11.07.2026

22 Gedanken zu „Das verschmähte Förderprojekt

  1. Lieber GM Hertneck,
    leider greift das Phänomen, dass auf Nachrichten, die eindeutig einer Antwort bedürfen, trotzdem nicht geantwortet wird, immer mehr um sich. Das erlebe ich auch in meinem Landesverband.

    Ich denke Sie hätten auf jeden Fall eine Antwort in der Art wie eine der folgenden drei erhalten sollen:
    1) „Vielen Dank für tolles und großzügiges Angebot, dass wir liebend gerne annehmen. [Absprache der Einzelheiten]“
    2) „Vielen Dank für Ihr Angebot, aber aus unserer Sicht besteht kein Bedarf an derartigem Trainingsmaterial.“
    3) „Wir sind gerade vollauf mit der Vorbereitung der Abschlusskonferenz Mädchen- und Frauenschach (17. – 19.07.2026) beschäftigt und antworten Ihnen danach.“

    Antwort 2 könnte noch ergänzt werden durch „aber wir werden auf der Abschlusskonferenz Mädchen- und Frauenschach und auf dem Mädchenschachkongress (02. – 04.10.2026) fragen, ob Bedarf gesehen wird.“

    Ich hoffe sehr, dass Sie noch eine Antwort erhalten werden.

    Sie schreiben „für mich als erfahrener Autor und Co-Autor jedoch machbar und meine drei Broschüren zum U8/u10w Schach aus dem Vorjahr sowie drei (gratis) Test für Mädchen zeigen wohl, dass das Angebot Substanz hat.“
    Aus Interesse: Von welchen Werken sind Sie Autor und Co-Autor, von welchen drei Broschüren ist die Rede und wo findet man die drei (gratis) Test für Mädchen?

    Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das übrigens ein Buch von Ihnen über Französisch oder eine kommentierte Sammlung Ihrer Französisch-Partien.

    1. Tatsächlich trage ich mich mit dem Gedanken, nach meiner Pensionierung endlich an meinem ersten Schachbuch zu arbeiten. Begonnen habe ich dies schon vor Jahrzehnten. Bisher fehlten mir da einfach die Lust und die Disziplin, daran kontinuierlich zu arbeiten. Und dann bin ich natürlich Perfektionist, und möchte nichts Halbes abliefern. Und am Ende stellt sich noch die Frage: wer trägt die Druckkosten? Und wie ist am Ende die Kosten-Nutzen-Relation?

      1. Hallo Herr Hertneck,
        ich dachte der Beitrag wäre von Ihnen, da Ihr Name oben angezeigt wird. Der von Heinz Brunthaler wird hingegen nicht genannt.
        Vielleicht ist dieses kleine Missverständnis aber auch eine glückliche Fügung, denn sonst hätte ich Ihnen wohl nie zum Thema Schachbücher geschrieben.
        Ich würde ein Werk von Ihnen wie gesagt sehr begrüßen! Hoffentlich kommt es zu einer Veröffentlichung.
        Weiterhin ist es so, dass wir ein Mitglied im Verein haben, das (der) schon mehrere Schachbücher geschrieben hat. Auch der Verkauf läuft wohl gut. Der Autor könnte Ihre Fragen bestimmt besser als ich beantworten. Bei Interesse vermittle ich gerne den Kontakt.

  2. Hallo Olaf! Der Beitrag ist von mir, Heinz Brunthaler, und Gerald war so freundlich, ihn für den alten klapprigen Nestor einzustellen. Ich hätte allerdings angenommen, dass nach 11 vorhergegangenen Folgen das bekannt sei, aber das Thema ist wohl nicht so der Renner.
    Ich bin neben einer großen Anzahl von Büchern und Broschüren in Deutsch und Englisch der Autor von „SchachTraining“ und Co-Autor bei GM Thomas Luthers Titeln „Das U10-Projekt“ und das dreibändige „Hand- und Arbeitsbuch für den Schachtrainer“ u.v.a.m. In 2025 auch die 3 Broschüren „Schachtraining für Girls“. Nach Taktik sind meine Interessensgebiete Trainingsmethodik und Schachpsychologie.
    Die 3 Tests wurden u.a. von Walters Newsletter präsentiert und auf Schachfeld. Wenn du mir über Gerald deine E-Nail Adr. schickst, sende ich sie dir gerne zu.
    Das „Mission Statement“ für das Projekt ist:
    Speziell für Mädchen der unteren Altersklassen und deren Trainer erstelltes Material bundesweit kostenlos abrufbereit anzubieten.
    Eine solche Grundlage fürs Training sollte eigentlich Interesse wecken, ging aber wohl in der Vielzahl der sozialen oder ideologisch-politisch gefärbten Prrojekte unter. Übrigens wurden auch die 3 vorgenannten Broschüren m.W. in den „Regionalkonferenzen“ nicht erwähnt. Werden sie es in Dresden?

    1. Hallo Herr Brunthaler,
      Ihre Werke kenne ich und habe sie sogar (zugegebenermaßen nicht alle).
      Auch wenn der Beitrag nicht von Gerald Hertneck, sondern von Ihnen ist, so hoffe ich natürlich, dass Sie noch eine Antwort von DSB/DSJ erhalten werden.
      Wegen der 3 Tests wende ich wie empfohlen an Gerald Hertneck.
      Vielleicht nehmen Sie selbst an der Konferenz in Dresden teil?
      „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen will, muß der Prophet zum Berge gehen.“

      Quelle: https://www.proverbius.net/de/deutsche-sprichwoerter/wenn-der-berg-nicht-zum-propheten-kommen-will-muss-der-prophet-zum-berge-gehen

      1. Lieber Schachfreund!
        Danke für den netten Post. Als Prophet tauge ich aber nicht viel, zuwenig Bart- und Haarwuchs nur noch spärlich sind; okay, mit 77 kann man da wohl nicht mehr viel erwarten, grins!
        Für mich ist die Sache nun abgeschlossen. Ich bin kein Bittsteller, der hofft gnädig erhört zu werden. Ich denke, mein Angebot war interessant und hätte etwas gebracht; zumal im DSB-Bereich „Ausbildung“ seit Jahren nichts läuft.
        Abgesehen von einigen Punkten, die mich selbst besonders interessieren, stelle ich auch alle Arbeiten zu diesem Thema ein, u.a. eine Analyse der jungen Altersklassen auf der Basis der letzten DEMs u8/u10w. Was nützen solche, wenn keiner sich dafür interessiert, nichts tun will, um Mißstände anzugehen?
        Die DSJ geht m.E. den falschen Weg, negiert das Spiel selbt zugunsten von sozialen Aktivitäten, die wenig erbringen werden – wenn überhaupt etwas.
        Schade, aber nicht zu ändern.

        1. Wir hatten das doch schon mal.

          Förderprojekt heißt beim DSB Mitglieder gewinnen. Das muss man auch. Allerdings sollte das kein Selbstzweck sein.

          Den Kindern, die sich im Schach verbessern wollen, sollte man auch etwas anbieten. Das kann auch gezieltes Training für bestimmte Gruppen sein. Offenbar interessiert das dann niemanden beim DSB. Eigentlich ziemlich traurig.

  3. Immer wird nur darüber geredet was Mädchen sollen. Keiner fragt die Mädchen/Frauen was sie überhaupt wollen. Schach ist für Frauen/Mädchen einfach eine feindliche Umgebung. Außer man ist in einer Mädchengruppe oder einem Verein wo es mehrere/viele Mädchen/Frauen gibt. Wenn die wegfallen ist man entweder Leistungssportler und will aus eigenem Anrieb was erreichen oder man hat andere Bezugspersonen bzw. eine Gruppe inder man sich wohlfühlt oder man liebt Schach so stark so das man alle Widrigkeiten auch als Einzelkämpfer in Kauf nimmt. Wenn das nicht ist, bleibt man nicht in dieser Umgebung, da gibt es bessere Alternativen für Mädchen bzw. Frauen die Freizeit zu nuzen. Da bringt es auch nichts wenn ich mit 10 eine Superausbildung bekomme um mit Jungen konkurieren zu können. Wenn ich keine Bezugspersonen habe, wo ich mich wohlfühle, bleibe ich nicht dabei.

    Und warum wird alles immer nur für U-irgendwas angeboten? Jetzt macht man was U 12 hat in 6 Jahren ein paar starke Spielerinnen wenn es ein paar durchhalten und dann ist wieder Flaute. Man könnte das ja mal für die breite Masse machen. Frauengruppen bilden usw.

    Die ganze Diskussion geht daran vorbei was Frauen und Mädchen beim Schach hält.

    1. Es ist übrigens nicht richtig, dass niemand die Mädchen fragt, was sie wollen. Inhalt des Forschungsprojekts von Lily Hahn waren durchaus auch Interviews mit den Betroffenen, also Mädchen und Frauen.

    2. Sie haben völlig recht, egal ob im Leistungssport oder auf Amateurlevel, „Schach ist für Frauen/Mädchen einfach eine feindliche Umgebung“ das ist noch eine viel zu wohlwollende Untertreibung, wenn Mädchen/Frauen besonderes Pech haben, dann landen sie und/oder ihre Daten sonst wo und sie haben unter Umständen Jahrzehnte langen Ärger, ohne wissen zu können, wo dieser eigentlich herkommt. Ich freue mich, dass hier mal jemand nicht um den heißen Brei herum schreibt, sondern die Problemzone konkreter benennt, für die im übrigen ein wissenschaftlicher Ansatz völlig ungeeignet ist, diese Art von Problemen zu lösen.

  4. Hallo „eine Frau“!
    Ihre Aussage „Schach ist für Frauen/Mädchen einfach eine feindliche Umgebung“ ist eine ziemlich krasse Behauptung. Vermutlich liegen dem eigene traumatische Erlebnisse zugrunde, die Sie nun generalisieren. Sie schreiben weiter:
    „Immer wird nur darüber geredet was Mädchen sollen. Keiner fragt die Mädchen/Frauen was sie überhaupt wollen.“
    Da Sie einen Kommentar zu meinem Beitrag erstellt haben, wüsste ich gerne, wie sie dazu kommen. Ich sage niemandem, was er / sie soll, sondern biete lediglich Unterstützung für diejenigen an, die von sich aus wollen. Und solche gibt es offensichtlich genug, wie sich an Mitgliedschaften und Turnierteilnahmen ersehen lässt.
    „… da gibt es bessere Alternativen für Mädchen bzw. Frauen die Freizeit zu nutzen.“
    Natürlich können Organisationen wie konfessionelle Jugendverbände, Pfadfinderinnen o. dgl. in Sachen „happy together“ und sozialer Hinsicht mehr anbieten als ein Schachklub, haben durch ihre Masse, ihre Mittel und Struktur ungleich bessere Möglichkeiten als ein Schachverein. Aber dessen Zielgruppe sind Menschen, die primär den Schachsport betreiben wollen, dessen Ausübung am Spielabend nur begrenzten Raum für soziale Aktivitäten lässt.
    „Und warum wird alles immer nur für U-irgendwas angeboten? … Man könnte das ja mal für die breite Masse machen. Frauengruppen bilden usw.“
    Jugendarbeit ist eine grundsätzliche Aufgabe von Vereinen. Die „breite Masse“ oder „Frauengruppen“ fehlen zudem in fast allen Vereinen. In der Regel kann dieses Problem auch durch Anreize nicht gelöst werden.
    Um auf meine Projektidee zurückzukommen: Das ist gerade ein Angebot für die breite Masse, denn Material für die jungen Altersklassen ist auch für Anfänger allen Alters nutzbar.
    Sie machen es sich zu einfach. Irgendwelche unfundierte Kritik üben, illusorische Forderungen aufstellen ist einfach. In der Praxis stößt das schnell an Grenzen, die Realität ist ein harter Lehrmeister.

  5. Hallo Sie eine Frau!

    (ich bin übrigens auch eine Frau)

    Das Statement „Schach ist für Frauen / Mädchen einfach eine feindliche Umgebung.“
    finde ich sehr hart und auch ein bisschen unfair.

    Die Situation als Mädchen kann ich aus eigener Lebenserfahrung nicht beurteilen, da ich erst im fortgeschrittenen Lebensalter auf Schach umgestiegen bin. Ich war früher von den Schlägersportarten fasziniert, und mit ernsteren Rückenproblemen kann man die nicht mehr ausüben.

    Da kam mir Schach als Hobby-Alternative ganz gelegen. Unser Verein hatte außer mir nie weibliche Mitglieder, und ich bin da in die Rolle hineingewachsen, auch resolut zu sein und den anderen auch mal zu sagen, wo’s lang geht.

    Seit einigen Jahren leite ich unsere Schachmannschaft und spiele auch selber in dieser Mannschaft mit. Da habe ich sehr viel Freude dran!

    Also es gibt solche und solche Frauen! 🙂

    1. Hallo Jolien, ich hoffe, dass viele Frauen es so sehen. Umgekehrt kann ich aber auch verstehen, wenn es nicht alle so sehen 🙂

  6. > Ich war früher von den Schlägersportarten fasziniert, und mit ernsteren Rückenproblemen kann man die nicht mehr ausüben.

    Ja, schön, aber damit sind Sie leider als Archetyp raus, denn die meisen Mädchen, die zu uns kommen, sind eher nicht von den Schlägersportarten fasziniert.

    Ich bin zwar auch keine Frau, aber ich kann viele Statements von „eine Frau“ nachvollziehen, weil ich sie tagtäglich im Verein so sehe.

    Gerade in großen Trainingsgruppen, in Schachcamps oder auf Jugendturnieren toben die Jungs zwischen den Runden oder den Trainingszeiten herum, rennen um die Wette, immer geht es um schneller, höher, weiter. Selbst der Lauf zum Klo wird zum Wettkampf. Bei Mädchen hingegen, sofern überhaupt mehrere gleichaltrige dabei sind, wird MITEINANDER gespielt, zusammen Rad geschlagen, zusammen geratscht, zusammen gespielt; nicht gegeneinander. Geht es in einer gemischten Gruppe gegeneinder, sind die Mädchen sofort raus.

    Wir haben knapp 120 Jugendliche im Verein und immerhin knapp 30 davon sind Mädchen. Eine deutlich höhere Quote, als beim Verband. Trotzdem spielen nur fünf Mädchen regelmäßig Wettkämpfe. Der überwiegende Rest kommt zwar mehr oder weniger regelmäßig ins Training, sofern auch Freundinnen da sind, spielt aber keine Wettkämpfe.

    Trainingsmaterial in Ehren, aber ich denke nicht, dass dies der ursächliche Punkt für das Problem „zu wenig Frauen/Mädchen im Schach“ ist.

  7. Zitat Roland: „Trainingsmaterial in Ehren, aber ich denke nicht, dass dies der ursächliche Punkt für das Problem ‚zu wenig Frauen/Mädchen im Schach‘ ist.“
    Er hat hier vermutlich etwas verwechselt und meine Projektidee dem „10.000 € Projekt“ zugeordnet. Es handelt sich aber um ein anderes DSJ-Projekt und dessen Unterpunkt „Online Angebote für Mädchen und Frauen“.
    EINEN ursächlichen Punkt für die geringere Beteiligung von Mädchen am organsierten Schach gibt es ohnehin nicht (außer in den Thesen einiger abgehobener Wissenschaftler).
    Allerdings würde eine frühe Steigerung ihrer Spielstärke wohl einige Mädchen länger im Verein halten. Primär geht es aber darum, den großen Spielstärkeunterschied im Vergleich zu den Boys in der u8 zu reduzieren und ihren Trainern, die vermutlich oft schwächere Spieler oder ein Hobbyspieler Elternteil sind, Material an die Hand zu geben.
    Schwarze Dame ist offenbar mehr als schachfeindlich. und sieht buchstäblich Schwarz. Zitat:
    „… wenn Mädchen/Frauen besonderes Pech haben, dann landen sie und/oder ihre Daten sonst wo und sie haben unter Umständen Jahrzehnte langen Ärger, ohne wissen zu können, wo dieser eigentlich herkommt.“
    Was oder wo könnte „sonst wo“ sein und was meint sie in Bezug auf „Daten“? Und welchen Ärger können Schachdaten (Partien? Turnierergebnisse? DWZ / Elo?) schon jahrzehntelang bereiten? Ähnlich wie im Fall von „eine Frau“ liegen dieser krassen Ansicht wohl unverarbeitete traumatische Erlebnisse zugrunde, die sie generalisiert. Die Angst vor den Daten konnen sowohl eine überspitzte Empfindlichkeit sein als auch schlechte Ergebnisse als eine narzisstische Kränkung gesehen werden.
    Mir erschließt sich übrigens nicht, was die Kommentare der beiden Damen mit meinem Beitrag zu tun haben. Vielleicht können sie mich ja darüber aufklären?

