Dieser Artikel ist die Fortsetzung unseres großen Jahresrückblicks. Hier geht´s zurück zum Januar.
Der Februar 2025 war einer der ereignisreichsten Monate im Schachjahr, dominiert vom historischen Sieg eines deutschen Spielers, einem eskalierenden Konflikt zwischen dem traditionellen Verband und dem neuen Format sowie medial prominenten Auftritten von Schach-Entertainern.
🏆 I. Historischer Turnierstart: Freestyle Chess
Das neue Format Freestyle Chess (auch Chess960 oder Fischer Random genannt) feierte im Februar einen aufsehenerregenden Auftakt der Grand Slam Tour im Schloss Weissenhaus.
Vincent Keymer gewinnt in Weissenhaus
Der Höhepunkt war der überraschende und historische Turniersieg des deutschen Großmeisters Vincent Keymer. Auf dem Weg zum Titel schlug Keymer im Halbfinale den Top-Star Magnus Carlsen (1,5:0,5) und besiegte im Finale den US-Amerikaner Fabiano Caruana. Keymer beendete alle seine K.-o.-Matches mit der gleichen Strategie: einem Sieg in der ersten klassischen Partie, gefolgt von einem Remis in der zweiten. Carlsen sicherte sich den dritten Platz. Keymer nannte den Triumph, für den er 200.000 US-Dollar Preisgeld erhielt, den größten Erfolg seiner Karriere.
Freestyle vs. FIDE: Der Eskalierende Konflikt
Das Turnier fand vor dem Hintergrund eines heftigen Konflikts zwischen der Turnierorganisation (Freestyle Chess, gegründet von Jan Henric Buettner) und dem Weltschachverband FIDE statt. Die FIDE bekräftigte öffentlich ihren Anspruch auf die alleinige WM-Vergabe und setzte die Spitzenspieler unter Druck. Buettner warf der FIDE vor, Verhandlungen zu verschleppen, und kündigte an, den Konflikt vor Gericht auszutragen. FIDE-CEO Emil Sutovsky drohte mit dem Ausschluss von Spielern, die die FIDE-Vertragsbedingungen nicht klar unterschreiben, aus dem nächsten Weltmeisterschaftszyklus, falls die Veranstalter weiterhin den parallelen „Freestyle-Weltmeistertitel“ anstreben.
🌐 II. Top-Turniere und Entscheidungen
Chessable Masters (CCT-Serie)
Im Online-Schnellschach gewann Magnus Carlsen das Große Finale gegen Hikaru Nakamura mit 2,5:1,5 und sicherte sich den Titel. Carlsen übernahm damit die Führung in der Gesamtwertung der Champions Chess Tour (CCT).
FIDE Frauen Grand Prix, Monaco (Endstand)
Das zweite Turnier der Grand-Prix-Serie endete mit einem Dreier-Gleichstand. Aleksandra Goryachkina wurde im Tiebreak vor Humpy Koneru und Batkhuyag Munguntuul zur offiziellen Turniersiegerin erklärt. Goryachkina führt damit die Gesamtwertung der Serie an.
Prague Chess Festival (Runde 3)
Das Masters-Turnier startete turbulent. Aravindh Chithambaram führt die Tabelle an (2,5/3). Der deutsche Vincent Keymer liegt nach einem Sieg gegen Wei Yi in Runde 1 und einem weiteren Sieg in Runde 3 auf dem zweiten Platz (2,0/3). Der topgesetzte Chinese Wei Yi hingegen startete mit 0,5/3 enttäuschend. Im Challengers-Turnier teilen sich der Usbeke Nodirbek Yakubboev und der Däne Jonas Buhl Bjerre die Führung (je 2,5/3).
III. Deutsche Schach-Bundesliga
Der Düsseldorfer SK ist nach den Runden 9 und 10 auf klarem Meisterkurs. Der Aufsteiger führt die Tabelle mit 18 Punkten und einem Vorsprung von 3 Punkten vor dem SC Viernheim an. Im Abstiegskampf steht der SK Doppelbauer Turm Kiel nach Rückzug als erster Absteiger fest.
👤 IV. Personalien, Kontroversen und Medien
Mediale Auftritte: Levy Rozman und Alexandra Botez
Der US-amerikanische Content Creator Levy Rozman („Gotham Chess“) startete am 4. Februar 2025 seine Europatournee in Hamburg, bevor er zum Freestyle Chess nach Weissenhaus reiste. Dies markierte einen wichtigen medialen Auftakt für die Veranstaltung. Später im Monat erkundete auch die Streamerin Alexandra Botez (BotezLive) im Rahmen ihrer Europareise die Schachszene in Berlin, was die zunehmende Verbindung von Schach und Entertainment in Deutschland unterstrich.

Levy Rozman. Foto: Wikipedia
Handschlag-Kontroverse
Der usbekische Großmeister Nodirbek Yakubboev sorgte für eine Kontroverse, als er bei einem Turnier in Wijk aan Zee (Tata Steel Chess Challengers) den obligatorischen Handschlag mit den indischen Spielerinnen Vaishali und Divya Deshmukh verweigerte. Yakubboev entschuldigte sich später öffentlich und erklärte, sein Verhalten habe rein religiöse Gründe gehabt.
Nachruf Boris Spassky
Der zehnte Schachweltmeister, Boris Spassky, verstarb am 27. Februar 2025 im Alter von 88 Jahren. Der Russe erlangte den Großmeistertitel bereits mit 18 Jahren und gewann 1969 die Weltmeisterschaft gegen Tigran Petrosjan. Weltweite Berühmtheit erlangte er jedoch durch die Niederlage seines Titels im Jahr 1972 gegen Bobby Fischer im legendären „Match des Jahrhunderts“ in Reykjavík. Spassky, der für seine elegante Spielweise und seinen Sportsgeist geschätzt wurde, war später lange Zeit in Frankreich ansässig und spielte für die Solinger SG in der Deutschen Bundesliga.

Boris Spassky. Foto: Wikipedia
Bei Spassky ist interessant, dass er die ersten 45 Jahre seines Lebens in der Sowjetunion verbracht hat, dann 30 Jahre in seiner Wahlheimat Frankreich (bei Paris) und die letzten 12 Jahre in Moskau (nach überstürzter Rückkehr), wo er gesundheitlich schon stark angeschlagen war.
Seine letzten Turnierpartien spielte Spassky übrigens im Dezember 2009 in einem Match in Elista gegen Viktor Kortschnoi, das auf 8 Partien angesetzt war, und das 4:4 (+2 =4 -2) ausging, siehe https://en.chessbase.com/post/korchnoi-vs-spaky-finish-4-4-in-elista