11.07.2026

7 Gedanken zu „Bericht der FIDE Ethik-Kommission zur causa GM Kramnik

  1. Ergänzend dazu:
    Der aktuelle öffentlich bekannte Stand ist, dass Kramnik das Verfahren vor einem Zivilgericht in Lausanne eingeleitet hat und sich dieses in der frühen Phase befindet; über eine Entscheidung oder einen konkret terminierten Hauptprozess ist bislang nichts publiziert worden. [worldchess](https://worldchess.com/news/kramnik-takes-fide-to-swiss-civil-court-bypassing-sports-usual-arbitration-system)

    ## Ausgangspunkt der Klage
    Kramnik hat Ende Dezember 2025 nach eigenen Angaben eine Zivilklage gegen die FIDE beim zuständigen Schweizer Gericht in Lausanne eingereicht, also am Sitz des Verbandes. Er wirft der FIDE u.a. diffamierende und „illegale und unmoralische“ Äußerungen im Zusammenhang mit den gegen ihn eingeleiteten Ethikverfahren vor und strebt finanzielle Entschädigung an, deren genaue Höhe erst mit der Hauptklage beziffert werden soll. [schachkicker](https://schachkicker.de/vladimir-kramnik-verklagt-fide/)

    ## Verfahrenstechnischer Stand in Lausanne
    Nach den verfügbaren Berichten wurde zunächst ein Antrag auf Beweissicherung gestellt, der FIDE verpflichtet, einschlägige Dokumente und elektronische Kommunikation zu erhalten und nicht zu löschen oder zu verändern. Im schweizerischen Zivilverfahren ist eine obligatorische Vorphase von etwa zwei bis drei Monaten vorgesehen, in der geklärt wird, ob der Fall in ein volles Hauptverfahren übergeht; diese Phase wurde laut Kramniks Statement eingeleitet, jedoch gibt es bisher keine öffentlichen Hinweise auf ein bereits eröffnetes Hauptverfahren oder Zwischenergebnisse des Gerichts. [worldchess](https://worldchess.com/pl/news/kramnik-takes-fide-to-swiss-civil-court-bypassing-sports-usual-arbitration-system)

    ## Parallel: FIDE-Entscheidung gegen Kramnik
    Unabhängig von der Zivilklage hat die FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission Anfang Juli 2026 ihr Verfahren gegen Kramnik abgeschlossen und eine zweijährige Sperre für FIDE‑Wettkämpfe verhängt, von der zwölf Monate unter Bewährung ausgesetzt sind. Diese Entscheidung kann innerhalb von 21 Tagen vor der Berufungskammer der FIDE-Ethikkommission angefochten werden, ist aber ein separates Verbandsverfahren und nicht Teil der Zivilklage in Lausanne. [fide](https://www.fide.com/fide-ethics-disciplinary-commission-issues-a-decision-in-case-involving-gm-vladimir-kramnik/)

    ## Einordnung des Informationsstands
    Weil Zivilverfahren in der Schweiz in dieser frühen Phase oft nicht im Detail öffentlich dokumentiert werden, stützen sich die derzeitigen Informationen im Wesentlichen auf Kramniks eigene Erklärungen und Medienberichte. Bis Anfang Juli 2026 ist nichts Verlässliches über einen Verhandlungstermin, Teilvergleiche oder gerichtliche Zwischenentscheidungen zur Klage gegen die FIDE veröffentlicht worden; man kann daher nur davon ausgehen, dass das Verfahren formal anhängig und in der Anfangsphase ist. [worldchess](https://worldchess.com/uk/news/kramnik-takes-fide-to-swiss-civil-court-bypassing-sports-usual-arbitration-system)

  2. GM Kramnik hat sich inzwischen auch zum Thema geäußert:

    Kramnik geht gegen Entscheidung der FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission vor.
    Der ehemalige Weltmeister Wladimir Kramnik hat scharf auf die jüngste Entscheidung der FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission (EDC) reagiert. In einem Beitrag auf X äußerte er sich zuversichtlich, dass die gegen ihn ergangene Entscheidung letztlich aufgehoben werde.

    In einer offiziellen Erklärung teilte Kramnik mit, er bereite eine Berufung vor und plane, die Entscheidung anzufechten; er wirft der EDC zahlreiche schwerwiegende Verfahrensverstöße gegen die FIDE-Regularien vor. Er kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um seinen Ruf wiederherzustellen und Gerechtigkeit zu erlangen.

    Die EDC hatte ihre Entscheidung am 3. Juli bekannt gegeben und Kramnik für mehrere Verstöße gegen den FIDE-Ethikkodex sowie die Disziplinarordnung verantwortlich gemacht. Dem Urteil zufolge wurde er unter anderem des Mobbings und Cyber-Mobbings, der Verletzung des Rechts auf Würde und respektvollen Umgang, des psychischen Missbrauchs sowie der Erhebung falscher oder unbegründeter öffentlicher Anschuldigungen für schuldig befunden.

    Es ist davon auszugehen, dass der Fall fortgesetzt wird, da Kramnik das Berufungsverfahren einleitet.

  3. Was soll man dazu sagen?
    In solchen „Fällen“ gibt es ohnehin nur Verlierer.
    Niemals Gewinner!
    Ein großer Verlierer ist in jedem Fall das SCHACH an sich.
    Ich finde es in jeder Hinsicht traurig.

    1. Hallo Frank, ja das ist richtig. Auch gute Freunde von GM Kramnik verstehen nicht, wie es so weit kommen konnte. Wollte man die Geschichte verfilmen, oder einen Roman darüber schreiben, müsste man wohl titeln: Kramnik gegen den Rest der Welt!

  4. Inzwischen hat sich auch GM Topalov mit markigen Worten in die Debatte eingeschaltet, und Kramnik eine medizinische Behandlung empfohlen. Kramnik hat geantwortet, dass sich dann beide in Behandlung begeben sollten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert