IM Roman Vidonyak: Photo: Münchener Schachakademie
Ein Interview von Chessbase India gewährt bemerkenswerte Einblicke in die Arbeit eines der führenden Schachtrainer der Welt. Die deutsche Übersetzung des Interviews, das vor etwa einem Jahr geführt wurde, ist ebenfalls einem Beitrag auf Chessbase zu entnehmen.
Die Rede ist von Roman Vidonyak, der gerade erneut in den Fokus der Schachöffentlichkeit geriet, als sein Schüler Sindarov sich gestern im Kandidatenturnier als Herausforderer des Weltmeisters qualifizierte.
Laut eigener Aussage hat Roman u.a. zur Entwicklung folgender deutscher Großmeister beigetragen: Georg Meier, Leonid Kritz, Sebastian Bogner und Dennis Wagner.
Noch beeindruckender ist wohl die Liste der Weltklassespieler, mit denen er bereits trainiert hat: Vladimir Fedoseev, Anish Giri, Javokhir Sindarov und Jorden van Foreest, wobei das nur ein Auszug ist, denn einige Spieler die mit ihm trainiert haben, möchten nicht öffentlich genannt werden.
Selbst schreibt Vidonyak den Aufbau seines Trainingssystems vor allem den Trainern Igor Platonov und Josif Dorfman, wie auch einigen führenden Neurowissenschaftlern zu. Schachtraining hat er in der Ukraine in Lviv studiert und sich so sein eigenes System erarbeitet, das wie beschrieben international sehr erfolgreich ist.
Hier ein Extrembeispiel für Romans Intensivtraining: mit Vladimir Fedoseev verbrachte er laut eigener Aussage in zweieinhalb Jahren mehr als 100 Tage in Trainingslagern, mit täglich 8 bis 10 Stunden Training. Hinzu kamen endlose Telefonate, in denen sie eine Vielzahl von Schachthemen besprachen. In diesem Zeitraum wurden mehr als 1000 Stunden Telefonate gezählt.
In Deutschland wurde Roman im Jahr 2023 als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Ein Titel, den er auch im Jahr 2026 erneut verdient hätte, nachdem er sich nun als Trainer der Nummer fünf der Weltrangliste und des Herausforderers von WM Gukesh bezeichnen darf.
Es sei noch angemerkt, dass Vidonyak trotz seiner zahlreichen Erfolge im persönlichen Auftreten durchaus bescheiden ist. Vidonyak lebt übrigens in München und ist für den FC Bayern spielberechtigt. Wenn auch seit 2018 als Spieler inaktiv.
Chessbase berichtet auch auf der deutschen Seite von vier Schritten, in der Vidonyak folgende Ziele für seinen Schüler Sindarov vorgibt, von denen die ersten beiden bereits erreicht sind.
- Schritt 1: Qualifikation für das Kandidatenturnier
- Schritt 2: Sieg im Kandidatenturnier
- Schritt 3: Gewinn der Weltmeisterschaft
- Schritt 4: Sindarov soll sich als bester Spieler der Welt über 2800 etablieren
Die Trainingscamps, die übrgens oft in München stattfinden, dauern ein bis zwei Wochen, und es wird 8 Stunden täglich hart trainiert!
Zur Trainingsmethode: sie beruht auf 17 Faktoren, die einen Spieler charakterisieren. Die Zahl 17 ist laut Roman nur eine Annäherung; sie ist notwendig, um die Fähigkeiten näher zu bestimmen, an denen ein Spitzenspieler arbeiten sollte
Zum Abschluss dieser spontanen Ehrung grübelt der Autor dieser Zeilen: wie kann ein einziger Trainer so viele Erfolge verbuchen, was ist sein Zaubertrick? Man kann sogar sagen, dass er inzwischen den Indischen Trainer Ramesh überflügelt hat, oder dabei ist, ihn zu überflügeln.