilfsmittel einsetzten und keine kleinen Großmeister schaffen wollen, das werden sie dann ohnehin, wenn sie Spaß daran haben. Hier geht es um die individuelle Entwicklungsförderung von Kindern (ab 3 Jahren).
      Unsere Lehrmethode ist selbsterklärend und es bedarf keinerlei Schachkenntnisse.
      Dennoch haben unsere Lehrmethode bereits 4.000 pädagogischen Fachkräften per Seminar, Unterricht an Europaschulen/Berufsschulen und per Lehrauftrag an Fachhochschule NRW vermittelt bekommen.

  3. Großmeister kann man eh nicht schaffen, selbst die Elo 2.000 zu erreichen gelingt den meisten Menschen nicht, selbst wenn sie noch so viel Spaß daran haben. Aber nach dem Erlernen der Grundlagen werden die meisten Kids auch spielen wollen, sich verbessern und da wird die pädagogische Methode sportliche Züge annehmen müssen, denen der Lehrer gerecht werden muss. Wie soll die Nachmittagsbeschäftigung aussehen? Sollen die Kids bloß vor sich hin patzen oder werden sie weitergeführt, was nicht so einfach ist wie mancher denken mag.
    Andernfalls wird das Interesse verebben und sich bei vielen Kids nach einiger Zeit ganz verlieren.

    1. Es ist sicherlich nicht die Aufgabe der Lehrer/-innen, die Kinder auf eine entsprechende Spielebene zu bringen. Das sollten dann die Vereine übernehmen.

  4. Hallo Ralf, nein, das ist kein Unterschied zu den anderen. Alle haben gemeinsam, dass sie Schach als pädagogisches Hilfsmittel einsetzen und keine kleinen Großmeister schaffen wollen.
    Auf Chipschach kannst du stolz sein, das ist eine absolute Bereicherung für die Schachwelt!

  5. Chip Schach ist nett, aber nur für sehr junge Kids und Anfänger für eine Weile interessant. Danach werden sie richtiges Schach spielen wollen oder es aufgeben. Was soll älteren Schülern angeboten werden? Für Schachlehrer ist heute ein Problem, dass viele Jungs schon durch Online spielen eine ordentliche Spielstärke haben. Da muss der Lehrer etwas können, überzeugen.
    Dies abzutun mit „Das sollten dann die Vereine übernehmen.“ macht es sich leicht und ist unrealistisch. Viele haben gar keine geeignete Person und Einsatz am Nachmittag schließt Berufstätige ohnehin aus.

    1. Ich habe nicht gesagt dass das alle Vereine können. Aber es ist etwas was die Vereine besser können sollten als die pädagogischen Fachkräfte.

  6. Sollten ist eine Sache, die Realität eine andere. Der Verein (den es vor Ort erst mal geben muss!) muss jemand haben, der Zeit hat (am Nachmittag! Vielleicht auch an mehreren Tagen, z.B. bei mehreren Schulen am Vereinsort, der schachlich stark genug und pädagogisch qualifiziert ist; zudem willig zu unterrichten, Die Wahrscheinlich, das dies zusammenkommt dürfte meistens gering bis nicht gegeben sein. Das Risiko der Aufsichtspflicht bleibt auch bzw. muss eine Lehrkraft anwesend sein – bei Lehrermangel.
    Die Frage ist auch, für welche Klassenstufen Chip Schach geeignet ist. In der Kita sicher, aber im Alter von 6-7 Jahren lernen heute viele Kids bereits Schach und brauchen das nicht mehr. Zudem kann Chip Schach dort auch schon mit „kleinen Spielen“ und „Mazes“ ersetzt werden, was bei älteren Anfängern vermutlich besser ankommt und näher am echten Schach ist. Sehr bald wird zumindest bei den Jungs dann der Wunsch nach Wettbewerb aufkommen. Wird der ignoriert lässt das Interesse schnell nach.
    Bei allem Respekt und aller Anerkennung für ihre Arbeit scheint es mir doch, dass das im allgemeinen Schulbereich schnell an Grenzen stößt und mehr Analyse und Aufwand nötig ist, als man denken mag.

    1. Na bisher hat sich keine Bildungseinrichtung bei uns beschwert.
      Chipschach ist grundsätzlich für Kinder im Alter von 3-10 Jahren gedacht. Aber von den 4.000 teilnehmenden pädagogischen Fachkräften, die meisten Frauen, konnten die wenigsten kein Schach und haben einen großen Respekt davor gehabt. Und dann gehen die aus dem Seminar raus und haben plötzlich die Grundlagen des Schachs auf spielerische Weise durch Chipschach erlernt und bisher sind alle sehr sehr fröhlich und sehr motiviert aus dem Seminar gegangen. Zeigt, das Chipschach um die Schach-Grundlagen zu erlernen auch für Erwachsene geeignet ist.
      Und als uns IBM als Sponsoring das Chipschach digitalisiert hat, haben die Manager bis in die oberste Etage das gespielt.

  7. Ich weiß jetzt nicht, in welchen Bundesländern Ihr so lebt, aber hier in NRW gibt es nach meiner Erfahrung so gut wie keine Lehrkräfte, die zusätzlich in der Ganztagsbetreuung unterwegs sind. Das machen zur Zeit – und werden wahrscheinlich auch zukünftig – weiterhin Mitarbeiter des OG übernehmen, inklusive Mehrarbeit dort, wo die Anzahl der zu betreuenden Kinder ab diesem Schuljahr steigt. Oder Menschen wie ich, die es sich im wahrsten Sinne des Wortes „leisten“ können, an fünf Nachmittagen und frühen Abenden Schach zu lehren.

    Lehrkräfte unterrichten laut einer Studie im Mittel nur noch 35-50% ihrer Arbeitszeit, der Rest geht mit fachfremder Arbeit, Administration, Planung, Vorbereitung, eigener Weiterbildung, Elterngesprächen etc. drauf. Da werden sich nicht viele zusätzliche Stunden aufbürden.

    Ich leite aktuell acht Schach AGen an vier verschiedenen Schulen (drei Grund- und eine weiterführende Schule) und zwei Jugendgruppen in Vereinen. An Nachfrage der Schulen hapert es nicht, im Gegenteil. Aber es ist der Flickenteppich an Orga, Formularkram, Unwissenheit bezüglich verschiedener Fördertöpfe, der Aufwand beim Recherchieren letzterer, die damit auch verbundene mickrige Vergütung sowie hanebüchene Steuer- und Sozialgesetze, was mich schon häufiger frustriert hat.

    Es könnte einfach sein, es könnte eine Win-Win-Situation für engagierte Schachtrainer:innen, Schüler:innen und insgesamt für das Land/den Staat sein. Es könnte…

    1. Leitartikel des Spiegel zur aktuellen Pisa-Studie: Kürzungen, Streichlisten des Grauens,…

      „Die Politik müsste eigentlich in Aufruhr geraten, der Kanzler das Thema zur Chefsache erklären, das Fernsehen Sondersendungen bringen. Es geht schließlich um die Kinder und um die Zukunft dieses Landes.

      Und trotzdem bleibt es seltsam still.“

      „Der Ganztag zeigt sich meist im »Bikini-Modell«: Der Vormittag ist losgelöst vom Nachmittag, der mehr Betreuung als Bildung bietet.“

      Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/pisa-studie-die-politik-koennte-etwas-gegen-die-bildungskatastrophe-tun-wenn-sie-nur-wollte-a-4c133073-5291-4ee5-b92a-2bb17fe45603 (Paywall)

  8. Oje, es scheint hier ja ein heißes Thema zu sein. Ich bin Lehrer an der Klaus-Groth-Gemeinschaftsschule mit Grundschule in Kiel.
    Schach habe ich in die DNA der Schule verpflanzt.
    Erstmal ein dickes Lob an Herrn Schreiber: Chipschach ist ein großartiges Material, welches sich von jeder Kollegin und jeden Kollegen (ganz ohne große Ausbildung) einsetzen lässt. Ich nutze einzelne Übungen sehr erfolgreich in einer KiTa. Dort bekommen es sogar meine Schülerinnen und Schüler (als Expertinnen) wunderbar an die KiTa-Kinder vermittelt.
    Deine Schatzkiste, lieber Walter (aus der ich mich auch für mein Schachcurriculum bedient habe), ist ebenfalls großartig. Dies sind Materialien, die ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann.
    Auf Linkedin poste ich regelmäßig Beiträge und mich erreichen inzwischen Nachfragen nach Materialien für den Anfängerbereich. Chipschach und Schatzkiste sind die Quellen, die ich gerne nenne und es kommen sehr positive Nachrichten und herzerwärmende Geschichten zurück.
    Es geht in der Nachmittagsbetreuung (die auch in SH nicht von Lehrkräften übernommen wird) um die Betreuung von Grundschulkindern (Klasse 1 bus 4). Hier habe ich noch von keinen Problemen gehört, dass die Betreuenden stöhnen, dass ihnen Schachkenntnisse fehlen.
    Im allgemeinen geht es hier um ganz basale Grundregeln des Schachspielens. Das Schulschachoatent ist hier ein tolles Angebot, um den Anbietenden etwas in die Hand zu geben, dann heißt es: Erstmal machen und Erfahrungen sammeln.
    Übrigens lassen sich auch ältere Schülerinnen und Schüler mit einem guten Schachverständnis und einer sozialen Ader nutzen.
    Ich bin ein Fam von Buddyprojekten. Also warum nicht mal wieder das alte Dorfschulkonzept bemühen von ältere Schülerinnen und Schüler den jüngeren etwas beibringen. Unter dem Strich entwickelt sich dabei sogar eine Schule im Brennpunkt zu einer attraktiven Schule mit einer netten Schachgemeinschaft.
    Als Lehrkraft spüre ich den positiven Effekt täglich, das hilft dann auch vor der Klasse in Mathe, NaWi usw.
    In diesem Schuljahr hatte unsere Schule mehr Anmeldungen als wir aufnehmen konnten. Ich vermute, dass Schach einen erheblichen Beitrag dazu geleistet hat.
    In diesem Sinne sollten wir uns über diese gute Entwicklung im Schachsport sehr freuen und lösungsorientiert denken.
    Ich kann das Problem der SchachtrainerInnen sehr gut verstehen. Der Soaß geht an der Bürokratie und an der Unterbezahlung verloren. Das ust in der Tat zum in die Tischkante beißen. Hier also noch ein weiteres Hoch an euch, die ihr den Kampf mit den Widrigkeiten aufnimmt, um unsere Kinder mit eurer Leidenschaft für Schach zu begeistern. Ein Schachtrainer mit pädagogischem Geschick ist in der Tat Gold wert und ich wünsche es jeder Schule, um letztendlich auch die Brücke zwischen Schulschach und Vereinsschach zu schlagen.

Die Kommentare sind geschlossen.