112 Schachspielerinnen und Schachspieler, spannende Entscheidungen und ein souveräner Sieger im C-Open: Das 4. Internationale Baden-Badener Herbstopen bot vom 29. Oktober bis 1. November 2026 vier abwechslungsreiche Turniertage im festlichen Ambiente des Kulturhauses LA8. Im A-Open setzte sich Erik Eberhart hauchdünn vor Großmeister Philipp Schlosser durch.
Nach einem Jahr Pause kehrte das Internationale Herbstopen nach Baden-Baden zurück. Insgesamt 112 Teilnehmer gingen in den drei Spielgruppen an den Start: 42 im A-Open, 49 im B-Open und 21 im C-Open. Damit wurde die Beteiligung der vorherigen Auflage 2024, bei der 105 Spieler angetreten waren, leicht übertroffen.
Gespielt wurden sieben Runden im Schweizer System mit einer Bedenkzeit von 90 Minuten zuzüglich 30 Sekunden pro Zug. Das vom Schachzentrum Baden-Baden organisierte Turnier war zugleich die neunte Etappe der Chess Tigers Gold Tour und bot einen Gesamtpreisfonds von 5.000 Euro.
A-Open: Eberhart überrascht Großmeister Schlosser
Im A-Open entwickelte sich ein spannender Zweikampf um den Turniersieg. Der an Nummer eins gesetzte Lokalmatador GM Philipp Schlosser (OSG Baden-Baden, Elo 2438) ging als Favorit ins Rennen, musste sich am Ende jedoch dem niedriger eingestuften Erik Eberhart (Elo 2151) geschlagen geben – und das denkbar knapp.
Eine Schlüsselrolle spielte das direkte Duell der beiden späteren Erstplatzierten in der sechsten Runde. Schlosser hatte sich im Turmendspiel einen Mehrbauern erarbeitet und besaß gute Aussichten, die Partie für sich zu entscheiden. Doch mit 55…e4? verpasste er eine wichtige Gelegenheit. Die Turmzüge 55…Tc4 und 55…Td4 hätten den Vorteil besser festgehalten.

Schlosser – Eberhart: Die kritische Stellung im Turmendspiel. Link zur Partie auf lichess
In der Partie gelangte der weiße Turm über d6, a6 und a5 nach b5 und konnte dort den gefährlichen schwarzen Freibauern beseitigen. Die Begegnung endete schließlich remis.
Eberhart nutzte seine Chance in der Schlussrunde: Mit einem Sieg gegen André Hayen erreichte er 5,5 Punkte aus sieben Partien. Schlosser kam ebenfalls auf 5,5 Punkte, doch die Feinwertung entschied mit 31,5 zu 31 denkbar knapp zugunsten Eberharts. Der Turniersieger durfte sich über den Pokal und 1.250 Euro Preisgeld freuen.
Den dritten Platz sicherte sich IM Markus Lammers (Elo 2284) mit fünf Punkten vor FM Volodymyr Medvedyk und Linus Zwermann, die ebenfalls fünf Punkte erzielten.

Die Siegerehrung des A-Opens.
B-Open: Aumkar Sriram setzt sich durch
Im B-Open für Spieler mit einer DWZ unter 1900 ging der Turniersieg an Aumkar Sriram vom SV 1947 Walldorf. Der mit einer Elo-Zahl von 1719 an Nummer 15 gesetzte Spieler überzeugte mit sechs Punkten aus sieben Runden und verwies die Konkurrenz mit einem halben Punkt Vorsprung auf die Plätze.
Zweiter wurde Dominik Bieneck vom SK Oberkirch mit 5,5 Punkten. Dahinter folgte Alexander Fomenkov vom Hamburger SK mit fünf Punkten, der sich dank der besseren Buchholzwertung vor Demian Salwasser (SC Rastatt) und Hartmut Friedrich (SK Ottenau) behauptete.
Sriram durfte sich neben dem Siegerpokal über 250 Euro Preisgeld freuen.

Die Siegerehrung des B-Opens mit Turniersieger Aumkar Sriram.
C-Open: Viktor Saifutdinov mit makelloser Bilanz
Für die vielleicht bemerkenswerteste Leistung des gesamten Turniers sorgte Viktor Saifutdinov vom SC Pforzheim 1906. Der bislang ohne Wertungszahl geführte Spieler gewann im C-Open sämtliche sieben Partien und sicherte sich mit der makellosen Bilanz von 7 aus 7 überlegen den Turniersieg.
Mit beeindruckenden 1,5 Punkten Vorsprung distanzierte er die Konkurrenz. Den zweiten Platz belegte Halit Eren Kilincarslan von der Schachgemeinschaft Dornstetten-Pfalzgrafenweiler mit 5,5 Punkten. Dritter wurde Martin Gerber von den Schachfreunden Sasbach mit fünf Punkten.
Auf den weiteren Plätzen folgten Mahith Raghupathy vom SK Sandhausen mit 4,5 Punkten und Evan Woloschuk vom SK Lahr mit vier Punkten.
Saifutdinov sicherte sich damit den Siegerpokal und 150 Euro Preisgeld. Sein Durchmarsch war eines der sportlichen Ausrufezeichen dieser vierten Auflage.

Die Siegerehrung des C-Opens mit dem ungeschlagenen Sieger Viktor Saifutdinov.
Schachgenuss im besonderen Ambiente
Neben den sportlichen Leistungen überzeugte das Herbstopen einmal mehr durch seinen außergewöhnlichen Austragungsort. Das Kulturhaus LA8 an der traditionsreichen Lichtentaler Allee gehört zweifellos zu den schönsten Schachspielstätten Deutschlands. Und auch für eine Online-Übertragung der Spitzenbretter auf lichess war gesorgt.
Mit der Siegerehrung am Sonntagabend endeten vier gelungene Turniertage. Ein herzlicher Dank gilt dem Organisationsteam um Hanna Marie Klek, den Schiedsrichtern und allen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.
Endtabellen und Ergebnisse
Die vollständigen Endtabellen aller drei Turniergruppen sind auf Chess-Results abrufbar: