02.04.2026

4 Gedanken zu „Lichess Nutzerzahlen gruppiert nach Nationen

  1. Die vielen Franzosen liegt wohl auch daran, dass Lichess vom Franzosen Thibault Duplessis „erfunden“, entwickelt und weiterhin betreut wird. Außerdem hat chess.com offenbar kein großes Interesse am französischen Markt.

    Zu FIDE-Elostatistik: Gerald hat auf https://ratings.fide.com/advanced_search.phtml offenbar neben „Germany“ (Default „All countries“) auch „Standard rating“ ausgewählt – dann sind es 35.176, bei oben „Select rating“ sind es 56.948. Es gibt demnach gut 20.000 deutsche Spieler(innen), die nur eine Schnell- und/oder Blitzschach-Elo haben. Und „too many results“ bedeutet nur, dass dann keine Details angezeigt werden. Wenn man es auf klassische Elo 2200+ begrenzt, erscheint „2117 record(s) found. Showing 450 results.“ Frankreich hat übrigens 129.216 Spieler(innen) mit irgendeiner FIDE-Elo, mit Standard rating sind es noch 35.576 – da also noch mehr (gut 70% von allen), die FIDE-relevant nur Schnell- und/oder Blitzschach spielten.

    Die „Datenqualität“ (und damit die Statistik) erscheint mir dabei zweifelhaft. Da man auch ohne FIDE-Elo einen Lichess-Account bekommt, muss man sie (auch wenn man sie hat) nicht angeben. Und wenn man etwas angibt wird es nicht überprüft: Ein niederländischer Schachfreund hat keine FIDE-Elo und hat stattdessen seine nationale Zahl angegeben. Ich glaube ich sah auch mal einen Spieler mit nach eigener Angabe Elo 3000. Erfasst werden also diejenigen, die „Land oder Region“ und (echte oder falsche) Elozahl angeben. Spanier können auch „Andalusia“, „Asturias“ oder „Basque Country“ angeben, „Earth“ ist eine Option, eine Reihe deutscher Spieler nennt aus Solidarität „Ukraine“. Nur wenn man einen Schachtitel im Profil angeben will wird es von Lichess überprüft.

    Als Beispiele: Lichess weiß nicht, welcher von aktuell neun Thomas Richters in der DWZ-Liste ich bin (drei haben eine FIDE-Elo, zwei haben einen Doktortitel aber ich erwähne meinen nicht), oder ob ich ein vereinsloser Namensvetter bin. Nur anhand von Wohnort oder Email (nicht öffentlich, aber man braucht sie zur Öffnung des Accounts) könnte man es eingrenzen, das geht jedenfalls nicht automatisiert.

    In der Lichess-Liga habe ich gegen einen Spieler nun 0.5/8. Ich weiß anhand von Username und Kontext jedenfalls zu 99%, wer sich dahinter verbirgt (auch am Brett 400+ Punkte besser als ich). Aber er nennt weder Klarname noch FIDE-Elo (die er hat) noch Schachtitel (den er im Gegensatz zu mir hat). Demnach ist er wohl keiner der 35.259 auf Lichess, auch wenn er einer von 35.176 auf der FIDE-Liste ist (und, um noch mehr zu verraten, einer von 2117 mit Elo 2200+).

  2. Danke für die Ergänzung, ich wusste nicht, dass es so viele Spieler in den Listen gibt, die nur eine Rapid- oder Blitz-Elo haben. Man denkt automatisch, es müsste jeder zunächst eine Standard-Rating haben….

  3. Der datenaffine Sherlock Thomas war mal wieder neugierig und hat weiter recherchiert – es ist noch komplizierter und kurioser:
    In Deutschland haben offenbar 56.956 Spieler eine FIDE-ID, 35.176 haben eine klassische Elo, 9788 eine Schnellschach-Elo, 9829 eine Blitz-Elo. Das wären zusammen 54.793, aber natürlich haben viele mehrere FIDE-Elozahlen. Den Rest findet man, wenn man bei „Exclude rated players“ einen Haken setzt, immerhin 18.529 (mit FIDE-ID aber ohne Elozahl). Dafür kann es jedenfalls drei Gründe geben:
    – Man ist auf unter 1400 abgestürzt, dann verliert man seine Elozahl (und muss sie ggf. „komplett neu erwerben“).
    – Man hat noch keine Elozahl – noch nicht genug Elo-gewertete Partien oder noch nicht Niveau 1400+.
    – Man brauchte die FIDE-ID nur für andere Zwecke, ich brauchte sie für einen Schiedsrichterkurs. Daher steht in meinem FIDE-Profil (nur) FIDE Arbiter/Trainer License level: National Arbiter Licensed: YES (2022-12-19). Diesen Status werde ich verlieren, wenn ich meine Lizenz 2027 nicht erneuere. FIDE-ID hätte ich auch dann, wenn ich Dezember 2022 den Kurs nicht bestanden hätte.
    Niveau 1400+ habe ich, aber ich habe nie Elo-gewertete Turniere/Partien gespielt.

    Einzelne Spieler mit FIDE-ID aber ohne Elozahl findet man, wenn man nach dem Haken bei „Exclude rated players“ auch genug weitere Filter anwendet, z.B. Geburtsjahr von-bis – wenn man das stark genug eingrenzt um „too many results“ zu vermeiden werden die ersten 450 alphabetisch sortiert angezeigt.

  4. Daten für einige Länder, Deutschland nochmal zum Vergleich, jeweils
    insgesamt (klassisch + Schnellschach + Blitz = theoretische Summe) unrated („exclude rated players“) [Prozent dieser von allen]

    Deutschland 56.956 (35.176 + 9788 + 9829 = 54.793) 18.529 [32,5%]
    Frankreich 129.216 (35.576 + 32.481 + 11.559 = 79.616) 80.070 [62%]
    Iran 83.416 (15.828 + 25.314 + 11.266 = 52.408) 51.751 [62%]
    Türkei 54.402 (11.298 + 2724 + 4797 = 18.819) 41.823 [77%]
    Indien 186.700 (52.667 + 34.744 + 14.799 = 102.210) 121.273 [65%]
    Polen 56.499 (15.984 + 21.791 + 12.703 = 50.478) 28.388 [50%]
    Niederlande 12.645 (6742 + 1122 + 1633 = 9.497) 5513 [43,6%]

    Wie man das alles interpretiert, dazu kann man nun spekulieren. Diverse Faktoren können eine Rolle spielen, einiges landesspezifisch. Klar ist dabei, dass Lichess-Zahlen für viele Länder „aufgebläht“ sind: tausende Spieler haben eine fiktive Elo angegeben, oder die nationale Zahl als FIDE-Elo. In Deutschland ist das nicht zwingend der Fall, aber vermutlich spielt es auch hierzulande eine Rolle.

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