    1. Sie sagen in ihrem Artikel oben „Mädchen, die stärker spielen, bleiben eher im Verein als solche, die schwach sind und dadurch demotiviert werden.“

      Genau das bezweifele ich und hatte angeführt dass Mädchen / Frauen im Verein blieben eher aus folgenden Gründen und wiederhole hier nochmal:
      “ (1) man ist entweder Leistungssportler und will aus eigenem Anrieb was erreichen oder (2) man hat andere Bezugspersonen bzw. eine Gruppe in der man sich wohlfühlt oder (3) man liebt Schach so stark so das man alle Widrigkeiten auch als Einzelkämpfer in Kauf nimmt“
      Da nützt das beste Training nichts wenn ich mich wenn ich mich nicht wohlfühle im Verein. Und es mangelt ja auch nicht an Trainingsangeboten. Viele Verein machen hervorragende Nachwuchsarbeit und dieser Zugang zu hervorragendem Nachwuchstraining steht den Mädchen offen (es nutzen ja auch viele) und sie können dort eine gute Schachausbildung bekommen und müssen nicht schlechter sein als die Jungen.
      Jolien hat das Glück das sie einen Verein gefunden hat, in dem sie sich als einzige Frau wohlfühlt und ich habe auch nicht behauptet das es das nicht gibt, siehe meine 3 Punkte.

      Ich habe Ihre Beiträge zu Girls und Schach mit großem Interesse gelesen und schätze sehr, das sie sich aktiv engagieren, der Sache auf den Grund zu gehen, wo die Probleme bestehen, daran interessiert sind Mädchen Möglichkeiten zukommen zu lassen eine gute Schachausbildung bekommen zu können und sie letztendlich im Verein zu halten. Das kann ein Baustein sein, meiner Meinung nach aber nur ein Baustein, da die Tatsache das wenig Frauen/Mädchen in Verein sind eine viel tiefer liegende Ursache hat. Siehe wieder meine 3 Punkte.

      Ich bin mit 8/9/10 sogar auch noch mit den Jungs um die Wette gerannt. War in einer gemischten Nachwuchsgruppe, wir hatten viele Mädchen in dieser Gruppe, ich schätze sogar im Verhältnis Jungen : Mädchen 60:40. Wir haben alle eine gute Ausbildung bekommen und regelmäßig regionale Nachwuchsmeisterschaften gespielt in unseren Altersklassen. Die Ausbeute der Mädchen an Treppchenplätzen war dabei sogar besser als die der Jungen.
      Aber trotzdem haben alle Mädchen nach und nach aufgehört, sowie einige Jungen und mit 14/15 waren ich dann das einzige Mädchen unter vielen Jungen. Das war jetzt kein „Trauma“ für mich, denn ich habe mich wohlgefühlt unter den Jungen, sie waren alle sehr nett zu mir und das wichtigste Schach hat mir Spaß gemacht und ich bin gern zum Training gegangen. Aber nicht jeder erlebt das so gut integriert im Jungsteam zu sein. Punkt ist aber das alle Mädchen aufgehört hatten und das obwohl sie nicht schlechter waren als die Jungs und in den Nachwuchsmannschaften gut integriert waren. Meiner Meinung nach fehlte dann wohl einfach die soziale Basis für die Mädchen. Und das ist meiner Meinung nach ein viel größeres Problem als der „Gender-Gap“

      Trotzdem wie gesagt, ich schätze ihr Engagement sehr und freue mich über jeden der solch ein Engagement zeigt, den Frauen und Mädchenanteil im Schach zu erhöhen. Und ich hoffe sehr das der AK sich Ihrer Vorschläge annimmt, da ich diese sehr gut finde.

