11.07.2026

33 Gedanken zu „Das verflixte Kandidatenturnier!

  1. Wenn das Kandidatinnenturnier des DSB sportlich so unbefriedigend besetzt ist, legt das die Vermutung nahe, dass der finanzielle Anreiz nicht wirkt. Es wäre gescheiter, die Anreize bei den Männern zu erhöhen. Falls Normen möglich sind, also Titelträger zu unterstützen.
    Mir wurde die Teilnahme angeboten, war sie aber schlicht zu teuer bei zu geringem Preisgeld und ohne Normchance.

    1. Ich weiß nicht, ob es hilfreich ist, das Kandidatinnenturnier so schlecht zu reden. Die Topspielerinnen (die spielen wollen) sind allesamt im Meisterturnier. Im Kandidatinnenturnier sehe sich viele Spielerinnen, die auf Landesebene bekannt sind oder bei den Nachwuchsspielerinnen in ihrer Altersklasse bundes- oder zumindest landesweit an der Spitze der Eloliste stehen, gerade auf der Jugend-Weltmeisterschaft waren oder sich sonst wo ihre Sporen verdient haben. Aber klar! Graben wir diesem zarten Pflänzchen noch das Wasser ab und richten das Frauen-/Mädchenschach final hin, indem wir das Preisgeld auf die Männer umschichten…

      1. Hallo Roland, wie meinst du das, „schlecht reden“, gerade habe ich zufällig den Teilnehmerschnitt bei den Kandidatenturnieren ausgerechnet:
        Kandidatenturnier der Männer: Eloschnitt 2288, also in etwa FM-Niveau
        Kandidatenturnier der Frauen: Eloschnitt 1917, also weit unter WFM-Niveau
        Zitat: Um Damen FIDE-Meister zu werden, muss sich eine Spielerin bei offiziellen FIDE-Turnieren ein Rating (Elo) von mindestens 2100 erspielen.
        Und wie ist die Differenz zwischen Männern und Frauen? Diese liegt bei 370 Punkten! Und da wird noch von einer Deutschen Meisterschaft gesprochen?
        Tut mir leid, wenn ich das so kritisch sehe, aber ich bin nun mal Großmeister, und habe noch nie in meinem Leben unter Elo 2400 gehabt.
        Im übrigens ist es auch keine besondere Anerkennung des Organisationsaufwands durch die Gastgeber, wenn die Beteiligung so schwach ist.

        1. Ja, und jetzt? Verbieten wir das Frauenschach, weil es zu schlecht besetzt ist? Oder was willst Du damit sagen? Im Kandidatinnenturnier treten jene Spielerinnen an, die sich auf Landesebene oder in ihrer AK ihre Sporen verdient haben. Und denen sagst Du jetzt, dass sie sich gefälligst verp**** sollen, weil sie nicht Deinen Normen entsprechen?

          1. Ich fürchte du hast meinen Kommentar nicht wirklich verstanden. Meine Ausgangsfrage war, was man tun kann, um die Lage zu verbessern.
            Zur Misere passt übrigens dass auf dem Schachgipfel das Ergebnis der Frauen- und Mädchenstudie vorgestellt wird. Bisher hat sich aus meiner Sicht kaum was gebessert.

          2. Da man auf Deinen Post aus irgendeinem Grund nicht antworten darf, antworte ich mal auf meinen. 😉

            Jede einzelne Spielerin im Kandidatinnen-Turnier hat für sich irgendeine herausragende Leistung erzielt. Zweifache Landesmeisterin, mehrfache Jugendmeisterin, Deutsche Amateurmeistin, Mehrfache Bezirksmeisterin, Vize-Europameisterin, und so weiter und so fort. Keine, die dort spielt, ist zufällig dort. Wenn das unter den Hertneckschen Zulassungskriterien liegt, dann ist das eben so. Wenn Du für nächstes Jahr bessere backen kannst, dann wirf schon mal den Ofen an!

          3. Hallo Roland, ich glaube hier kommen wir nie zusammen, und das ist wohl auch gut so. Seit frühester Jugend habe ich auf das Leistungsprinzip gesetzt, und insofern auch Leistungen erzielt, sonst wäre ich wohl nicht Großmeister geworden. Das deutsche Frauenschach ist gerade im Nachwuchsbereich überhaupt nicht gut aufgestellt. Wenn du mehr entlang Fakten, Daten und Zahlen argumentieren würdest, dann wäre dir das auch klar. Deine Zulassungskriterien laufen im wesentlichen darauf hinaus, dass man sich unabhängig von der Spielstärke qualifizieren kann. Alle haben sich dann im Turnier lieb und wollen sich nicht wehtun. Im Kandidatenturnier der Männer sehe ich im Vergleich viele starke Nachwuchsspieler, und das gefällt mir. Ich bin gespannt, wie ich mich in dem Feld schlage.

  2. Ich finde den Preisfonds angemessen. Unter den Teilnehmern im Kandidatenturnier sind viele Nachwuchsspieler, von denen ein Großteil mit großer Wahrscheinlichkeit bald IM oder GM sein wird. Das Turnier ist aus meiner Sicht auch für etablierte IMs und GMs eine sportliche Herausforderung. Mehr Werbung ist nie verkehrt, letztlich sehe ich aber auch kein wirkliches Problem darin, dass im Kandidatenturnier vergleichsweise wenige GMs und IMs spielen. Es spielen halt die, die spielen wollen.

    1. Lieber Markus, natürlich spielen die, die wollen (und dürfen). Aber wenn man so argumentiert wie du, dann wirft man im Grunde die Flinte gleich ins Korn, und sieht tatenlos dabei zu, dass die Deutsche nicht das Niveau erreicht, das sie verdient. Übrigens war die Besetzung im letzten Jahr noch besser.

      1. Den deutschen Nachwuchsspielern die Gelegenheit zu geben sich gegen starke Gegner zu erweisen, ist sicher richtig im Sinne der Förderung. Nur so als Beispiel wäre die regelmäßige Veranstaltung normenfähiger Rundenturniere für die deutschen Kaderspieler durch den DSB da allerdings eine bessere und auch günstigere Alternative, als zu versuchen mit mehr Preisgeld IMs oder GMs für das Kandidatenturnier anzulocken. Welches Niveau der deutsche Nachwuchs erreicht, entscheidet sich m.E. nach nicht dort. Da gibt es auch noch viele andere Maßnahmen, die von bei andere Nationen für Nachwuchsspieler angeboten werden, aber derzeit nicht bei uns.

  3. Zitat Markus Schirmbeck: „Nur so als Beispiel wäre die regelmäßige Veranstaltung normenfähiger Rundenturniere für die deutschen Kaderspieler durch den DSB da allerdings eine bessere und auch günstigere Alternative, als zu versuchen mit mehr Preisgeld IMs oder GMs für das Kandidatenturnier anzulocken.“
    Man sollte schon unterscheiden zwischen dem Qualifikationsturnier zur Deutschen Meisterschaft und reinen Fördermaßnahmen. Es gibt genug Möglichkeiten für den Nachwuchs, Normen zu erspielen in den zahlreichen Open Turnieren, auch in den regelmäßigen Rundenturnieren in anderen Ländern. Es ist nicht Aufgabe des DSB, allen Talenten den Weg zu Titeln zu ebnen.
    Noch krasser ist das beim Frauen Kandiatenturnier. Mit einem Eloschnitt von 1919 ist das ein sehr schwaches Turnier, das keine Förderung (außer dem Aufstieg) beinhaltet. Um besser zu werden müssen die Damen und Mädchen gegen starke Gegner (und nicht nur gegen Frauen) spielen statt unter ihres schwachen Gleichen. Tatsächlich eine Schande für den DSB, dass das Niveau im Frauenschach so niedrig ist. Laszlo Polgar hat sich dazu klar ausgedrückt und der Erfolg hat im ja offensichtlich recht gegeben.

  4. Ein paar Anmerkungen:
    1. Mehrere Titelträger nehmen zwar am Schachgipfel teil, aber an anderen Turnieren. In der Meisterklasse der Frauen sind die IM Dinara Wagner und Sarah Papp zu finden, für die Seniorenmeisterschaft 65+ sind zwei GM (Rainer Knaak und Thomas Pähtz) sowie 3 IM (Evgueni Chevelevitch, Joachim Brüggemann, Klaus Klundt) gemeldet, für die Seniorenmeisterschaft 50+ 4 IM (Jacek Dubiel, Frank Zeller, Cliff Wichmann, Uwe Kersten).
    2. Bei den Preisen für die Kandidatenturniere kommt bei den ersten beiden Plätzen noch die Qualifikation für das Meisterturnier des Folgejahres hinzu, was neben der Teilnahme an einem sportlich attraktiven Turnier und ggf. Normchancen auch mit einem finanziellen Nutzen (garantiertes Preisgeld bei Übernahme der Übernachtungskosten durch den DSB) verbunden ist.
    3. Es gibt weder eine „Meisterklasse der Männer“ noch eine „Kandidatenklasse der Männer“, sowohl an der Meisterklasse als auch an der Kandidatenklasse dürfen selbstverständlich auch Frauen teilnehmen, wenn sie sich qualifizieren (Carmen Voicu-Jagodzinsky hat in der Tat 2025 an der Kandidatenklasse teilgenommen).

    1. Hallo Holger, alle Anmerkungen sind richtig, allerdings ging es ja in dem Beitrag in erster Linie um das Kandidatenturnier. Dass dieses offen für Frauen ist, ist richtig, allerdings ist heuer nicht eine Frau dort gemeldet, insofern ist das kaum praxisrelevant und dient eher der Begriffsverwirrung.

  5. Kommentar von Heinz Brunthaler: Ich denke, man sollte das Kandidatenturnier als offenes Open austragen (nur deutsche Teilnehmer, nach unten begrenzt, z.B. Elo 2.000). Die Landesmeister sind meist schwach, mit einem bezahlten Freiplatz wären sie da schon gut abgefunden. Aus den Startgeldern könnte man den Preisfont erhöhen, was es schon mal etwas attraktiver machen würde. Höhere Preise, mehr Interesse von Halb- und Profis, mehr Anreiz. Für einen Großtitelträger ist es nicht sehr ansprechend, gegen einen Haufen eher mäßiger Spieler anzutreten, die ihm Elo abklammern wollen. Sind mehr Spieler seinesgleichen am Start, sinken zwar die Preischancen, aber auch das Risiko des Eloverlusts wird etwas reduziert, da das Niveau steigt.

  6. Ich habe mir mal einiges näher angeschaut, zunächst zu den Titelträgern:
    Von den 103 deutschen GMs (der verstorbene Peter Enders wird immer noch erwähnt) sind 75 aktiv. „Aktiv“ kann dabei auch bedeuten: keine Turniere mehr, nur noch Mannschaftskämpfe – z.B. Doettling, Gustafsson, Baramidze, Wahls, Lobron, Rabiega (bis auf Gustafsson alle unterklassig). 27 haben aktuell Elo 2500+, 59 haben Elo 2400+.
    Von den 298 IMs sind 177 aktiv (auch da wohl jedenfalls einige „nur noch ein bisschen“), 52 haben noch Elo 2400+. Es gibt Grenzfälle (aktuell knapp unter 2400), aber tendenziell würde ich sagen „etwa 110 ’starke‘ Titelträger“.

    1. Lieber Thomas, mir war beim Schreiben des Artikels schon klar, dass es genügend Inaktive unter den Titelträgern gibt, wobei ich diese in zwei Gruppen einteilen würde: die vollständig inaktiven und die halb Inaktiven, die sich vielleicht reaktivieren lassen. Es ist natürlich, dass unter diesem Aspenkt die Zahlen weniger dramatisch ausfallen, aber aus meiner Sicht immer noch dramatisch genug!

      1. Mir stellt sich da die Frage, ob man „halb inaktive“ Spieler gezielt reaktivieren sollte – einschließlich Privilegien: nicht qualifiziert und man würde sie (da zuvor „abgetaucht“) auch nicht unbedingt vermissen, sollen dann Kosten übernommen werden? Das persönliche Angebot „Du kannst als Selbstzahler teilnehmen“ bekamen offenbar jedenfalls einige (siehe erster Kommentar).
        Das gilt erst recht, wenn die aktuelle Spielstärke nicht mehr zum (irgendwann erworbenen und dann lebenslang gültigen) Schachtitel passt. Ich vergleiche es mal mit den Vorjahren:
        2025 mit Vitaly Kunin im Vergleich zu jetzt ein vierter GM und insgesamt fünf IMs (Tobias Kügel als Turniersieger und Bennet Hagner als Nachrücker spielen nun im Meisterturnier). Haben die beiden Münchner IMs, der mir persönlich bekannte Christian Koepke (2328) und der mir unbekannte Alexander Maier (2226) das Turnier „aufgewertet“? Zwei waren damals FM und sind nun IM – Hussain Besou spielt, Christian Glöckler nicht (er hätte sicher eine Nominierung durch die Kommission Leistungssport bekommen aber hat vermutlich kein Interesse).
        2024 am viel kritisierten Austragungsort Ostfildern/Stuttgart: Hagen Poetsch als einziger GM – als Turniersieger wollte er offenbar 2025 (im Gegensatz zum Zweiten FM dann IM Dobrikov) nicht Meisterklasse spielen sondern nur wieder Kandidatenturnier. Außerdem sieben IMs (sechs mit IM-Niveau und auch damals Alexander Maier).

        1. Hallo Thomas, du sezierst zu fein, wenn du in die Einzelkritik gehst, das mag berechtigt oder unberechtigt sein. Alexander Maier ist sogar in unserem Verein, er ist manchmal ein giftiger Spieler, hat aber sicher nicht mehr IM-Stärke. Es ging doch in dem Beitrag um den allgemeinen Wunsch, die Meisterklasse stärker zu machen. Wobei ich mich langsam frage, ob das wirklich ein Ziel des Deutschen Schachbunds nicht. Inzwischen möchte man vermuten: eher nicht! Im Grunde könnte es mir egal sein, da ich aber genau einer von denen bin, die gerne über einen Freiplatz in das Turnier einsteigen, den ich ja auch bekommen habe, ist es mir natürlich nicht ganz egal!

  7. Zu den Rahmenbedingungen des Kandidatenturniers laut Ausschreibung:
    Orgabeitrag von 1080 Euro (dafür Übernachtung mit Frühstück und Tagegeld) wird generell von den Landesverbänden übernommen, die „einen Eigenanteil von den Spielern erheben“ können. Selbstzahler zahlen natürlich selbst.
    Startgeld von 200 Euro, „das in voller Höhe in den Preisfonds fließt“, zahlen die Spieler (alle?) selbst. Deshalb bei 35 Teilnehmern 7000 Euro Preisgeld, da also gar kein Beitrag von Schachbund oder Sponsoren? Nur die Pokale für die ersten drei werden vom Sächsischen Innenministerium gefördert …. .

    Teilnahmeberechtigt sind zunächst 21 Spieler aus den Landesverbänden (je zwei aus Baden, Bayern, NRW und Württemberg, je einer aus den anderen Verbänden). Außerdem u.a. der Sieger der DPEM 2025, der Sieger der A-Gruppe der DSAM (letztes Jahr war Carmen Voicu-Jagodzinsky die Siegerin und durfte deshalb bei den Männern mitspielen), ein von der DSJ nominierter Spieler, …. . Jedenfalls als Option „von der Kommission Leistungssport zu nominierende Spieler“ (im Fall des Falles und bei Interesse diejenigen, die erst nach Absagen von Keymer, Blübaum und Frederik Svane einen Platz im Meisterturnier bekamen? nun eventuell andere, war es der Fall?). Und erst dann „Freiplätze auf Selbstzahlerbasis, wobei eine gerade Teilnehmerzahl anzustreben ist“ – vielleicht also kurzfristig noch einer oder auch drei und damit auch noch etwas mehr Preisgeld?

  8. Natürlich hängt das von zweierlei ab. Berlin hat die letzten Jahre immer einen IM oder GM als Qualifikation entsendet – was aber natürlich auch daran liegt, dass die Landesmeisterschaft attraktiv ist. Tatsächlich konnte 2025 in der Berliner Meisterschaft sogar eine IM-Norm erzielt werden. Das lässt sich manchmal sogar dann positiv miteinander verbinden.

    Aber natürlich werden auch wir uns für die Zukunft fragen (müssen) wie wir zu attraktiven Wettbewerben beitragen können. An vielen Stellen hängt das aber natürlich auch mit Geld zusammen – wenn wir mehr Geld eintreiben, sind bezahlte Freiplätze zur Aufwertung natürlich auch einfacher möglich. Mal sehen, ob es uns gelingt uns da im nächsten halben Jahr in eine gute Position zu bringen, dass da mehr geht. Wir arbeiten dran!

  9. Zu Landesmeisterschaften: zwischen den Verbänden recht unterschiedlich, und in Bayern vergleichsweise schlechtes Preisgeld. Zu einigen/vielen Landesverbänden habe ich dabei gar nichts gefunden, was ich fand:

    Bayern 24.-30.8.2025 in Rosenheim (auf das gesamte Bundesland bezogen dezentral, dabei wohl recht gut erreichbar), 9 Runden an 7 Tagen. Preisgeld insgesamt nur 1275 Euro (400 für den Sieger). Immerhin überschaubare Kosten: Startgeld 200 Euro war einschließlich Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer und 7 Essensmarken a 10 Euro – deckt vielleicht nicht alles ab aber das meiste, auch mit Einzelzimmerzuschlag 150 Euro noch ein „Schnäppchen“.

    Berlin 4.-12.4. 2026, 9 Runden an 9 Tagen. Preisgeld 6725 Euro (2500 für den Sieger). Da ist kein Ort dezentral, und viele werden wohl pendeln und brauchen kein Hotel.

    Andere „dazwischen“ mit anderem Konzept, Preisgeld grob vergleichbar mit ähnlich stark besetzten Wochenendturnieren?
    Hessen 14.5. (Himmelfahrt) – 17.5., 7 Runden an 4 Tagen. Ober-Ramstadt bei Darmstadt vergleichbar mit Rosenheim? Preisgeld 2350 Euro (1000 für den Sieger). Formal ein offenes Turnier, dabei wenige Teilnehmende aus anderen Bundesländern.

    Niedersachsen 2.-5.1. 2026 in Verden/Aller (das ist vielleicht „tiefe Provinz“), Preisgeld 2500 Euro (900 für den Sieger), auch hier 7 Runden an 4 Tagen.

    Rheinland-Pfalz 19.-22.6. ins RLP Open integriert (relativ viele aus anderen Bundesländern und auch einige aus dem Ausland), auch 7 Runden an 4 Tagen. Preisgeld 2575 Euro (1000 für den Sieger).

    Soweit ich es fand, in anderen Bundesländern oft auch 7 Runden an 4 Tagen, teils gar keine Info zu Preisgeld (nur „Qualifikation für das Kandidatenturnier und Pokal“).

    1. Wieso soll Verden „tiefe Provinz“ sein? Das liegt in Niedersachsen ziemlich zentral und ist verkehrstechnisch gut angebunden (Bahnstrecke Hannover-Bremen, A27).

      1. Na gut, „mitten in der Provinz“ – stimmt auch nicht ganz, relativ nahe an Bremen. Es war dabei ja eine Reaktion auf Gerald – der tendenziell davon ausgeht, dass Landesmeisterschaften überall ähnlich (un)attraktiv sind wie in Bayern?

  10. Ich denke es liegt an dem Qualifikations Modus. Württemberg hat das System im kleinen kopiert. Ein inzwischen nur noch IM-Turnier als Master, wo von den zehn Teilnehmern vier Ausländer sein müssen. Zwei sind Aufsteiger aus dem Kandidatenturnier und haben zum Teil nicht einmal 2000 ELO. Damit bleiben einige sehr wenige (und immer dieselben), die um den Titel spielen. Fürs aktuelle Kandidatenturnier haben sich gerade einmal vierzehn Spieler angemeldet, zumeist unter 2000.
    Lange Qualifikationswege sind nicht attraktiv. Worher weiß ich ob ich nächstes Jahr Zeit haben werde die Qualifikation zu nutzen? Wenn ich in das Meisterturnier aufsteige und dann dort mich sogar qualifiziere dann darf ich ein wenig interessantes Kandidatenturnier auf Bundesebene spielen… Prima!
    Und was hat ein Titel eines Meisters noch für einen Wert, wenn weder bei der DM noch bei Jugend-WM oder EM die besten sicherlich nicht auf die Idee kommen mitzuspielen.
    Da ist es doch viel, viel einfacher zu einem interessanten, gut besetzten Open zu fahren. Gibt es überall und zu jeder Zeit.
    Funktionäre sollten eigentlich daraus ihre Schlüsse ziehen, aber wann hat es sie schon einmal interessiert wer die Turniere mitspielt.

    1. OK, das kann man aber dem DSB nicht vorwerfen, dass auf Landesebene „seltsame“ Turniere abgehalten werden, in denen man sich dann für die „Deutsche“ qualifiziert. Natürlich könnte man im Kandidatenturnier auch eine Offene Deutsche Meisterschaft einführen (Qualifikanten plus freie Anmeldungen), und inzwischen bin ich fast so weit, dass ich das als Lösung des Problems ansehe.

    2. Jeder kann die Meisterschaft seines Landesverbands als „seltsam“ bezeichnen. Württemberg will „etwas Gutes tun“ und IM-Normen ermöglichen, das ist dann auch wieder falsch. Dabei gilt für die ausländischen Spieler, die man für Normen eben braucht, jedenfalls im Prinzip: aktive Spielberechtigung für einen württembergischen Verein und/oder Wohnort in Baden-Württemberg.
      Schachfreund Lorscheid wäre im Württemberger Kandidatenturnier wohl jedenfalls Mitfavorit und könnte nach Qualifikation im Jahr darauf garantiert gegen drei Titelträger spielen – auch in gut besetzten Opens gibt es diese Garantie nicht. Natürlich ist man für Landesmeisterschaft an deren Termin gebunden, während es Opens „zu jeder Zeit“ gibt – also auch, wenn man selbst mal Zeit hat. Sowie „überall“ d.h. man kann es auch als Urlaub betrachten oder damit kombinieren.

      Wie wird es eigentlich zukünftig im schachlich vereinigten Baden-Württemberg? Württemberg hat diese Turniere, Baden hat ein Meisterturnier nach Schweizer System im Prinzip für DWZ/Elo 2000+ – maximal 50 Teilnehmer, Preisgeld (2000 Euro) war ab 35 Teilnehmern garantiert, dieses Jahr waren es 23. Der an eins gesetzte IM wurde übrigens Dritter. Baden und Württemberg bekommen zusammen wohl eine qualitativ und quantitativ stärkere Landesmeisterschaft. Da werden sich aber wohl nicht vier Spieler für das deutsche Kandidatenturnier qualifizieren, stattdessen wird womöglich ein anderer Landesverband der viertgrößte der zwei Spieler nominieren kann.

      In Bayern „stört“ Gerald (Hertneck) wohl vor allem das „schlechte“ Preisgeld. Da gilt: mitspielen dürfen die top10 des Vorjahres und 16 Qualifikanten aus den 8 Bezirken – viele müssen also auch die Bezirksmeisterschaft (erfolgreich) spielen. GMs und IMs können aber wohl „auf Wunsch“ auf bayerischer Ebene einsteigen.

      Deutschlandweit ist es ein ziemlicher föderalistischer Flickenteppich, in Berlin: viel Preisgeld, damit auch für starke Spieler attraktiv. Aber dieses Jahr wollten sie laut Ausschreibung mindestens 40 Teilnehmer in der Meisterklasse und bekamen 30 – für diejenigen die sich kein Preisgeld ausrechneten also auch nicht sehr attraktiv? Potentiell könnte ich einen Artikel zu ganz Deutschland schreiben – aber Recherche ist mühsam da man es oft nicht auf Anhieb findet.

      Überall gilt: Man kann Spieler nicht zwingen, an Turnieren teilzunehmen. Welche „Schlüsse“ sollten Funktionäre denn ziehen? Mehr Preisgeld ist leichter gesagt als umgesetzt – das über Startgelder finanzieren hat (siehe auch oben zu Baden) „Risiken und Nebenwirkungen“. Sponsoren kann man suchen und dann nicht finden, Finanzierung aus allgemeinen Mitgliedsbeiträgen wäre auch „Geschmackssache“.

      Meckern, schimpfen, Funktionäre kritisieren, … ist einfach. Selbst Funktionär werden wäre eine Option – dann Vorschläge, wie man es besser machen kann und diese umsetzen!?

  11. Naja, Ziel sollte es ja sein die Nummer 10-50 der Rangliste einzubinden. Aber wie sieht es aus deren Sicht aus? Entweder eine Landesmeisterschaft spielen, wo Kosten vielleicht höher als die Preise sind, dann das Kandidatenturnier mit Chance auf etwas plus. Oder gleich das Kandidatenturnier über Freiplatz mit bei den Unkosten realen Chancen Verlust zu machen. Wenn ich ernsthaft Profi bin, geht beides nicht. Alternative ist ein Open zu spielen, wo die wesentlichen Unkosten vom Ausrichter gedeckt werden und man was gewinnen kann.
    Einfach einmal überlegen was die komplette Meisterschaft kostet und was man damit alles machen könnte.

    1. Gestern Abend hat mich Bernd Vökler angerufen und sich auf den Artikel bezogen, er wird zu dem Thema eine Podiumskommission in Dresden organisieren. Tatsächlich sieht auch der DSB das Problem, dass das Kandidatenturnier suboptimal besetzt ist.

  12. Ein gutes Beispiel wie realitätsfern Turnierverantwortliche sein können zeigt, dass im WSV Kandidatenturnier für ein Turnier mit einem 1900er Eloschnitt von Stuttgartern bis zu 235€ Startgeld verlangt wird. Und dann jammert man, dass niemand mitspielt.

    1. Da braucht man wohl wieder … bei der Fußball-WM würde man sagen den Video-Assistenten, der das nochmal überprüft. 235 Euro sind es bei zu später Anmeldung, bei rechtzeitiger Anmeldung sind es 180 Euro – klingt immer noch happig aber man bekommt dafür einiges:

      Startgeld ist 60 Euro (Jugendliche 40 Euro, Bezirksmeister startgeldfrei, verspätet 85 Euro). Dafür gibt es für so ein Turnier „beachtliche“ 1800 Euro Preisgeld.

      Organisationsbeitrag ist 120 Euro, verspätet 150 Euro. Dafür gibt es auch täglich (wohl 7*) Mittagessen und zwei gemeinsame Grillabende. Natürlich können Spieler sagen „das will ich nicht, das brauche ich nicht“ – oder Mittagessen nur an den zwei Tagen mit Doppelrunden. Aber dann wird es logistisch kompliziert.

      Es ist wohl kein (repräsentatives) „Beispiel“, sondern auch hier eine Württemberger Besonderheit. Das (auch Voranmeldung zum Normalpreis bis 2 Monate vor dem Turnier) haben dabei wohl nicht irgendwelche „Turnierverantwortliche“ alleine entschieden, sondern es war eine Entscheidung auf Verbandsebene.

      Zu 1900er Eloschnitt: letztes Jahr hatte die Hälfte des Feldes 2000+, es gab eben auch nominell schwächere (die sich vielleicht in kleinen Bezirken qualifizierten). Dass sich dann nominell schwache Spieler (Nummer 16 und 11 der Setzliste) für das Meisterturnier qualifizierten – nun es waren junge Spieler die sich zwischenzeitlich stark verbessert haben.

    2. Mit einiger Sorge beobachte ich, dass es immer mehr in Mode kommt, für normenfähige Turniere relativ hohe Startgelder zu verlangen. Das sind quasi Budapester Verhältnisse.

      1. Worauf bezieht sich das? Jedenfalls nicht auf das „Württemberg Chess Meeting“ – übergreifende Bezeichnung für insgesamt fünf Turniere, nur WEM-Masters ist (bewusste Entscheidung) „normenfähig“. Der Kommentar von Schachfreund Lorscheid ist da „suggestiv“ – Startgeld (fließt in den Preisgeldfonds) und Organisationsbeitrag (dafür gibt es Mahlzeiten und auch Getränke während der Runden) wird und sollte voneinander getrennt werden. Um es nochmal aufzubröseln (jeweils bei rechtzeitiger Anmeldung):

        Masters: KEIN Startgeld, 120 Euro Orga-Beitrag. Preisgeld 2650 Euro (1000/600/400/300/200/150 Euro) für 6 von 10 Spielern. Die für Normen erforderlichen Titelträger bekommen vermutlich irgendwelche Konditionen, sonst würden sie nicht mitspielen.

        Kandidaten: Startgeld 60 Euro (Erwachsene), 40 Euro (Jugendliche), 6 Bezirksmeister startgeldfrei (GMs und IMs auch startgeldfrei, aber die werden wohl nicht teilnehmen). Orga-Beitrag 120 Euro. Preisgeld 1800 Euro (500/400/300/250/200/150 Euro) für 6 von bis zu 34 Spielern (34 qualifiziert, bei weniger Anmeldungen Freiplätze verfügbar) – bei im Prinzip maximal 28 voll zahlenden fast aber nicht ganz kostendeckend.

        Extra Einnahmen durch verspätete Anmeldungen, außerdem soll es (auch oder vor allem das Masters) offenbar aus dem offenen Turnier und dem Inklusionsturnier querfinanziert werden. Open 80 Euro Startgeld und 185 Euro Orga-Beitrag (dabei sind sie für 5 Runden nur 4 Tage vor Ort und bekommen 5 Mahlzeiten), die besten fünf (von letztes Jahr acht) qualifizieren sich für das nächste Kandidatenturnier. Preisgeld „voraussichtlich“ (d.h. nur bei mehr Teilnahme garantiert?) 200+100+50 Euro. Im Inklusionsturnier (Menschen mit Behinderung) 75 Euro Startgeld und 185 Euro Orga-Beitrag.

        Man kann das gesamte Württemberger Konzept (in Deutschland so einmalig?) hinterfragen oder kritisieren. Man sollte jedenfalls nicht sagen „das sind Wucherpreise“. Wie attraktiv es so ist kann jede(r) selbst entscheiden. Empirisch: Masters JA, Kandidaten naja (letztes Jahr 22 statt 34 Teilnehmer), Open kaum.

      2. Generell für Normenturniere: in Budapest (und anderswo) sind sie eben kommerziell, d.h. Veranstalter wollen nicht nur kostendeckend arbeiten sondern auch ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

        Wie es ansonsten ausschaut: für Bayern konnte ich es nicht herausfinden. Normenturniere gab es vom Schachverband in Rosenheim – Normenjäger vor allem eingeladene(?) deutsche/bayerische Spieler – und im Rahmen des Münchner Schachfestivals – auch Normenjäger sehr international.

        Da gilt wohl auch, dass Normen ermöglichende Titelträger Konditionen bekommen und Normenjäger sich vielleicht an den Kosten dafür beteiligen, damit es insgesamt (etwa) kostendeckend wird. Höhere Kosten als für Opens in denen zwei Dinge gelten: a) vielleicht bekommt man drei GMs oder drei IMs, vielleicht aber auch nicht, b) die GMs oder IMs sind womöglich auch „zu stark“ – in Normturnieren ja oft auch Titelträger, die das zu ihrem Titel passende Niveau nicht mehr haben.

        Natürlich kann man fordern, dass Sponsoren _alle_ Kosten übernehmen, mitunter ist es vielleicht auch der Fall. Ob es komplett aus Verbandmitteln d.h. Mitgliedsbeiträgen finanziert werden sollte, darüber kann man diskutieren und geteilter Meinung sein.

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