  8. Hallo eine Frau! (Kann ich Sie in Zukunft einfach „Efra“ nennen?)
    Danke für Ihre Antwort und die netten Worte, ich weiß das zu schätzen. Die von Ihnen aufgeführten Punkte sind durchaus richtig, aber Sie blenden einiges aus. Die erreichte Spielstärke ist bei Jungen wie Mädchen durchaus ein Faktor, der über den Verbleib im Verein mitentscheidet. Und ganz besonders dann, wenn es keine starke soziale Bindung gibt, was gerade bei Girls oft gar nicht möglich ist. In der Altersklasse Girls 7-14 hat der DSB 3.373 Mitglieder (Stand 2024), was bei ca. 2.200 Vereinen rund 1,5 Mädchen ausmacht. Auf Rolands Klub mit 30 Girls kommen also 20 Vereine, die leer ausgehen. HSK oder Schachwerge MD erhöhen die Zahl von „Mädchen-losen“ Klubs noch weitaus stärker.
    Aber davon abgesehen: Wer verliert schon gerne dauern, bleibt zurück wo andere vorwärtskommen, ist zu schwach für eine Mannschaft? Ein Girl geringer Spielstärke wird oft frustrierende Erlebnisse haben, was die Motivation zum Verbleib unterhöhlt. Mit höherer Spielstärke sind jedoch Anerkennung, Lob und ein rundum gutes Gefühl verbunden, was zum längeren Verbleib im Klub führt. Zudem ist nicht jede Mädchengruppe Friede, Freude, Eierkuchen. Es gibt auch dort zuweilen Rivalitäten oder Zickenkrieg, keineswegs sind alle Girls immer lieb und nett.
    Das ist aber auch nur ein Randaspekt. Sie schreiben:
    „Und es mangelt ja auch nicht an Trainingsangeboten. Viele Verein machen hervorragende Nachwuchsarbeit und dieser Zugang zu … steht den Mädchen offen … und sie können dort eine gute Schachausbildung bekommen.“
    Ich habe aktuell hunderte von Partien U8w/u10w analysiert und sehe bei vielen Spielerinnen wenig bis nichts von einer guten Schachausbildung. In der DEM u8w hat ein Teil der Girls kaum Turnierreife, werden elementare Dinge nicht gewusst, werden Eröffnungen gespielt, die das Besserwerden erschweren etc. Das lässt nicht auf gute Trainer schließen, die solche Lücken leicht hätten schließen können. Auch der internationale Vergleich zeigt Ähnliches.
    Gerade für diese Altersklasse, die nicht einfach mit den üblichen Materialien abgefunden werden kann, ist ein besonders abgestimmtes Trainingsmaterial nötig und ebenso eine Schulung der Trainer/innen.
    Der AK Mädchenschach hat sich nun seit 27 Tagen nicht gerührt und wird dies wohl auch nicht vor dem Jüngsten Tag tun, Schade, aber nicht zu ändern.

    1. Lieber Heinz, du sprichst hier einen unglaublich wichtigen Punkt an, Zitat: „Mit höherer Spielstärke sind jedoch Anerkennung, Lob und ein rundum gutes Gefühl verbunden“. Genau hier sollte man meiner Meinung nach ansetzen. In meiner schachlichen Entwicklung war genau das ganz wichtig. Und ich frage mich, wieso ist es bei vielen Frauen nicht so? Vielleicht weil sie dem harten Wettbewerb frühzeitig ausweichen.

  9. Das ist sicher richtig. Es ist erwiesen, dass Mädchen / Frauen sehr viel weniger an Turnieren teilnehmen als Jungs / Männer und das trägt sicher zum Gender Gap bei. Vermutlich spielen die Boys auch mehr und öfter im Internet und sammeln so Erfahrung und Spielpraxis. Ich weiß von 8- oder 9-jährigen, die schon viele hunderte von Rapid-Partien online gespielt haben. Leider gibt es auch dazu keine Untersuchungen.
    Generell muss man diese Tatsachen wohl akzeptieren und kein Frauenförderverein und keine Aktionen mit sozialem Charakter werden daran viel ändern.
    Durch ein besseres Training kann aber vielleicht diese Hemmschwelle für die Jüngsten etwas gesenkt werden. Es ist natürlich kein Allheilmittel, aber einer der vielen kleinen Schritte, die zur Verbesserung führen – und die offenbar kaum jemand gehen will.

  10. Es geht wohl gerade darum (so habe ich auch den Beitrag von „eine Frau“ verstanden), dass den Schachvereinen die Mädchen nicht nur wegen schwacher Leistungen im Schach abhanden kommen, sondern auch „andere Umstände“ bewirken, dass sie sich nicht wohl genug im Verein fühlen, um über das Kinder- und Jugendalter hinaus dem Vereinsschach treu zu bleiben.

    Gerade die Abschluss – Regionalkonferenz zum Mädchen- und Frauenschach in Dresden jetzt im Sommer 2026 wird die hierzu gewonnen Erkenntnisse präsentieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert